Heinz Janetschek

Der Zoologe Heinz Janetschek (*1913, † 1997) hat sich besondere Verdienste um die Erforschung der Kleintierwelt der Alpen, der alpinen Grasheiden, der extremen Lebensräume und dem Lebensraum Boden erworben.
Im Hochjoch-Hospiz in den Ötztaler Alpen wurde eine Gedenktafel für Heinz Janetschek angebracht.
Bild: Im Hochjoch-Hospiz in den Ötztaler Alpen wurde eine Gedenktafel für Heinz Janetschek angebracht.

Der Zoologe Heinz Janetschek wurde 1913 in Bludenz (Vorarlberg) geboren und absolvierte die Mittelschule in Kufstein, wo er durch seinen Lehrer Friedrich Prenn und das nahe Kaisergebirge bereits früh eine naturgeschichtliche Prägung erhielt. Von 1931 bis 1937 studierte er in Innsbruck und Wien, 1937 legte er die Lehramtsprüfung ab und lehrte im Anschluss an Gymnasien und Oberschulen in Innsbruck und München. Gleichzeitig arbeitet Janetschek an seiner Dissertation über den Besiedlungsablauf in Gletschervorfeldern, die er mit dem Rigorosum 1940 abschloss. Nach dem Kriegsdienst begann Janetschek 1945 seine Tätigkeit am Institut für Zoologie der Universität Innsbruck, das er von 1947 bis 1950 als Ein-Mann-Betrieb leitete. 1947 habilitierte sich Heinz Janetschek im Fach Zoologie, 1951 wurde er zum ordentlichen Universitätsprofessor für Zoologie berufen und 1963 zum Vorstand des Instituts für Zoologie bestellt. In den Jahren 1971/72 stand Janetschek auch der Naturwissenschaftlichen Fakultät als Dekan vor.

In seiner frühen Forscherzeit war die tierische Wiederbesiedlung des Hornkees-Vorfeldes (Zillertaler Alpen), des Vorfeldes des Hintereis-, Niederjoch- und Gepatschferners (Ötztaler Alpen) Gegenstand seiner Untersuchungen, zusammengefasst in seiner Habilitationsschrift (1949) „Tierische Successionen auf hochalpinem Neuland. Nach Untersuchungen am Hintereis-, Niederjoch- und Gepatschferner in den Ötztaler Alpen“ (Ber. nat.- med. Verein Innsbruck Bd.48/49:1-215). Diese war zugleich Auseinandersetzung mit der Begriffswelt der sich entwickelnden Ökologie und Biozönotik. Janetscheks weitere Feldarbeit galt extremen Lebensräumen: der „tierischen Besiedlung Nordtiroler Höhlen“ (1952) und der Tierwelt der Nivalstufe. Über „Nunatak-Tiere“ und das „Tierleben auf den höchsten Alpengipfeln“ berichtete er zunächst populär (1955), diese Thematik war aber auch zeitlebens Gegenstand von Janetscheks Forschung. Die Frage nach der Herkunft dieser Arten führte in Diskussion und Widerspruch zu bisherigen Auffassungen zur Annahme einer alpinen Eiszeitüberdauerung durch anspruchslose Wirbellose. Nach der Erforschung der Umgebung Innsbrucks – Janetscheks regionale Kompetenz hat Gebietsmonographien über die Tierwelt des Raumes Kufstein, die Landtierwelt der Dolomiten und von Vorarlberg sowie die Gebietsbeschreibung „Die Alpen von Zell am See bis Bregenz“ ermöglicht – arbeitete Heinz Janetschek auch in den französischen Alpen und in der spanischen Siera Nevada. Einen Höhepunkt seines Lebens bedeutete ihm die Feldarbeit im Nepal-Himalaya (1961) und im MacMurdo-Gebiet in der Antarktis (1961/62).

In den letzten zehn Jahren seiner Amtszeit konzentrierte sich das Forschungsinteresse von Heinz Janetschek wieder auf den engeren Alpenraum, zum Beispiel auf „aktuelle Probleme der Hochgebirgsentominologie“(1974) und galt der Besiedlung der zentralalpinen Grasheide, insbesondere im Bereich der alpinen Forschungsstelle Obergurgl.

Nach seiner Emeritierung entstand seine umfassende Veröffentlichung (1993) „Über Wirbellosen–Faunationen in Hochlagen der Zillertaler Alpen“ (Ber. nat.- med. Verein Innsbruck Bd.80:121-165). Darin sind die Untersuchungslokalitäten Gipfelfluren, Schneeböden, hochalpine Grasheiden und Gletschervorfelder mit ihren Artengarnituren taxonomisch und zönotisch behandelt. Die historisch-tiergeographischen Konzepte einer inneralpinen Eiszeitüberdauerung von Kleintieren im Bereich der Gipfelfluren, sowie einer refugialen Überdauerung in Höhlen werden durch das dokumentierte Material bekräftigt.

Unterstützung fand Heinz Janetschek bei seinen Forschungen schon früh bei den Alpenvereinen, durch Wirtsleute und Bergführer der Berliner Hütte und des Hochjochhospizes sowie in finanzieller Hinsicht durch den Deutschen Alpenverein (Sektion Berlin).

Im September 2010 wurde von der Fakultät für Biologie im Hochjoch-Hospiz in den Ötztaler Alpen eine Gedenktafel für für Univ. Prof. Dr. Heinz Janetschek (*3. August 1913, † 30. März 1997) angebracht. Diese soll an die Verdienste des Tiroler Zoologen erinnern, die er sich für die Erforschung der Kleintierwelt der Alpen, insbesondere der Nivalstufe, der alpinen Grasheiden, der extremen Lebensräume und am Lebensraum Boden erworben hat.

(red)

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