Kopf der Woche: Dieter Fensel

Seit zwei Jahren ist der in Nürnberg, Deutschland, geborene Dieter Fensel nun am Institut für Informatik tätig. Fensel hat eine der insgesamt zwölf Stiftungsprofessuren an der Leopold-Franzens-Universität inne. Er leitet am Institut die "Next Web Generation" Arbeitsgruppe, die sich mit der Zukunft des World Wide Web beschäftigt. Fensels aktuelle Forschungsinteressen beinhalten Ontologien, semantisches Web, Web-Dienstleistungen, Wissensmanagement, Unternehmensanwendungen und elektronischen Handel.
Dieter Fensel
Bild: Dieter Fensel

Die Aufgaben des Computers ändern sich: Von einem Einzelgerät zu einem Portal in ein weltweites Netzwerk von Informationsaustausch und Geschäftstransaktionen. Deshalb werden die Unterstützung von Daten-, Informations- und Wissensaustausch für die heutige Computertechnologie immer wichtiger. Tim Berners-Lee, Direktor des World Wide Web Konsortiums, bezeichnet die Zukunft des WWW als "Semantic Web" - ein erweitertes Web von maschinenlesbarer Information und automatisiertem Service, das über die jetzigen Möglichkeiten weit hinausgeht.

Automatisierte Services sollen Benutzern helfen, ihre Ziele zu erreichen, indem sie den Inhalt des Webs besser verstehen und indem ein genauerer Filter und eine bessere Kategorisierung bei der Informationssuche zur Verfügung gestellt werden kann. Dieser Prozess wird zu einem intelligenten System führen, dass uns eine breite Palette an Diensten anbieten wird und somit in der Lage ist, uns in beinahe allen Aspekten des täglichen Lebens zu unterstützen: Sie werden den Zugang zu Informationen so umfassend und notwendig machen wie uns der Zugang zu Elektrizität heute erscheint. Das heutige Web ist hauptsächlich eine Sammlung von Informationen, aber es bietet noch keine Unterstützung, diese Informationen zu verarbeiten. Neueste Bemühungen rund um UDDI (Universal Description, Discovery and Integration), WSDL (Web Service Description Language) und SOAP (Simple Object Access Protocol) versuchen das Web auf ein neues Serviceniveau zu heben. Auf Softwareanwendungen kann über das Web zugegriffen werden. Web Services können das Leistungsvermögen der Web-Architektur erheblich erhöhen, indem sie eine Methode der automatisierten Programmkommunikation, der Entdeckung von Dienstleistungen, usw. zur Verfügung stellen. Deshalb sind sie das Hauptaugenmerk vieler Softwareentwicklungsgesellschaften.
Web Services verbinden Computer und andere Geräte miteinander, indem sie das Internet verwenden, um Daten auszutauschen und neu zu kombinieren. Dieses hat grundlegende Implikationen für Technik und Wirtschaft zur Folge. Es ist möglich, eine automatische ad hoc Kompatibilität zwischen den Systemen zu erreichen, um organisatorische Aufgaben zu erfüllen. Beispiele für die Anwendung finden sich im kommerziellen, nicht-gewerblichen sowie im militärischen Bereich. Web Services können über das Internet verbreitet und vollständig dezentralisiert angeboten werden und durch eine Vielzahl von Endgeräten (zum Beispiel Mobiltelefone, Handhelds, Notebooks, usw.) erreicht werden. Unternehmen können mit Hilfe von Web Services die oft komplizierte, langsame und kostspielige Software-Integration vermeiden und sich stattdessen auf die Qualitätssicherung ihrer Produkte und ihre unternehmenskritischen Aufgaben konzentrieren.

