Kopf der Woche: MMag. Dr. Christina Antenhofer

Frau Dr. Antenhofer ist wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Geschichte und Ethnologie, letzten Freitag wurde ihr für ihre Dissertation in Vaduz der Liechtensteinpreis verliehen.
MMag. Dr. Christina Antenhofer

Mit dem „Preis des Fürstentums Liechtenstein für die wissenschaftliche Forschung an der Leopold-Franzens-Universität Innsbruck und der Medizinischen Universität Innsbruck“, so der korrekte Name des Liechtenstein-Preises, zeichnet die Regierung des Fürstentums Liechtenstein herausragende wissenschaftliche Forschungsarbeiten von AssistentInnen, DozentInnen und ForschungsassistentInnen sowie von Studierenden beider Universitäten aus.

 

Als eine ebensolche herausragende wissenschaftliche Forschungsarbeit wurde Dr. Antenhofers Dissertation erkannt. In „Briefe zwischen Süd und Nord. Das Korrespondenznetz um Paula de Gonzaga und Leonhard von Görz (1473 bis 1500)“ überarbeitet Dr. Antenhofer das bisher tradierte Bild von der Ehe der beiden Adeligen. „1478 heiratet die italienische Fürstentochter Paula de Gonzaga aus Mantua den letzten Grafen von Görz, Leonhard. Paula und Leonhard sind als ‚ungleiches Paar’ in die Geschichte eingegangen, sie stehen für das Aufeinanderprallen der Kulturen und für unvereinbare Konflikte in der Ehe, die vor allem die Frau zum Opfer eines brutalen Gatten machen. Ziel meiner Dissertation ist es, die Geschichte dieser Ehe anhand der Quellen neu zu ‚rekonstruieren’, dem Klischee des ‚rauen’ Grafen und der ‚feinsinnigen’ Renaissancefürstin auf den Grund zu gehen und die grundlegenden Konfliktpotentiale in der Eheverbindung aufzuspüren. Ein zweiter thematischer Schwerpunkt gilt der Kommunikation zwischen den Höfen und fragt nach den Formen der Konfliktbewältigung, wie sie in der Korrespondenz sichtbar werden“, erklärt Frau Dr. Antenhofer.

 

Für ihre Arbeit hat Frau Dr. Antenhofer keine Mühen gescheut: Über 1.800 Briefe in italienischer, deutscher und lateinischer Sprache wurden im Staatsarchiv von Mantua, im Tiroler Landesarchiv und im Geheimen Staatsarchiv von Berlin erhoben und in einer Datenbank erfasst, 500 davon transkribiert, übersetzt und für die Analyse ausgewertet. Das Ergebnis der Arbeit ist die Zerschlagung eines Klischees: Paula de Gonzaga aus Mantua steht nicht als hilfloses Opfer ihres Gatten Leonhard, des letzten Grafen von Görz, sondern als Beispiel für eine in die Fremde verheiratete Fürstin, die aufgrund ihrer Kinderlosigkeit und der nicht erfolgten Auszahlung ihrer Mitgift in ein „Machtvakuum“ zwischen zwei Familienverbände fällt. Ein zweites Ergebnis der Dissertation ist das Aufzeigen eines besonderen Kommunikationsverhaltens zwischen den beiden Fürstenhöfen. Dieser Diskurs, Frau Dr. Antenhofer bezeichnet ihn als „Code der Freundschaft und Verwandtschaft“, basiert auf emotionalen Argumentationsmustern, einer emotionalen Erpressung nahe kommend, dem Rekurs auf verwandtschaftlichen Rollen, auf Strategien des indirekten Sprechens wie Ironie und Sarkasmus und der geschickten Adaptierung des Briefformulars. Als Mittel der Konfliktbewältigung zwischen den verwandten Fürstenhäusern erkennt Frau Dr. Antenhofer diese auf der Wortebene intim-private Kommunikation in höchstem Maße politisch.

 

Zur Person:

 

Frau MMag. Dr. Christina Antenhofer, gebürtige Südtirolerin, absolvierte die Volks- und Mittelschule sowie das Humanistische Gymnasium in Bruneck. 1992 begann sie ihr Lehramtsstudium Germanistik und Französisch an der LFU, 1993 das Diplomstudium Geschichte. 2004 beendete Frau Antenhofer ihr Doktoratsstudium der Philosophie.

 

Für die Überarbeitung ihrer Dissertation zur Drucklegung wurde Dr. Antenhofer mit dem Theodor Körner Förderungspreis ausgezeichnet, 2005 war sie gemeinsam mit MMag. Ulrike Öhler und Dr. Doris Doppler Erstgereihte für den Preis für frauenspezifische Forschung an der LFU. Seit August 2004 ist Dr. Antenhofer Wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Geschichte und Ethnologie.

 

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