Kopf der Woche: Winfried Löffler

Im November letzten Jahres erhielt Ass.-Prof. DDr. Winfried Löffler vom Institut für Christliche Philosophie den WER-Preis der Österreichischen Industriellenvereinigung. Mit seiner Untersuchung „Was hat Nachhaltigkeit mit sozialer Gerechtigkeit zu tun?“ wurde ein Stück sprachphilosophischer Grundlagenforschung im Kontext der praktischen Philosophie prämiert.
Winfried Löffler
Bild: Winfried Löffler

Seit einigen Jahren vergibt die Österreichische Industriellenvereinigung alljährlich den WER-Preis (Preis zur Förderung des Dialoges zwischen Wirtschaft, Ethik und Religion“, www.wirtschaft-und-gesellschaft.at). Den Preis in der Kategorie „wissenschaftliche Aufsätze“ holte heuer ein Christlicher Philosoph an die LFU: Ass.-Prof. DDr. Winfried Löffler vom Institut für Christliche Philosophie arbeitet zwar schwerpunktmäßig auf den Gebieten Logik, Wissenschaftstheorie und Religionsphilosophie, bemüht sich jedoch auch, Ergebnisse der philosophischen Grundlagenforschung für praktische Fragen fruchtbar zu machen. Unter anderem untersucht er den Umgang mit Leitbildern wie Nachhaltigkeit und soziale Gerechtigkeit aus sprachphilosophischer Sicht. Daraus ergeben sich Folgerungen für die Umsetzungs-Chancen dieser Leitbilder.

Nur Leerformeln?
Nachhaltigkeit ist in aller Munde. Vielfach steht das Wort bereits im Verdacht, eine inflationär gebrauchte rhetorische Modedroge zu sein. Andererseits fließen seit dem Rio-Gipfel 1992 beträchtliche Gelder in Nachhaltigkeitsprogramme auf lokaler, nationaler und internationaler Ebene, etwa im Rahmen der Lokalen Agenda 21. Und drittens ist da das irritierende Faktum, dass in Umfragen keine 30% der Interviewten inhaltlich wirklich etwas mit Nachhaltigkeit verbinden, oft nicht einmal die Zentralidee „Erhaltung der Lebenschancen zukünftiger Generationen“. Also doch nur heiße Luft?
Keineswegs, meint Löffler, und schlägt vor, zwischen Begriffen und Leitbildern zu unterscheiden. „Nachhaltigkeit ist zwar kein völlig klarer Begriff, aber zumindest ein durchaus gehaltvolles, tragfähiges Leitbild, dessen harter Kern heute nicht mehr disponibel ist. Dieser harte Kern ist die Einsicht, dass drei Faktoren zusammenwirken müssen, wenn wir zukünftigen Generationen ein lebenswertes Leben ermöglichen wollen: Erstens funktionierende, intelligente Wirtschaften, zweitens die Durchsetzung weltweiter sozialer Gerechtigkeit, und drittens die Bewahrung funktionierender Ökosysteme, den weitblickenden Umgang mit natürlichen Ressourcen.“ Nachhaltigkeit stehe unter Klarheitsgesichtspunkten nicht schlechter da als andere gesellschaftspolitische Leitbilder, wie etwa Demokratisierung oder soziale Gerechtigkeit.

Chancen des Nachhaltigkeitsleitbildes
Trotz der international tristen Umsetzungslage seit Rio (ein Stichwort von vielen: Kyoto-Protokoll) schreibt Löffler dem Nachhaltigkeitsleitbild nach wie vor Chancen zu. Sie hängen damit zusammen, dass das Leitbild – richtig verstanden und ordentlich kommuniziert – wenig vereinnahmungsanfällig ist. Die Grundidee der Vorsorge für zukünftige Generationen ist praktisch allgemein konsensfähig. Und zur Umsetzung dieser Idee wird auf einsichtige, naturhafte Sachgesetzlichkeiten verwiesen, die kaum manipuliert bzw. auf Dauer verschleiert werden können: bestimmten Wirtschaftsweisen und Politikformen sieht man es – unabhängig von der eigenen Weltanschauung – einfach an, dass sie nicht zukunftsfähig, nicht „nachhaltig“ sind und immense Folgekosten haben. Nachhaltiges Wirtschaften rechnet sich in vielen Fällen schon mittel- bis kurzfristig. Und vor allem: Nachhaltigkeit ist in gewissem Ausmaß auch ökonomisch messbar.
„Vielleicht ist die rhetorische Beliebtheit des Verweises auf Nachhaltigkeit ja auch Anzeichen einer Chance“, überlegt Löffler. Auch in der jüngeren Literatur zur katholischen Soziallehre wird dies übrigens ähnlich gesehen: Nachhaltigkeit wird neuerdings als ein zusätzliches Sozialprinzip, gleichrangig den bekannten Prinzipien der Personalität, Solidarität und Subsidiarität vorgeschlagen.

Zur Person
Winfried Löffler wurde 1965 in Innsbruck geboren und studierte seit 1983 Rechtswissenschaften, Katholische Theologie und Philosophie an der Theologischen Fakultät. Dr.iur. 1991 (Dissertation über Wehrrecht), Magister der Theologie 1992, Dr.phil.fac.theol. 1995 (Dissertation über moderne probabilistische Argumente für die Existenz Gottes), jeweils mit Auszeichnung. Seit 1988 ist Löffler am Institut für Christliche Philosophie beschäftigt. Im Oktober 2004 hat er sich an der Hochschule für Philosophie in München habilitiert.
Zahlreiche Auslandslehrveranstaltungen führten Löffler nach Tübingen, Münster, Uppsala, München, Ljubljana, Zagreb und Krakau. Alljährlich unterrichtet Löffler einen Semesterkurs in Österreichischer Philosophie für das Innsbruck-Programm der University of Notre Dame. In den letzten Jahren unterrichtete Löffler auch Medizinethik an der damaligen medizinischen Fakultät. 1998-2000 und 2002-2004 war Löffler erster Vizepräsident der Österreichischen Gesellschaft für Philosophie, u.a. ist er mit der Organisation mehrerer internationaler Großkongresse hervorgetreten, zuletzt 2003 mit dem 26. Internationalen Wittgenstein-Symposium in Kirchberg am Wechsel (www.alws.at). Löffler ist Autor von über 45 wissenschaftlichen Artikeln, 40 Lexikon- und Handbuchartikeln und 30 größeren Rezensionen, derzeit arbeitet er an zwei größeren Einführungsbüchern in die Logik und in die Religionsphilosophie.