Doch bevor die Web-Service-Infrastruktur diese Vision wahr werden lassen kann, muss noch mehr in die Forschung investiert werden. Aktuelle Web-Service-Technologie liefert nur begrenzte Unterstützung in der mechanisierten Erkennung, Service-Konfiguration und Kombination (zum Beispiel die Realisierung von komplizierten Workflows, Geschäftslogistiken mit Web-Service) und Servicevergleich. In einem betrieblichen Umfeld "übersetzt" man die Vision des flexiblen und autonomen Web Services in eine automatische Kooperation von Enterprise Services. Jedes Unternehmen, das eine Geschäftsbeziehung mit einem anderen Unternehmen hat, kann die passenden Web Services automatisch entdecken und auswählen. Dienstleistungen können automatisch aufgerufen werden und Zahlungsprozesse können initialisiert werden. Jede notwendige Vermittlung basiert auf Daten und Prozessontologien und der automatischen Übersetzung und semantischen Integration. Wenn zum Beispiel ein Unternehmen kurzlebige Waren herstellt, müssen sehr häufig Lieferanten sowie Kunden dynamisch gesucht werden. Anstelle von Angestellten, die ständig nach Lieferanten und Kunden suchen, tut dies die Web-Service-Infrastruktur automatisch innerhalb der definierten Beschränkungen. Andere Verwendungsgebiete für diese Technologie sind "Enterprise Application Integration" (EAI), eWork und Wissensmanagement.

Beide Forschungsgruppen von Dieter Fensel, die Next Web Generation Arbeitsgruppe an der Universität von Innsbruck und des DERI Galway Institutes an der Universität von Irland, Galway, haben sich dieser Vision verschrieben und stellen eine starke intellektuelle Führung in der wissenschaftlichen Gemeinschaft in diesem Bereich dar. Das wird auch durch den bedeutenden Betrag der erworbenen Finanzierung und dem großen Netzwerk der akademischen und commerziellen Kooperationspartner deutlich.

Zur Person
Dieter Fensel wurde im Jahr 1960 geboren, studierte zunächst Sozialwissenschaften an der Freien Universität Berlin und Computerwissenschaften an der TU Berlin. Nach Abschluss beider Studiengänge im Jahr 1989 erhielt er 1993 den Doktortitel an der Universität Karlsruhe und beendete 1998 die Habilitation in angewandter Informatik. Fensel arbeitete an der Universität Karlsruhe (AIFB), an der Universität Amsterdam (UvA) und an der Vrije Universiteit Amsterdam (VU) bis er schließlich 2002 den Lehrstuhl an der LFU in Innsbruck annahm. Zusätzlich wurde er 2003 wissenschaftlicher Direktor des Digital Research Institutes (DERI) an der nationalen Universität von Irland, Galway. Dieses Institut konnte - mittels einer großzügigen finanziellen Unterstützung von Science Foundation Ireland (SFI) - gegründet werden. Der Wissenschaftler veröffentlichte bereits 150 wissenschaftliche Arbeiten in Büchern und Fachzeitschriften, bei Konferenzen und Workshops. Er war als Mitorganisator von rund 150 wissenschaftliche Workshops und Konferenzen tätig und hat einige Sonderausgaben der wissenschaftlichen Journale bearbeitet. Auch ist er Mitherausgeber folgender Publikationen: "International Journal (KAIS), "Intelligent Systems" (IEEE), "Electronic Transactions on Artificial Intelligence"(ETAI), "Web-Intelligence and Agent Systems" (WIAS) und des "Elsevier’s Journal on Web Semantics". Er ist in einigen nationalen und internen Forschungsprojekten z.B. in den IST-Projeken DIP, IBROW, Knowledge Web, Ontoknowledge, Ontoweb, SWWS und Wonderweb tätig. Außerdem ist Prof. Fensel unter anderem der Projektkoordinator der DIP-, Knowledge Web-und SWWS-Projekte.
Er leitete mehr als 50 Kurse und Seminare an Berufsakademien, Fachhochschulen, Universitäten und Konferenzen. Zudem wurden folgende Themen von ihm aufgegriffen: Formale Spezifikationssprachen, Softwaretechnik, World Wide Web, elektronischer Handel, semantisches Web und Ontologien. Fensel betreute rund 50 Magister- und Doktorarbeiten und gewann im Jahr 2000 den Carl-Adam-Petri-Preis der wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät der Universität Karlsruhe.
Dieter Fensel ist Mitautor vieler Bücher, wie zum Beispiel "Intelligent Information Integration in B2B Electronic Commerce", "Kluwer, 2002", "Silver Bullet for Knowledge Management and Electronic Commerce", "Problem Solving Methods".
Er ist außerdem Mitherausgeber einiger Bücher wie zum Beispiel "Towards the Semantic Web: Ontology-Driven Knowledge Management" und "Spinning the Smantic Web".