Philosophisch-Historische Fakultät

Die große Fächervielfalt ist eine wesentliche Qualität der Philosophisch-Historischen Fakultät. Diese Vielfalt manifestiert sich auch im neuen fakultätsübergreifenden Forschungsschwerpunkt „Kulturelle Begegnungen – Kulturelle Konflikte“. Mit neuen Perspektiven auf gegenwärtige Probleme werden hier auch sehr konkrete Beiträge zu aktuellen, gesellschaftlichen Entwicklung geleistet.
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Die Philosophisch-Historische Fakultät beheimatet eine Vielzahl heterogener Fachrichtungen, die von der ehemaligen Universalwissenschaft Philosophie bis hin zu sehr spezialisierten Fachrichtungen wie Musikwissenschaft und Zeitgeschichte reichen. Methodisch bilden die Disziplinen eine Mischung aus klassischen Buchwissenschaften und Gerätewissenschaften wie der Archäologie. „In dieser Vielfalt liegt eine große Chance“, betont Dekan Klaus Eisterer. Eine Chance, die die Fakultät auch aktiv nutzen will. Nach der Herauslösung aus der ehemaligen Geisteswissenschaftlichen Fakultät vor zehn Jahren, wurde die Institutsstruktur durch die Zusammenlegung mehrere Fachbereiche vereinfacht. Mit der Gründung des Zentrums für Alte Kulturen am Langen Weg wurde die inhaltliche Akzentuierung gemeinsam mit der Philologisch-Kulturwissenschaftlichen Fakultät erfolgreich fortgesetzt. Das Zentrum für Alte Kulturen beherbergt das Institut für Alte Geschichte und Altorientalistik, das Institut für Archäologien sowie den Bereich Gräzistik/Latinistik des Instituts für Sprachen und Literaturen und stellt einen altertumswissenschaftlichen Forschungsverbund dar, wie er an keiner anderen österreichischen Universität existiert und auch im internationalen Kontext nicht oft zu finden ist. Das zu einem hohen Grad selbstorgansierte Zentrum ist auch die Heimat des Archäologischen Museums, das für die Fakultät eine bedeutende Rolle in der Wissensvermittlung einnimmt.

Schwerpunkte gesetzt

Die erfolgreiche Entwicklung der Fakultät spiegelt sich auch in der Schaffung des universitären Forschungsschwerpunkts „Kulturelle Begegnungen – Kulturelle Konflikte“ wider. Entstanden in Rahmen einer ständigen Weiterentwicklung von interdisziplinären Forschungsverbünden und gemeinsam mit der Philologisch-Kulturwissenschaftlichen Fakultät und der Katholisch-Theologischen Fakultät gegründet, bildet dieser Schwerpunkt ein fächerübergreifendes Forschungs- und Kompetenznetzwerk für Personen und Institutionen, die mit der alltäglichen Herstellung von Kulturkontakten und den oft konfliktreichen Folgen von Kulturbegegnungen konfrontiert sind. „Wir wollen Politiker, nichtstaatliche Organisationen und die Öffentlichkeit auf aktuelle Probleme hinweisen und mögliche Lösungen vorstellen“, betont Dekan Eisterer die Bedeutung der Geisteswissenschaften auch für aktuelle gesellschaftliche Fragen. Er führt den Minarett-Streit als Beispiel an: „Die Sichtbarkeit der Religionen ist keineswegs eine neue Fragestellung. Eine ähnliche Diskussion hatten wir zum Beispiel bereits Ende des 18. Jahrhundert/Anfang des 19. Jahrhunderts zu den protestantischen Kirchen. Während diese Probleme bereits als überwunden galten, können wir heute wieder die gleichen Muster beobachten.“ Mit diesem Wissen und Bewusstsein kann die geisteswissenschaftliche Forschung andere Perspektiven auf gegenwärtige gesellschaftliche Probleme eröffnen und neue Handlungsspielräume aufzeigen.
Eine ähnliche Rolle nimmt auch die fächerübergreifende Forschungsplattform für Geschlechterforschung ein, zu der die Philosophisch-Historische Fakultät ebenfalls einen wesentlichen Beitrag leistet. Sie will unter anderem eine wissenschaftliche Basis für gesellschaftliche Entwicklungen in Richtung einer modernen Geschlechterdemokratie schaffen. Im Rahmen der Schwerpunktbildung kommt auch der Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses eine besondere Rolle zu. Mit Graduierten- und DoktorandInnenkollegs werden hervorragenden DissertantInnen in einem internationalen und interdisziplinären Umfeld auf höchstem Niveau ausgebildet. Diese Form der Unterstützung will die Fakultät auch in Zukunft weiter ausbauen.

Geistes- und kulturwissenschaftliches Zentrum

Probleme bereitet den Forscherinnen und Forschern an der Fakultät vor allem die Zugänglichkeit zu wissenschaftlicher Literatur. Zum einen reichen die finanziellen Mittel nicht für die Beschaffung vieler notwendiger Publikationen aus, zum anderen verhindern nach der Abschaffung der Institutsbibliotheken organisatorische Regelungen nach wie vor den uneingeschränkten und direkten Zugang zur Literatur. Dieses Problem soll im Rahmen der bevorstehenden Neugestaltungen am Campus Innrain – Stichwort Neubau Alte Chemie – gelöst werden. Dann sollen auch die Institute des Zentrums für Alte Kulturen wieder an den Campus Innrain zurückkehren und dieser Campus als Standort der Kultur- und Geisteswissenshaften nach außen vermehrt sichtbar gemacht werden.