Kopf der Woche: Dekan Martin Coy

Dekan Prof. Martin Coy wurde zum neuen Mitglied der International Advisory Group (IAG) des Pilotprogramms zum Schutz und zur nachhaltigen Nutzung der tropischen Regenwälder Brasiliens (PPG7) berufen.
Dekan Prof. Martin Coy.
Bild: Dekan Prof. Martin Coy.

Das internationale Pilotprogramm zum Schutz und zur nachhaltigen Nutzung der tropischen Regenwälder Brasiliens, auch PPG7 genannt, geht auf eine Initiative des deutschen Ex-Bundeskanzlers Helmut Kohl auf dem Gipfeltreffen von Dublin (EU) im Juni 1990 und der sieben wichtigsten Industriestaaten in Houston (G7) im Juli 1990 zurück. Dort formulierten EU und G7 das Angebot an die brasilianische Regierung, ein Pilotprogramm zum Schutz der brasilianischen Regenwälder zu unterstützen. Brasilien sollte dabei in seinem bereits eingeschlagenen Weg unterstützt werden, den Raubbau in den Urwäldern Amazoniens weiter aufzuhalten. Die brasilianische Regierung griff diese Initiative auf, sodass eine langfristige und erfolgreiche Umweltpolitik etabliert werden konnte.

 

Die erklärten Ziele des Projekts sind der Schutz und die nachhaltige Nutzung des Tropenwaldes, der globale Klimaschutz und die Bewahrung der genetischen Ressourcen. Die Laufzeit wurde vorerst für die Jahre 1993 bis 2008 festgesetzt. Mit einem finanziellen Volumen von bisher 360 Millionen US-Dollar und einem umfassenden Konzept ist dieses Programm ein Modellfall globaler Umweltpolitik geworden. Bisher wurden 90 Wald- und Indianerschutzgebiete eingerichtet, die eine Gesamtfläche von 406.000 Quadratkilometer einnehmen. Zudem wurden auch 180 Kleinprojekte unterstützt. Zu den begleitenden Maßnahmen gehören auch der Aufbau von Sammler-Reservaten (z. B. für Kautschuk- und Paranuss-Sammler), Waldbrandschutzmaßnahmen und die Weiterbildung der Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen der Landesumweltbehörden.

 

Die International Advisory Group (IAG), in welche Prof. Martin Coy berufen wurde, ist eine unabhängige, internationale und multidisziplinär zusammengesetzte Expertenkommission, in der acht Wissenschaftler tätig sind. Die IAG-Sachverständigen haben die Aufgabe, das Pilotprogramm der Weltbank, der G7-Länder und der brasilianischen Regierung zur Erhaltung der brasilianischen Regenwälder kritisch zu analysieren, seine Fortschritte zu überprüfen, Projekte und Programm zu modifizieren. Der Bericht der IAG dient als Diskussionsgrundlage beim jährlichen Treffen der Geberländer mit der brasilianischen Regierung und der Weltbank.

 

Zur Person:

Martin Coy wurde 1954 in Frankfurt a. M. geboren. Er absolvierte das Studium der Geographie mit Diplomabschluss in Frankfurt a. M. und schloss daran ein Aufbaustudium in Sozialanthropologie an der EHESS in Paris an. Professor Coy promovierte und habilitierte in Geographie an der Geowissenschaftlichen Fakultät der Universität Tübingen und war dort lange Jahre wissenschaftlicher Mitarbeiter und Oberassistent am Geographischen Institut der Universität Tübingen. Seit 2003 ist er Professor für Angewandte Geographie am Institut für Geographie der LFU Innsbruck. Seit 2004 ist Coy Dekan der Fakultät für Geo- und Atmosphärenwissenschaften der LFU Innsbruck.

 

Seine Forschungsgebiete erstrecken sich von der Regionalentwicklung in Amazonien und im brasilianischen Mittelwesten über Fragen der Megastadtentwicklung (São Paulo und Buenos Aires), Stadterneuerung, nachhaltige Entwicklung bis hin zu Mensch-Umwelt-Beziehungen. Dazu verbrachte Professor Coy zahlreiche Forschungsaufenthalte in Lateinamerika, vor allem in Brasilien und Argentinien.