Kopf der Woche: Wolfgang Meid

Am 3. November hat em. o Univ.-Prof. Dr. Wolfgang Meid von der National University of Ireland den Titel eines „Doctor of Celtic studies honoris causa“ (D. Litt. Celt. h.c.) erhalten. Die feierliche Auszeichnung fand anlässlich der 150-Jahr-Feier dieser Universität statt, die damit das wissenschaftliche Werk des emeritierten Sprachwissenschafters, Indogermanisten und Keltologen ehrt.
Wolfgang Meid
Bild: Wolfgang Meid

„Diese Auszeichnung hat für mich den Kreis geschlossen, der vor über 50 Jahren in Dublin begann“, erklärt der 75-jährige, international anerkannte Keltologe und Indogermanist Wolfgang Meid. In seiner wissenschaftlichen Karriere und seiner akademischen Lehre beschäftigte sich Meid intensiv mit Sprache und Kultur der Kelten. In jüngster Zeit erwarb er sich durch die Erschließung der altkeltischen Sprachdenkmäler besondere Verdienste. Insgesamt handelt es sich bei den altkeltischen Sprachen um so genannte „Trümmersprachen“; ihre Überlieferung ist äußerst fragmentarisch, was bei der Deutung der Texte große Schwierigkeiten bereitet: „Dies führt oft zu sehr spekulativen, ja geradezu phantastischen Versuchen, die jeglicher Wahrscheinlichkeit entbehren“, erläutert Meid. Wolfgang Meid ist es in jahrelanger intensiver Forschung geglückt, die etwas längeren und darum wichtigeren gallischen und keltiberischen Sprachdenkmäler einem besseren Verständnis zuzuführen, teilweise sogar einer Gesamtdeutung näher zu bringen. Zuletzt gelang es ihm, das wichtigste und größte altkeltische Sprachdenkmal, die 1970 gefundene Bronzetafel von Botorrita (Spanien), als einen Rechtstext über die Nutzung eines geweihten Areals zu bestimmen.

Bei seiner Einschätzung, was den Stellenwert der lebenden keltischen Sprachen betrifft, ist Meid vorsichtig. Der Untergang der noch gesprochenen keltischen Sprachen ist schon oft vorhergesagt worden, bessere Lebensbedingungen und ein verstärktes Nationalbewusstsein haben sich in letzter Zeit aber positiv auf ihren Bestand ausgewirkt: „Von den selbstbewussten, nationalen Strebungen haben nicht zu Letzt die keltischen Sprachen profitiert.“ Die oft schon nur mehr im privaten Bereich gesprochenen keltischen Sprachen werden heute wieder mehr an die Öffentlichkeit getragen. Das Kornische zum Beispiel, das seit dem 18. Jahrhundert eigentlich ausgestorben ist, wird mittlerweile wieder von etwa 1000 Menschen gesprochen. Das Walisische mit ca. 500.000 Sprechern ist relativ stark verbreitet. Daneben versucht Irland, die irische Sprache zu erhalten. Irisch, das von den Irischsprechern selbst als Gälisch bezeichnet wird, ist seit 1920 erste Amtssprache neben dem Englischen.

Die Keltischen Sprachen
In den westeuropäischen, besonders den romanischen Sprachen, hat sich ein nicht unbedeutender keltischer Wortschatz erhalten. Viele altüberlieferte Orts- und Personennamen sind keltischen Ursprungs und belegen die einst weite Verbreitung der Kelten. Die keltischen Sprachen – sie werden von der Sprachwissenschaft der indogermanischen Sprachfamilie, genauer gesagt ihrer westlichen Gruppe zugeordnet – waren im ersten Jahrtausend vor Christus aufgrund großräumiger Wanderbewegungen in weiten Teilen Europas verbreitet. Von einem Kerngebiet im südlichen Mitteleuropa aus erreichten die Sprecher keltischer Idiome die Iberische Halbinsel und die Britischen Inseln. Während jedoch die keltischen Sprachen auf dem Festland (das so genannte Festlandkeltisch – in Texten überliefert sind das Gallische, das Keltiberische, das Lepontische , nur in Namen das Galatische) – unter dem dominierenden Latein des römischen Reichs sowie durch die Ausbreitung der germanischen Sprachen verschwanden, haben sich die keltischen Sprachen auf den Britischen Inseln gehalten. Das so genannte Inselkeltisch bildete zwei Gruppen heraus: den britannischen und den irischen Zweig. Zu ersterem gehören das Walisische (Kymrische) in Wales, das Kornische in Cornwall und das auf das Festland abgewanderte Bretonische. Der irische Zweig wird ausschließlich durch das Irisch- und Schottisch-Gälische gebildet.

Zur Person
Wolfgang Meid wurde am 12.November1929 in Pfungstadt (Hessen) geboren. Er studierte in Frankfurt am Main und in Tübingen Vergleichende Sprachwissenschaft, Klassische Philologie und Indologie und promovierte 1955. Zwischen 1955 und 1959 wirkte er als Assistant Lecturer für deutsche Sprache am University College in Dublin, wo seine Forschungen zur keltischen Sprache und Literatur ihren Anfang nahmen. Meid habilitierte sich 1961 am Seminar für Vergleichende Sprachwissenschaft der Universität Würzburg mit einer Arbeit über die indogermanischen Grundlagen der altirischen absoluten und konjunkten Verbalflexion. 1965 folgte Wolfgang Meid einem Ruf an die Universität Innsbruck, wo er als Professor für Vergleichende Sprachwissenschaft (heute: Sprachwissenschaft) maßgeblich am Aufbau des Fachs beteiligt war. Seine langjährige Tätigkeit als Vorsitzender der weltweiten Fachorganisation „Indogermanische Gesellschaft“ machte Innsbruck zu einem der europäischen Zentren der indogermanischen Sprachwissenschaft. Meid ist seit 1974 korrespondierendes Mitglied der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, er begründete und leitete viele Jahre hindurch die Keltische Kommission der Akademie. 1993 wurde ihm der Wilhelm-Hartel-Peis der Akademie verleihen, 1994 das Große Silberne Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich, 2003 schließlich der Preis „Pro Scientia Hungarica“ der Ungarischen Akademie der Wissenschaften. Wolfgang Meids umfangreiches Schaffen umfasst 40 Monographien, ca. 120 sonstige Arbeiten, zahlreiche Rezensionen und Übersetzungen (aus dem Englischen und Walisischen). Wolfgang Meid ist Herausgeber zweier international renommierter Schriftreihen: der „Innsbrucker Beiträge zur Sprachwissenschaft“ (IBS) sowie der „Innsbrucker Beiträge zur Kulturwissenschaft“ (IBK), die beide jeweils mehr als 100 publizierte Bände umfassen.