Kopf der Woche: Annette Steinsiek

Neun Hertha-Firnberg-Stellen wurden im vergangenen Dezember an hochqualifizierte Wissenschaftlerinnen in Österreich vergeben. Eine der Preisträgerinnen ist Dr. Annette Steinsiek M.A., die am Brenner-Archiv der Universität Innsbruck forscht. Die dreijährige Förderung will Steinsiek dazu nutzen, die erste Biographie der Schriftstellerin Christine Lavant zu verfassen.
Annette Steinsiek
Bild: Annette Steinsiek

Die Biographie ist die organische Fortsetzung des "Kommentierten Gesamtbriefwechsels Christine Lavants", den die gebürtige Deutsche gemeinsam mit Mag. Dr. Ursula A. Schneider erarbeitet. Der "Gesamtbriefwechsel" als Quellensammlung bildet die Datenbasis; seine Edition soll dem notwendig interpretativen Ansatz einer Biographie die für alle einsehbaren Dokumente zur Seite stellen. Annette Steinsiek und Ursula Schneider gelang es in oft detektivischer Forschungsarbeit, über 1.200 Briefe der Schriftstellerin zusammenzutragen. Die weitaus meisten davon waren bis dahin unbekannt. Der Kommentar zu den Briefen erschließt zugleich ein kulturgeschichtliches Panorama. Es entstand das immer deutlichere Profil einer Person, die ansonsten kaum biographische Quellen hinterließ. Von März 2000 bis Okt. 2003 wurde das Forschungsprojekt vom FWF gefördert; derzeit fehlen dem "Gesamtbriefwechsel" leider die finanziellen Mittel zur Fertigstellung.
Die Biographie Christine Lavants soll individual- und kulturgeschichtliche Prozesse nachzeichnen und Fragestellungen berücksichtigen wie die nach Konstanten und Variationen im Lebensverlauf, nach dem Verhältnis von Leben und Schreiben (Poetologie, Kreativität, Produktionsästhetik), nach den Umständen der Produktion und der Produktivität, nach der privaten und öffentlichen Kontaktstruktur und nach den spezifischen Bedingungen eines weiblichen Lebenslaufes.

Annette Steinsiek studierte an den Universitäten Bielefeld, Bonn und Innsbruck Literaturwissenschaft, Geschichte und Kunstgeschichte. Nach Abschluss des Magisterstudiums in Bonn promovierte sie im Jahr 1998 an der Innsbrucker Universität. 1994 begann ihre Tätigkeit im Forschungsinstitut Brenner-Archiv. Seit nunmehr fast acht Jahren setzt sie sich für die Prosa der bis dahin als Lyrikerin geltenden Christine Lavant ein. Sie edierte unbekannte Erzählungen aus verschiedenen Nachlässen und arbeitet an der Kritischen Ausgabe der Werke mit. 1997 rief sie mit ihrer Kollegin Ursula A. Schneider das Projekt "Der kommentierte Gesamtbriefwechsel Christine Lavants" ins Leben.