Kopf der Woche: Erika Cremer

Aus Anlass des Internationalen Frauentages am 8. März soll hier an eine der Pionierinnen der wissenschaftlichen Frauenkarrieren, die Chemikerin Erika Cremer, erinnert werden.
Kopf der Woche: Erika Cremer
Bild: Erika Cremer

„So lange man studierte, ging das ganz gut. Aber als man dann fertig war und als Konkurrent auftrat, da merkte man schon, dass man sehr viel weniger Chancen hatte als die Männer. Im übrigen hat man’s eigentlich selber auch erkannt, dass das so sein muss. Erstens waren wir ja eine Art ‚neue Eindringlinge’, die jetzt in ein Geschäft hineinkamen, das bisher nur von Männern geführt wurde; und dann wollten die Männer ja auch eine Familie gründen und wollten dazu eine feste Stellung haben.“ (Zitat aus: Susanne Lichtmannegger: Erika Cremer (1900 – 1996) in: Horst Schreiber, Ingrid Tschugg, Alexandra Weiss (Hrsg.): Frauen in Tirol. Pionierinnen in Politik, Wirtschaft, Literatur, Musik, Kunst und Wissenschaft. StudienVerlag Innsbruck-Wien-München-Bozen 2003.) Trotz schwieriger Situation gelang es Erika Cremer sich 1939 habilitieren.

 

 

Cremers Bezug zur LFU Innsbruck

1940 wurde Erika Cremer als Dozentin mit der Lehrbefugnis für physikalische Chemie an die naturwissenschaftliche Fakultät der LFU Innsbruck berufen. Hier war die Errichtung eines eigenständigen Instituts für physikalische Chemie geplant, und damit begann Erika Cremers eigentliche universitäre Laufbahn.

Ihre Berufung als Frau an die Physikalische Chemie nach Innsbruck war für diese Zeit außergewöhnlich. Fast ihr ganzes Berufsleben lang hatte sie im Wissenschaftsbetrieb darunter zu leiden, dass sie eine Frau war. Trotz hervorragender Leistungen (über 200 Veröffentlichungen) dauerte es im Vergleich zur Karriere von männlichen Kollegen sehr lange, bis sie von der Universitätsdozentin zur außerordentlichen Professorin und dann zur Lehrstuhlinhaberin aufstieg.

Im Wintersemester 1945/46 wurde sie mit der provisorischen Leitung des Physikalisch-Chemischen Instituts betraut, das sie in der Folge aufbaute. 1951 wurde sie zur außerordentlichen und 1959 schließlich zur ordentlichen Univ.-Prof. für physikalische Chemie bestellt und zum Vorstand des Physikalisch-Chemischen Institutes ernannt. Die Funktion des Dekans der Philosophischen Fakultät der Universität Innsbruck wurde ihr erst knapp vor ihrer Emeritierung mit 70 Jahren angeboten.

 

Ihre Wissenschaftliche Leistung

Erika Cremer leistete Pionierarbeit auf dem Gebiet der Gaschromatographie, einem Verfahren zur Trennung und quantitativen Bestimmung verdampfter Stoffgemische, welches zu einem der wichtigsten Hilfsmittel in der analytischen Chemie avancierte. 1944 entwickelte sie die Grundlagen der Adsorptionsgaschromatographie. Die vorgesehene Veröffentlichung ging in den Wirren des Kriegsendes auf dem Weg zum Verlag verloren.

Nach 1945 entwickelte sie diese Methode weiter und legte gemeinsam mit ihrem Doktoranden Fritz Prior den Grundstein für eine weltweit erfolgreiche Analysetechnik. Sie erhielt für ihre wissenschaftliche Arbeit verschiedene Preise und Ehrungen, 1964 wurde sie in die Österreichische Akademie der Wissenschaften aufgenommen.

 

Ihre Erinnerungen als Zeitzeugin auch während des Krieges hat Erika Cremer in einem Aufsatz "Zur Geschichte der Entfesselung der Kernenergie" in der ÖCHemZ 1989 zusammengefasst.

 

Weitere Informationen zur Person Erika Cremer finden Sie auch in der Biographie von Gerhard Oberkofler: Erika Cremer (1900-1996). Ein Leben für die Chemie, Innsbruck-Wien 1998 (Studienverlag, 115 Seiten).