Kopf der Woche: Alexander Siedschlag

Durch die Stiftungsprofessur für "Europäische Sicherheitspolitik" - besetzt mit Univ.-Prof. Dr. Alexander Siedschlag - entstand am Institut für Politikwissenschaft der Kern eines neuen Fachbereichs, der das Profil der Innsbrucker Politikwissenschaft sowohl abrunden als auch ergänzen soll.
Alexander Siedschlag
Bild: Alexander Siedschlag

Das Tätigkeitsfeld, das durch die Stiftungsprofessur abgedeckt wird, ist in die bereits existierenden Studienschwerpunkte "Internationale Politik" und "Politik der europäischen Integration" eingebettet. Während es in Deutschland derzeit keinen eigenen Lehrstuhl für Sicherheitspolitik mehr gibt, sieht Siedschlag für Innsbruck die Chance, sich mit diesem wichtigen Zukunftsthema auch europaweit zu positionieren und vor allem einen wirklich sinnvollen Beitrag zur Entwicklung des Faches Politikwissenschaft und zur Entwicklung politischer Handlungsoptionen zu leisten.

Der in Berlin geborene Wissenschaftler will zunächst ein laufendes Projekt weiterführen, das sich mit nationalen Positionen und Perzeptionen der Sicherheits- und Verteidigungspolitik in der Europäischen Union auseinandersetzt. Fragen wie: "Welche Sicherheitsinteressen verfolgen die einzelnen EU-Staaten? Können sie sich vorstellen, Sicherheitspolitik auf europäischer Ebene zu betreiben oder betrachten sie Sicherheit und Verteidigung auch nach im 21. Jahrhundert als nationale Domäne, in der die Rede von Europa letztlich eine diplomatische Floskel bleibt? Welche Sicherheitsbedrohungen identifizieren die einzelnen Staaten und welche Strategien entwickeln sie, um diese Bedrohungen zu bewältigen? Welche Ideen von Sicherheit im 21. Jahrhundert und von einem Europa, das mit einer Stimme sprechen kann, bestimmen das außen- und sicherheitspolitische Handeln der Staaten?" analysierte der Experte bereits in Bezug auf Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Italien, Polen, Schweden und Spanien. "Dem neuen Genius Loci entsprechend, möchte ich in weiterer Folge in dem Projekt "Perzeptionen" die Positionen der Rolle der neutralen bzw. nicht bündnisgebundenen Staaten hinsichtlich einer gemeinsamen Sicherheitspolitik in der EU besonders berücksichtigen", so Siedschlag über seine zukünftigen Forschungsvorhaben an der LFU.

Ein besonderes Anliegen ist dem Wissenschaftler aber auch, in der Grundlagenforschung und Methodenentwicklung weiterhin aktiv zu sein. "Hier plane ich, meine Arbeiten an einem bestimmten Analyseansatz außenpolitischer Entscheidungen und internationaler Konfliktregelung fortzusetzen, nämlich der Konstellationsanalyse", erklärt der engagierte Politikwissenschaftler. Die Konstellationsanalyse ist ein pluralistisch orientiertes Verfahren, das darauf ausgelegt ist, unterschiedliche Analyseinstrumente in einem gemeinsamen Bezugsrahmen zu vereinen und eine systematische Gesamtbetrachtung (sicherheits)politischer Sachverhalte zu ermöglichen, ohne in den einen oder anderen speziellen Blickwinkel zu kippen. "Gerade für eine politikbegleitende Forschung, wie sie dem Auftrag meines Forschungsbereiches und meines Wissenschaftsverständnisses entspricht, ist hier methodologisch noch viel zu tun", betont Siedschlag. Besonderen Dank spricht der Professor auch dem Stifter der Professur, dem Bundesminister für Landesverteidigung Günter Platter aus, der er es möglich gemacht hat, das Thema Europäische Sicherheitspolitik auf Universitätsniveau und in Dialog mit der Politik zu behandeln. Politikbegleitende Forschung gehört für Siedschlag zu den Krönungen sozialwissenschaftlicher Praxisrelevanz. Weiterer Dank gilt dem Dekan der neuen Fakultät für Sozialwissenschaften, Univ.-Prof. Dr. Anton Pelinka, auf dessen jahrelange Initiative die Stiftungsprofessur zurückgeht.

Im Bereich der Lehre möchte Siedschlag speziell für eine Bereicherung des Lehrangebotes, "die hoffentlich auch neue Berufsperspektiven für unsere Absolventinnen und Absolventen mit eröffnet", sorgen. Mit den ersten drei Lehrveranstaltungen, in denen es in erster Linie um die Möglichkeiten und Grenzen internationaler Konfliktregelung, um die sicherheitspolitische Integration Europas, aber auch um nicht-militärische Aspekte von Friedenssicherung geht, will Siedschlag zeigen, wie wichtig es ist, sich gerade angesichts der neuen Sicherheitsbedrohungen über diese so genannten "zivilen" Komponenten von Konfliktmanagement und letztlich auch von Verteidigung gründlich Gedanken zu machen. "Ich würde mich sehr freuen, wenn es mir gelingen würde, in Innsbruck eine sicherheitspolitische Dialogplattform zu errichten, die internationale Expertise zusammenbringt und in die öffentliche Diskussion hineinwirkt. Mein Ideal wäre eine jährliche Innsbrucker Konferenz für Europäische Sicherheitspolitik", so der Experte abschließend.

Zur Person
Alexander Siedschlag wurde am 27. Februar 1971 in Berlin geboren. An der Ludwig-Maximilians-Universität München begann er 1990 ein Studium der Politischen Wissenschaft, Soziologie, Neueren und Neuesten Geschichte und Psychologie, das er 1994 abschloss. Zwei Jahre später folgte die Promotion in München, vier Jahre später die Habilitation in Berlin. Siedschlags berufliche Laufbahn ist neben Lehrtätigkeiten in Berlin und München auch wesentlich durch internationale Aktivitäten, Tätigkeiten im Wissenschaftsmanagement sowie Drittmittelprojekten gekennzeichnet. Mit Oktober dieses Jahres wurde Alexander Siedschlag als Leiter des Fachbereichs "Europäische Sicherheitspolitik" am Institut für Politikwissenschaft bestellt.