Kopf der Woche: Patrizia Moser

Das Thema der Habilitationsschrift der geborenen Innsbruckerin Patrizia Moser ist bisher einzigartig in Österreich: beleuchtet werden verschiedene Aspekte der Telemedizin unter besonderer Berücksichtigung der Telepathologie. Im Jänner diesen Jahres schloss Moser ihr Habilitationsverfahren an der Medizinischen Universität Innsbruck erfolgreich ab.
Dr. Patrizia Moser
Bild: Dr. Patrizia Moser

In der Habilitationsschrift von Patrizia Moser werden im besonderen die beiden Dimensionen Qualität, im Sinne von Zuverlässigkeit telepathologischer Diagnosen, und Kosten im Sinne einer Kosten-Nutzen Analyse untersucht. Als weiterer Aspekt wurde der Stellenwert der Telemedizin bzw. Telepathologie in einzelnen Ländern beleuchtet, wobei hier der in Anzahl von Publikationen messbare wissenschaftliche Beitrag dieser Länder zur Entwicklung der Telemedizin untersucht wurde. Darüber hinaus versuchte Moser in ihrer Arbeit, stimulierende Faktoren für die Entwicklung der Telemedizin zu identifizieren.

"Ich möchte daran arbeiten, Innsbruck zu einem ernst zunehmenden österreichischen Telepathologiestandort zu machen. Dies zum einen weil Telepathologie bzw. Telemedizin im Allgemeinen in Zeiten knapper werdender Ressourcen im Gesundheitswesen ernst zunehmende Einsparungspotentiale eröffnet, zum anderen eröffnet Telemedizin gerade im Bereich der Telepathologie auch unserem Institut quasi ein neues Tor zur Welt, sowohl wenn es darum geht schwierige Fälle (wie z.B. Histologische Befundungen) international anerkannten Experten vorzulegen, aber auch wenn man selbst im Sinne einer "second opinion"-Einholung konsultiert wird. Telepathologie ist somit für unserer Institut ein zunehmend wichtiger Faktor, um die Qualität unserer pathologischen Arbeit ständig zu verbessern und uns auch international zu vergleichen," begründet Moser die Wahl zu dieser außergewöhnlichen Thematik, die bis jetzt auch EU-weit eher selten ist.

Stellenwert der Telemedizin in Österreich

Da die Telepathologie im Speziellen und die Telemedizin im Allgemeinen einen inzwischen im medizinischen Alltag nicht mehr übersehbaren Stellenwert hat, stellt Moser konsequenterweise auch die Frage, inwieweit telemedizinische Lehrinhalte an den medizinischen Universitäten zu integrieren sind. Da der Langzeiterfolg einer solchen Lehrplanänderung letztendlich auch vom Interesse der Studierenden wesentlich mitgetragen wird, sind im Rahmen der Arbeit 750 Studenten der Medizinischen Universität Innsbruck sowohl zu ihrem Wissen über als auch zu ihrem Interesse an Telemedizin befragt worden. Moser konnte aufzeigen, dass eine Mehrheit der befragten Studenten bereits von Telemedizin gehört hatten. Darüber hinaus stuften diese die zukünftige Bedeutung der Telemedizin mit 78.6% als relativ hoch ein. "Sowohl die hohe Bereitschaft Vorlesungen über Telemedizin zu besuchen, als auch der deutliche Wunsch nach akademischer Qualifikation in Telemedizin würden hier nun eine Aufnahme telemedizinischer Inhalte in den verpflichtenden Lehrplan Medizinischen Universitäten rechtfertigen", betont Moser.

In ihrer Lehrtätigkeit an der Innsbrucker Medizin-Universität möchte die 38jährige Innsbruckerin nun verstärkt die Telepathologie - bzw. Telemedizin allgemein - einfließen lassen. Den Weg zur Entwicklung der Telemedizin in Österreich sieht Moser nicht einfach: "Zur realistischen Einschätzung der aktuellen Situation bzw. Rolle der Telepathologie in Österreich muss man sagen, dass es zwar zur Zeit noch Widerstände gibt, die aber auf Dauer nicht haltbar sein werden, da ein Land wie Österreich es sich einfach nicht leisten kann, sich dieser weltweiten Entwicklung zu verschließen."

Zur Person

1966 in Innsbruck geboren und aufgewachsen begann Moser zunächst an der Universität Innsbruck ihr Medizinstudium und promovierte im Jahr 1997. Nach einem einjährigen Akademikertraining am Institut für Pathologische Anatomie folgte 1998 eine fünfjährige Ausbildung zum Facharzt für Pathologische Anatomie. Als eine der ersten schloss sie im Oktober 2003 die erst neu eingeführte Facharztprüfung für Pathologische Anatomie ab. "Als Frau in der Medizin ist man auch heute noch nach wie vor täglich mit einem, wie man glauben könnte, eigentlich längst überholten Geschlechterrollendenken seitens der männlichen Kollegen konfrontiert. Umso mehr freut es mich, dass ich mich neben meiner inzwischen abgeschlossenen Ausbildung zum Facharzt auch innerhalb kurzer Zeit wissenschaftlich in diesem Fach behaupten konnte und den aufstrebenden Schwerpunkt Telepathoplogie in Innsbruck gestalte. Mein diesebezüglicher aufrichtiger Dank gilt meinem Lehrer, Herrn o. Univ.-Prof. Dr. Gregor Mikuz, Vorstand des Institutes für Pathologische Anatomie, Innsbruck, für seine unermüdliche Anregung und Unterstützung, neue Wege in der Pathologie zu gehen", so Moser abschließend.