Gastkommentar: Dott. Elena Pocecco: Olympischer Geist als Lebensart

Bericht über die „47th International Session for Young Participants“ der Internationalen Olympischen Akademie (Olympia / Griechenland, 19. Juni – 03. Juli 2007) von Dott. Elena Pocecco, Institut für Sportwissenschaften.
 Dott. Elena Pocecco
Bild: Dott. Elena Pocecco

Man hatte ja schon zuvor einiges – ausschließlich Positives – über die Session der Internationalen Olympischen Akademie (IOA) zu Ohren bekommen, was mich allerdings genau erwarten würde, konnte wohl keiner recht in Worte fassen. Zu Recht: Auch wird es mir in diesem Bericht kaum gelingen, all die unglaublichen Erfahrungen und Gefühle wiederzugeben, dennoch wage ich den Versuch:

 

Kurz vor der Abreise nach Olympia/Griechenland durfte ich endlich meine Team-Kollegen kennen lernen. Mit wem würde ich wohl die Erlebnisse der kommenden zwei Wochen teilen dürfen? Meine Kollegen Michael Baumann (Uni Graz) und Silvie Bergant (Uni Wien) traf ich also nach einem ersten Kennenlern-Termin beim ÖOC gut bestückt mit Österreich-Pins, T-Shirts, Rucksäcken usw. am Flughafen in Wien und los ging das Abenteuer.

 

Die ersten beiden Nächte verbrachte ich in einem fantastischen Hotel in Athen und lernte bereits die ersten TeilnehmerInnen aus diversen Ländern dieser Erde kennen. Nach der Besichtigung wichtiger historischer Stätten (Akropolis, Panathinaikon Stadion usw.) beeindruckte mich die IOA mit einer festlichen Opening Ceremony auf den Pnyx Hügeln. Neben der Anwesenheit des Präsidenten der IOA sowie weiteren wichtigen Persönlichkeiten fehlte es auch sonst an nichts – das Ambiente, der Ausblick über die ganze Stadt sowie die Anwesenheit der Akropolis haben ihren Beitrag dazu geleistet, diesen Abend für immer in meinem Gedächtnis zu prägen. Spätestens bei der Olympischen Hymne, live gesungen von einem griechischen Männerchor, wurde man bereits von dem „Olympischen Spirit“ erfüllt. Dass es aber diesbezüglich noch eine Steigerung geben würde, war mir in diesem Moment noch nicht bewusst.

 

Wer die Anlagen der Olympischen Akademie in Olympia bereits kennt, kann gut nachvollziehen, wie erstaunt man über die Größe, Schönheit, Sorgfalt und den Pflanzenreichtum ist. Auf diesem Areal, zwischen Fußball-, Basketball-, Volleyball- und Tennisplätzen, viel Wald und gepflegtem Rasen sowie einem Swimmingpool verbrachte ich also die nächsten 10 Tage.

 

Neben einem abwechslungsreichen und spannendem Sportprogramm (angefangen bei Morgenfitness bis diverse Sportturniere - bei 43°C aufwärts), welches natürlich immer vom fair play dominiert war („just for fun!“), sowie der Möglichkeit seiner Kreativität in den Kunst-, Schreib- und Tanzworkshops freien Lauf zu lassen, gab es selbstverständlich auch ein paar „Verpflichtungen“. Es wurden keine Kosten und Mühen gescheut um hochqualifizierte Vortragende für die morgendlichen Vorlesungen zu präsentieren. Simultan übersetzt in drei Sprachen gab es jeden Vormittag zwei Vorträge zu je einer Stunde zum Thema „Olympismus“. Diese Vorlesungen sowie die anschließenden Diskussionen mit den Vortragenden brachten mir die olympische Bewegung nicht nur näher, sondern vergegenständlichten mir auch die Wichtigkeit dieser Ideale. Aufgrund des diesjährigen Schwerpunktes „From Athens to Beijing“ war es sehr nahe liegend, dass viele der ReferentenInnen entweder aus Griechenland oder aus China kamen. Um ein zu einseitiges Programm vorzubeugen, wurden allerdings zu Beginn der Session auch drei allgemein einführende Vorträge gehalten.

An dieser Stelle sollen nun die Vorträge in chronologischer Reihenfolge aufgelistet werden:

 

  •  Dr. Zhenliang He (China): „Perception of the Chinese Culture trough the Organisation of Beijing Olympic Games in 2008“
  • Dr. Karl Lennartz (Deutschland): „Historiography as Mother of Olympic Education“
  • Prof. John Lucas (USA): „Pierre de Coubertin: Sports and Humanism“
  • Prof. David Young (USA): „Evangelis Zappas and the Origin of the Modern Olympic Games“
  • Prof. Christina Koulouri (Griechenland): „The Symbolism of Olympia and the Olympic Games of Athens in 1896 and 2004“
  • General Georgios Plakas (Griechenland): „The Importance of Security at the Olympic Games: its Effects on Athens 2004 and Beijing 2008“
  • Prof. Dongguang Pei (China): „Planning and Implementation of Olympic Education Programmes in China“
  • Prof. Hai Ren (China): „The Political and Social Impact of the Olympic Games of Beijing 2008 for Modern China“
  • John Siner (International Olympic Committee): „Olympic Strategic Planning“
  • Dr. Eleana Yalouri (Griechenland): „National Experiences of International Sports: The Summer of 2004 in Athens“
  • Spyros Cladas (Griechenland): „General Overview of Olympic Games & Legacies“
  • Marton Otto Simitsek (Griechenland): „From Athens to Beijing: Organisation and Management of the Olympic Games“
  • Ioanna Karyofylli (Griechenland): „Athens 2004 XII Paralympic Games“
  • Der Vortrag von Herrn George Papandreou (Griechenland) zum Thema „The Olympic Games as a Parameter in the International Politics Scene“ ist leider ausgefallen.

 

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass viele der Vorträge bereichernd und sehr interessant hinsichtlich der Olympischen Bewegung, den Werten und Ideologien, aber auch hinsichtlich praxisrelevanter Informationen bezüglich der Organisation und Durchführung von Olympischen Spielen waren.

 

Die an die Vorträge anschließenden Diskussionsmöglichkeiten mit den ReferentenInnen wurden seitens der TeilnehmerInnen zur Gänze genutzt und bei der einen oder anderen Diskussion ging es manchmal ganz schön zur Sache.

 

Die unterschiedlichen Themen, die vormittags in Form von Vorträgen behandelt wurden, sind nachmittags in kleinen Gruppen (17-18 Personen) noch einmal vertieft worden. Insbesondere wurden selbst ausgewählte Aspekte der in den Vorträgen behandelten Themen ausgearbeitet oder vorgegebene Fragen diskutiert. Dieser Teil war eigentlich einer der wichtigsten bildungstechnischen Bereiche der Akademie, da üblicherweise bei ähnlichen Veranstaltungen keine oder viel zu wenig Zeit für die Vertiefung der behandelten Themen vorgesehen ist. Im Rahmen der Diskussionsrunden hatte jede/r Einzelne/r die Möglichkeit, ihre/seine Meinung kund zu tun und ihren/seinen Beitrag zu leisten. Tatsächlich war der Meinungs- und Kenntnisaustausch sehr bereichend für alle TeilnehmerInnen in den jeweiligen Gruppen.

 

Die Diskussion wurde in jeder Gruppe von einem/r Koordinator/in geleitet, der/die unter anderem darauf achtete, dass sich jede/r in das Gespräch einbringen konnte. Ein/e oder mehrere TeilnehmerInnen wurden als SekretärInnen ausgewählt und waren zuständig für das Protokollieren der Diskussion. Nach der ersten Halbzeit sowie am Ende der beiden Wochen in der Olympischen Akademie wurden dann die Ergebnisse der einzelnen Diskussionsgruppen von Auserwählten vorgetragen.

 

Die von uns behandelten Themen waren neben anderen: Olympismus und die Lehre der damit verbundene Werte, die Olympische Bewegung, die Olympischen Spiele (mit besonderem Bezug zu Athen 2004 und Peking 2008), die Partizipation beider Geschlechter, die Sicherheit während der Spiele, das Management, Marketing und die Organisation von Olympischen Spielen, die Rolle und der Einfluss der Politik, Wirtschaft und Massenmedien auf die Olympischen Spiele, das Doping-Problem, die „Youth Olympic Games“ und die Paralympics. Sämtliche Inhalte werden zusammengefasst und publiziert.

 

Zwar könnte ich ewig über meine Erlebnisse schreiben, ein paar Emotionen sollen aber an dieser Stelle nicht fehlen:

Es ist ein unglaublich überwältigendes Gefühl so viele tolle, interessante, sportliche, lustige und vor allem freundliche junge Menschen aus aller Welt kennen zu lernen. „Aller Welt“ ist in diesem Sinne wortwörtlich zu verstehen, da an die 100 verschiedenen Nationen vertreten waren! Kein Reisebüro dieser Welt wird es je schaffen, diese rund 170 TeilnehmerInnen an einem Ort zusammenzubringen. Wir haben zwei unglaubliche Wochen miteinander verbracht, wir haben gelacht, gesungen, getanzt, diskutiert, Sport gemacht – wir sind Freunde geworden. Der „olympische Spirit“ wurde von uns nicht nur theoretisiert sondern auch gelebt. Viele von uns wurden durch diese Session in Griechenland an oft vergessene Lebenswerte erinnert oder neue wurden gefunden. Definitiv hat sich meine Einstellung zum Leben sowie zu anderen Völkern, Ländern, Religionen und Kulturen geändert. Auch wenn man der Überzeugung ist, weltoffen und „open minded“ zu sein, in diesen zwei Wochen konnte ich dies neu erlernen und erleben. Ich werde mit meinen neuen Freunden für immer verbunden sein, denn die Philosophie des Olympismus ist eine Lebensart, die für mich gerade erst begonnen hat.

 

Ich danke euch alle für eure Freundschaft, bleibt so wie ihr seid – ihr inspiriert mich! Mein größter Dank gilt Herrn Prof. Kornexl, Herrn Prof. Burtscher und Frau Dr. Hotter vom Institut für Sportwissenschaften sowie dem gesamten Österreichischen Olympischen Komitee, welche mir die Erlebnisse in Olympia ermöglicht haben. Danke für das Vertrauen und für die perfekte Organisation!

 

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