Neue wissenschaftliche Erkenntnisse durch Dialog

Das Forschungszentrum Synagoge und Kirchen der Universität Innsbruck genießt internationalen Ruf und gibt auch der Tiroler Bevölkerung die Möglichkeit zur Fortbildung. So können Interessierte beispielsweise herausfinden was es mit dem Nachnamen des berühmten Künstlers Leonard Cohen auf sich hat.
Foto: pixelio.de/Schütz
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„Mit dem 2. Vaticanum wurde in den 1960er Jahren ein wichtiger Grundstein für einen Austausch mit den anderen Weltreligionen gelegt. So hat die römisch-katholische Kirche zum Beispiel endlich erkannt, dass das Christentum aus dem Judentum entstanden ist. Ohne jenes wäre das Christentum weder verstehbar - noch sinnvoll erklärbar.“, stellt Prof. Andreas Vonach, Leiter des Forschungszentrums „Synagoge und Kirchen“, fest. Er weiß, dass es diese offizielle Erkenntnis vor dem 2. Vatikanischen Konzil noch nicht gab, spaltete sich ja bekanntlich das Christentum vom Judentum ab. Ein getrennter Weg wurde eingeschlagen, einer, der sich in den letzten Jahrzehnten nach und nach zu einem gemeinsamen, ökumenischen Dialog entwickeln sollte. Eine Neureflexion des Profils der Kirche wurde notwendig, die gesellschaftliche Relevanz in Tirol und in Österreich immer größer.

 

So beschäftigt sich die Katholisch-Theologische Fakultät der Universität Innsbruck bereits seit den 1990er Jahren intensiv mit einheitsstiftenden Faktoren in Judentum und Christentum. „Unser Forschungszentrum leistet seit 2007 einen wichtigen Teil zur Deckung eines sowohl kirchlichen, als auch gesellschaftlichen Bedarfs“, erläutert Vonach.

 

Forschungszentrum mit internationalem Ruf

17 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sind permanent im Forschungszentrum involviert, halten internationalen Kontakt und tauschen sich mit Hochschulen in aller Welt aus. Darunter die University of Notre Dame in den USA, Jnana Deepa Vidyapeeth Pune / Indien, Universität Zürich / CH, Universität München / D, Judaistisches Institut Köln / D. Besonders intensiv ist der Kontakt auch lokal. So arbeitet das Forschungszentrum eng mit den Universitäten Wien, Salzburg und Graz zusammen.

 

Alle zwei Jahre gibt es eine überregionale Tagung in Innsbruck, bei der Forschungsergebnisse und Erkenntnisse präsentiert und Publikationen vorgestellt werden. Besonders für Studierende sind die intensiven Kontakte zu den verschiedensten Universitäten interessant, findet doch ein reger internationaler Austausch statt. Aber auch lokal, also in Innsbruck, ist man stets an einem breiten Dialog interessiert.

 

Unverzichtbarer Beitrag für die Öffentlichkeit

So nützt das Forschungszentrum das ausgezeichnete Verhältnis zwischen der Jüdischen Gemeinde in Innsbruck und der Katholisch-Theologischen Fakultät und der Diözese Innsbruck. „Diese intensive Zusammenarbeit macht es uns möglich unverzichtbare Aufklärungsarbeit im Bereich der Ökumene zu leisten und der Tiroler Bevölkerung erstklassige Fortbildungsveranstaltungen zu bieten“, berichtet der Sprecher des Forschungszentrums. Vorträge, Führungen in der Innsbrucker Synagoge und ein Lehrservice an den Tiroler Schulen sind im Land sehr gefragt und erfreuen sich großer Beliebtheit.

 

Weiterbildungsangebot für die Bevölkerung

Interessierte konnten beispielsweise bei einer Tagung zum Thema „Priestertum und Priesteramt“ 2006 Details zum Priesteramt im Judentum erfahren. „Im Gegensatz zum Christentum braucht das Judentum nämlich kein geweihtes Personal. Rabbiner werden ordiniert, gesegnet und feierlich in ihr Amt eingeführt. Geschichtlich gesehen haben die Rabbiner, die sich aus dem Pharisäertum herausbildeten, die Kaste der Kohanim abgelöst. Die Kohanim dienten als Priester im Tempel und haben seit der Zerstörung des Zweiten Tempels 70 n.Chr. keine besondere liturgische Rolle mehr inne“, berichtet Vonach und erklärt, dass es auch heute noch Menschen, die dem Geschlecht der Kohanim entstammen, gibt. Der berühmte kanadische Schriftsteller, Komponist und Musiker Leonard Cohen stammt beispielsweise von der Kaste der Kohanim ab.

 

 

Rege Publikationstätigkeit

„Auch im Bereich der Grundlagenforschung wird unser Forschungszentrum als sehr professionell angesehen, regelmäßige Publikationen zeugen davon“, freut sich Andreas Vonach. So ist man in den ersten drei Monaten des Jahres 2010 bereits mit 5 Publikationen präsent, zahlreiche findet man in den vergangenen Jahren vor.

 

Sie wollen mehr über das Forschungszentrum wissen? Dann besuchen Sie die Homepage des Forschungszentrums Synagoge und Kirchen.

 

(ds)

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