Der lange Weg zum Leser

Zwischen Literatur und LeserIn liegt ein langer Weg, der mit dem Schreibprozess des Autors beginnt und über verschiedenste Institutionen, Medien und Akteure führt. Dieser Weg steht im Mittelpunkt des an der Philologisch-Kulturwissenschaftlichen Fakultät angesiedelten Forschungszentrums Prozesse der Literaturvermittlung.
Symbolbild
Bild: Symbolbild

Literatur wird immer medial vermittelt – durch den Druck von Büchern und Zeitschriften oder elektronische Editionen, durch Buchbesprechungen in Zeitungen, Autoreninterviews im Fernsehen, Hörspiele oder Diskussionsforen im Internet. Sowohl die Vermittlung als auch die Literatur selbst werden dabei als Prozess innerhalb der Gesellschaft verstanden, wie Prof. Stefan Neuhaus, Koordinator des Forschungszentrums und Leiter des Instituts für Germanistik, erläutert. Innerhalb dieser Prozesse gibt es verschiedene Instanzen wie beispielsweise den Autor, den Verlag, den Buchhandel, die Bibliothek oder die Literaturkritik, die als Literaturvermittler fungieren. Diese finden im Kontext des Forschungszentrums Prozesse der Literaturvermittlung ebenso Beachtung wie die Rezeption von Literatur durch den Leser oder ihre weitere Verwertung im Theater, im Film oder im Internet.

 

Bezugpunkte zwischen Literatur und Gesellschaft

Am Zentrum beteiligt sind Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler von acht verschiedenen Instituten: dem Institut für Amerikastudien, dem Institut für Anglistik, dem Institut für Germanistik, dem Institut für Romanistik, dem Institut für Slawistik, dem Institut für Sprachen und Literaturen, dem Institut für Translationswissenschaften sowie dem Forschungsinstitut Brenner-Archiv. Letzteres ist ebenso wie das Innsbrucker Zeitungsarchiv ein tragender Pfeiler des Forschungszentrums. „Um diese beiden Einrichtungen haben sich zwei zentrale Forschungsgebiete herauskristallisiert: einerseits eben die Edition und Aufbereitung von Literatur, andererseits die Literaturkritik“, beschreibt Neuhaus. „Das Innsbrucker Zeitungsarchiv mit seiner einzigartigen Sammlung von Medienbeiträgen zu deutsch- und fremdsprachiger Literatur und das Brenner-Archiv als Aufbewahrungsort von Nachlässen, aber auch als Schnittstelle zwischen der Forschung und einer literarisch interessierten Öffentlichkeit bieten im deutschsprachigen Raum einzigartige Rahmenbedingungen für ein solches Forschungszentrum“, so Neuhaus weiter. In der Germanistik gibt es bereits seit vielen Jahren einen Schwerpunkt im Bereich Literaturkritik und Literaturvermittlung, aus diesem heraus hat sich das Forschungszentrum entwickelt, das auch WissenschaftlerInnen aus anderen Bereichen der Geisteswissenschaften Anknüpfungspunkte bietet. „Wir nehmen Bezugspunkte zwischen Literatur und Gesellschaft in den Blick. Dabei betreffen einige Fragen, die wir behandeln, bei weitem nicht nur die Literatur, sondern auch andere gesellschaftliche Bereiche“, unterstreicht Neuhaus.

 

Don Quixote und digitale Literaturvermittlung

Die Projekte innerhalb des Zentrums sind sehr vielfältig und reichen von einer Faksimile-Edition der Erstausgabe von Cervantes „Don Quixote“ über Workshops zu Problemen des Kommentierens oder die Rezeption der Lyrik im Dritten Reich und in der DDR bis hin zur Lyrik-Rezeption im Radio. Dennoch gibt es zahlreiche Schnittpunkte, an denen die unterschiedlichen Disziplinen andocken können. „Bei vielen Tagungen, Projekten und Publikationen wird die Gemeinschaft sehr deutlich“, sagt Neuhaus. Ein aktuelles Beispiel dafür ist die im Rahmen des FWF-Projekts DILIMAG organisierte, interdisziplinäre Tagung zu digitaler Literaturvermittlung, die Ende Oktober an der Universität Innsbruck stattfand. „Das Internet bietet viele neue Publikations- und Kommunikationsformen, die zunehmend im Bereich der Literatur und Literaturvermittlung genutzt werden. Für Praxis, