Gastkommentar: Dr. Helmut Reinalter zu "Ethik im Zeitalter der Globalisiertung"

Die komplexe Globalisierung ist heute zweifelsohne eine der größten Herausforderung für die Demokratie. Unter Globalisierung versteht man allgemein die Zunahme und Verdichtung der weltweiten ökonomischen, politischen, kulturellen und sozialen Verflechtungen.
Globalisierung
Bild: Globalisiertung

International nehmen der Einfluss und die Macht der Unternehmen, der inter- und transnationalen Institutionen und regierungsunabhängigen Organisationen zu. Unsere Gesellschaft erhält dadurch neue Dimensionen, die tiefe Veränderungen in der Politik hervorrufen. Von der Globalisierung wäre der Globalismus zu unterscheiden, der die Auffassung vertritt, dass der Weltmarkt politisches Handeln verdrängt oder ersetzt. Globalismus ist das Diktat der Weltwirtschaft, verstanden als die alles durchdringende, alles verändernde Weltmarktherrschaft.

 

Im Rahmen dieses Symposiums stehen Fragen nach der Rolle und Bedeutung der Ethik und des ethischen Handelns im Zuge des Globalisierungsprozesses im Vordergrund. Zweifelsohne ist im Zeitalter der Globalisierung eine erweiterte Verantwortung erforderlich, die über die Verursacherverantwortung hinausgeht. Gefragt ist dabei grundsätzlich keine neue Form der Verantwortungsethik, sondern die Herausbildung von Beteiligungsmodellen der Verantwortlichkeit, die den Rahmen von bloß formalistischer Übernahme der Verantwortung sprengen. Diese Beteiligungsmodelle, die in diesem Symposium vorgestellt werden, müssen allerdings analytisch und begrifflich differenziert sowie auch gesellschaftlich, politisch und rechtlich konkretisiert werden. Die durch ökologische, ökonomische und technische Risiken notwendig gewordene Gemeinschaftsverantwortung kann heute nicht mehr auf der Grundlage von Appellen erreicht werden, sondern nur durch das Prinzip der konkreten Humanität, das auf Menschen und ihre Mitgeschöpfe bezogen wird. Die Ethik einer konkreten Humanität schließt die Forderung nach einem humanen, menschlichen Vorgehen in der Lebenspraxis mit ein, und kann sich nicht in der Analyse von Ethikformen erschöpfen.

 

Die inhaltlichen Schwerpunkte dieses Symposiums konzentrieren sich auf die Problembereiche Politische Ethik, Weltethos und Religionen, Angewandte Ethik, Ethik und „gutes Leben“ sowie ethische Grundmodelle für das 21. Jahrhundert.