Kopf der Woche: Prof. Karl Heider

Vor 150 Jahren geboren: Karl Heider (1856 – 1935), ein Pionier der modernen Entwicklungsbiologie an der Universität Innsbruck zur Jahrhundertwende 1900.
Prof. Karl Heider
Bild: Prof. Karl Heider

1895 wurde der vor genau 150 Jahren geborene Wiener Karl Heider an das Zoologische Ordinariat der Universität Innsbruck berufen. Mit ihm hatte die Universität Innsbruck einen Mitbegründer der modernen Biologie gewinnen können. Über zwei Jahrzehnte blieb Karl Heider der Universität Innsbruck treu, ehe er 1917 an die Universität Berlin berufen wurde.

 

Neben experimentellen Untersuchungen arbeitete Prof. Heider in Innsbruck an dem mehrbändigen Lehrbuch „Vergleichende Entwicklungsgeschichte der Tiere“, das er zusammen mit Prof. Eugen Korschelt verfasste. Der „Korschelt/Heider“ blieb für mehrere Jahrzehnte ein international geachtetes Standardwerk. Auch heute noch ist es lohnend, in der Neuauflage aus dem Jahr 1936 über Details von Entwicklungswegen einzelner Tierarten sowie über Zusammenfassungen der klassischen entwicklungsbiologischen Theorien nachzulesen.

 

1904/05 war Heider Rektor der LFU Innsbruck. Selbst in seiner Inaugurationsrede „Über die historische und causale Betrachtung in der Erforschung der Organismen“ brachte er dabei sein breites Engagement für Entwicklungsbiologie zum Ausdruck. Auch heute, hundert Jahre später, ist Entwicklungsbiologie besonders wegen der neuen zellbiologischen und molekularbiologischen Techniken ein unverzichtbares, integrales Feld der Biologie. Prof. Heiders 150. Geburtstag ist daher ein Anlass, auf die jetzigen Bestrebungen an der LFU zum Ausbau dieses Faches hinzuweisen.

 

Die neue Einrichtung der Biologie, das „Institut für Molekularbiologie“ wird ab 1. Juni 2006 mit Prof. Dirk Meyer im Fach „Molekulare Entwicklungsbiologie der Wirbeltiere“ besetzt sein. Dadurch wird die Forschung über zelluläre und molekulare Entwicklungsphysiologie von Wirbeltieren von Prof. Bernd Pelster und seinen MitarbeiterInnen hervorragend ergänzt. Ebenso unterstützt wird damit die Arbeitsgruppe von Prof. Reinhard Rieger, die zellbiologische und entwicklungsgenetische Aspekte an ursprünglichen vielzelligen Tieren untersucht. An der LFU nähert man sich damit nun jener kritischen Masse an Arbeitsteams, die vielfältig internationale Kooperationen und die ausreichende Nutzung der notwendigen Großgeräte möglich macht.

 

Den organisatorischen Rahmen für den Ausbau bildet das im Jahr 2004 gegründete Forschungszentrum CMBI der LFU, mit einer Schwerpunktsetzung in "Molekulare Entwicklunsgbiologie".

 

Warum gilt Heider als ein Pionier der Entwicklungsbiologie? Auszüge aus einem Quellenoriginal, dem Berliner Besetzungsvorschlag aus dem Jahr 1917, verdeutlichen den internationalen Stellenwert Heiders (Aus den Beständen des Archivs der Humboldt-Universität Berlin):

 

"Heiders wichtigste Arbeiten liegen auf dem Gebiete der Entwicklungsgeschichte der wirbellosen Tiere und der modernen Entwicklungsphysiologie. Seine bedeutendsten sind die Entwicklungsgeschichte von Oscarella, von Hydrophilus, von Salpa und von Echinodermen. Heider zeigt sich in diesen Arbeiten nicht nur als ein ganz hervorragender Beobachter, sondern er versteht es auch meisterhaft, die gewonnenen Resultate für allgemeine Theorien fruchtbar zu machen und dadurch den Arbeiten einen weit das Gebiet des Objekts überragenden Wert zu verleihen.

Für seine Bedeutung spricht nichts so sehr, als dass er nicht einseitig starr an den herrschenden, auch von ihm als richtig leidenschaftlich verteidigten Theorien festhält, sondern mit der Wissenschaft fortschreitet, seine eigenen Ansichten revidiert und umarbeitet. So steht die erste Periode seiner Forschung ganz im Bann der Häckel'schen Theorien, der Gasträatheorie, der Theorie der Gonologie der Keimblätter und des biogenetischen Grundgesetzes, und auch in dem genannten Lehrbuch der Entwicklungsgeschichte der wirbellosen Tiere tritt er in den ersten Teilen noch ganz für diese Theorien ein, aber mehr und mehr erkennt er, besonders unter dem Einfluss der Resultate der neuen experimentellen Forschung, dass diese scheinbar so gut begründeten Theorien einer Revision bedürftig sind und zögert nicht, die notwendigen Konsequenzen daraus zu ziehen..."

 

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