Kopf der Woche: Mag.<sup>a</sup> Christine Klapeer

Letzte Woche erhielt Christine Klapeer für ihre Diplomarbeit den diesjährigen „Preis für frauenspezifische Forschung“ der LFU. Mit ihrer Diplomarbeit „queer.contexts. Die wesentlichen Inhalte der Queer Theory, ihr politischer und theoretischer Entstehungskontext und ihre Rezeption in Österreich“ spürt sie einer Theorie nach, deren Ziel es ist, die Herstellungsprozesse und Funktionsweisen einer Naturalisierung von Zweigeschlechtlichkeit und damit einhergehend einer biologisch begründeten Heterosexualität aufzudecken und diese binär-hierarchische Heteronormativität im Feld von Politik, Recht, Wissenschaft, Ökonomie und Sprache zu durchbrechen.
Christine Klapeer
Bild: Christine Klapeer

Die Wissenschaftlerin
Christine Klapeer bezeichnet sich selbst als feministische Wissenschaftlerin, da für sie die Sichtbarmachung von HERR-schaftsverhältnissen die zentrale Motivation ihrer wissenschaftlichen Tätigkeiten darstellt. Diese herrschafts- und gesellschaftskritische Haltung war für sie auch der Grund, sich in ihrer im Oktober 2003 fertiggestellten Diplomarbeit mit der aus dem US-amerikanischen Raum stammenden „Queer-Theory“ zu beschäftigen. Die umfassende Theoretisierung und wissenschaftliche Infragestellung der heteronormativen Ordnung unserer Gesellschaft und der Geschlechterbinarität, wie es in „queeren“ Ansätzen geschieht, ist ihrer Ansicht nach ein wichtiges Korrektiv zu Theorien und realen gesellschaftlichen Verhältnissen, welche die Kategorien „Frau“, „Mann“ und Heterosexualität als gegeben bzw. vorkulturell begreifen. So ist für sie die Queer Theory ein wissenschafts- und herrschaftskritischer Ansatz und zugleich ein politischer Standpunkt, geht es doch wesentlich um die Analyse und Aufdeckung gesellschaftlicher Normalisierungsanforderungen und Ausschlussverfahren, in denen Zweigeschlechtlichkeit und Heterosexualität die Lebensbedingungen von Menschen gewaltsam regulieren.

Politisch engagiert
Christine Klapeer ist auch gesellschaftspolitisch engagiert und seit einigen Jahren in der Autonomen FrauenLesbenbewegung in Tirol aktiv. Sie ist Mitherausgeberin der Zeitschrift „AEP-Informationen. Feministische Zeitschrift für Politik und Gesellschaft“ sowie Mitarbeiterin der AEP-Frauenbibliothek. Zudem arbeitet sie im „Archfem“, ein Interdisziplinäres Archiv für feministische Dokumentation, wo sie auch regelmäßig an der Organisation feministischer bzw. frauenspezifischer Veranstaltungen sowie politischer Aktionen beteiligt ist.

Zur Person
Christine Klapeer wurde am 8.12.1979 in Innsbruck geboren, absolvierte in Innsbruck das Bundesoberstufenrealgymnasium. 1998 begann sie an der Universität Innsbruck Politikwissenschaft mit dem Schwerpunkt Frauen- und Geschlechterforschung zu studieren, 2003 schloss sie ihr Studium mit ausgezeichnetem Erfolg ab. Derzeit ist Christine Klapeer Dissertantin am Institut für Politikwissenschaft und mit einer Arbeit zum Thema: „Von der Frauenidentifiziertheit zur Genderparodie. Lesbenpolitische Entwicklungen im Kontext der Autonomen FrauenLesbenbewegung in Österreich“ beschäftigt.