Kopf der Woche: Dr. Sigrid Gschösser

Dr. Sigrid Gschösser, geboren 1976 in Innsbruck, promovierte Anfang Juni an der LFU zum Dr. rer. nat. sub auspiciis praesidentis rei publicae am Institut für Organische Chemie. Für ihre Dissertation mit dem Titel "Mono- und Oligonukleotid-Konjugate von B12-Coenzymen: Synthese und Funktion als B12-retro-Riboschalter" erhielt sie vor kurzem den Sosnovsky-Preis.
Dr. Sigrid Gschösser
Bild: Dr. Sigrid Gschösser

Das Fach der Organischen Chemie habe Dr. Gschösser schon während des Studiums neben Analytischer Chemie am meisten interessiert. Nach ihrer rein synthetischen Diplomarbeit in Organischer Chemie hat sie sich für eine Dissertation am selben Institut, jedoch mit mehr biologischem Bezug entschieden. Dabei hat sie sich mit dem Naturstoff Vitamin B12 beschäftigt und seine Reaktivität in Gegenwart einer RNA-Umgebung studiert.
 

Synthese von B12 -Nukleotid-Konjugaten

Die Untersuchungen von Gschösser erbrachten wichtige experimentelle Beiträge zur biologisch orientierten Chemie des Coenzyms B12 im speziellen Zusammenhang mit der Thematik von B12-Riboschaltern, eines kürzlich entdeckten, neuartigen Weges der Kontrolle der Expression spezifischer Gene in der Natur. Im Rahmen ihrer Dissertation wurden ausgehend von Vitamin B12 Konjugate mit Mono- und Oligonukleotiden synthetisiert und eingehend spektroskopisch analysiert. Dadurch konnte ein essentieller Beitrag zum Verständnis der Wirkung einer Oligonukleotid-Umgebung auf die Struktur und Reaktivität der B12-Cofaktoren Methylcobalamin und Coenzym B12 geleistet werden. Vizerektor Tilmann Märk überreichte der sub auspiciis Promovendin am 19. Juni den Sosnovsky-Preis für ihre hervorragende Dissertation.

Ein Teil der von Dr. Gschösser durchgeführten Arbeiten ist bereits in vier Originalpublikationen in international angesehenen Fachjournalen (u.a. in Angew. Chem. und Chem. Eur. J.) veröffentlicht worden. Sie ist auch Mitautorin eines Übersichtsartikels über B12 und B12 -Proteine. Zuletzt war sie als wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Organische Chemie der LFU Innsbruck beschäftigt.
 

Karrierefrau und Mutter

Neben anderen Auszeichnungen wurde Frau Dr. Sigrid Gschösser am 9. Juni 2006 von Bundespräsident Heinz Fischer mit der höchstmöglichen Auszeichnung von Studienleistungen in Österreich geehrt. „Die wertvollste Auszeichnung für mich ist die sub auspiciis Promotion, weil am meisten Mühe dahinter steckt. Ich habe mich natürlich gefreut, dass es endlich soweit ist. Gleichzeitig war ich aber auch etwas angespannt, ob und wie unser im Februar dieses Jahres geborener Sohn Tobias die Feier überstehen wird.“, zeigt sich die erfolgreiche Mutter bescheiden.

Während ihrer Dissertationszeit habe sie ihr Mann immer wieder zu später Stunde ins Institut begleitet, wenn sie beispielsweise eine Reaktion habe abbrechen oder aufarbeiten müssen, weil sie sich allein im dunklen Institut unwohl gefühlt habe. „Mein Mann hat dafür immer größtes Verständnis gezeigt, wofür ich ihm sehr, sehr dankbar bin.“, freut sich Dr. Gschösser und wird sich nun wohl eine Zeit lang ganz ihrer Familie und dem Sohn Tobias widmen.
 

Zur Person:

Dr. Sigrid Gschösser wurde 1976 in Innsbruck geboren. Nach ihrer Matura im Gymnasium Sillgasse begann sie 1995 an der Universität Innsbruck ein Chemiestudium, das sie im Jahr 2001 mit Auszeichnung abschloss. Ihre Diplomarbeit entwickelte Sigrid Gschösser in der Arbeitsgruppe von Prof. Bernhard Kräutler am Institut für Organische Chemie. Hier arbeitete sie im Anschluss an ihre Diplomarbeit auch im Rahmen eines FWF-Projektes. Im Jahre 2005 beendete Sigrid Gschösser dann ihr Doktoratsstudium ebenfalls sehr erfolgreich. Von April 2004 bis Dezember 2005 arbeitete Frau Dr. Gschösser als wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Organische Chemie. Wissenschaftlich beschäftigt sich Frau Dr. Gschösser mit der Synthese organischer Substanzen im Bereich der RNA und des Vitaminkomplexes B12. Sie hatte in der Vergangenheit bereits mehrfach die Gelegenheit, ihre wissenschaftliche Arbeit im Rahmen von Fachpublikationen, Vorträgen und Posterpräsentationen vorzustellen.

Die Mutter des fünf Monate alten Tobias erhielt mehrere Anerkennungen - unter anderem 1995 den 1. Preis der Gesellschaft Österreichischer Chemiker für die Fachbereichsarbeit "Wasseranalysen", 2001 den Preis des Rektors der LFU Innsbruck für ihre Diplomarbeit und zuletzt im Juni diesen Jahres den mit 2.000 Euro dotierten Sosnovsky-Preis für ihre Dissertation.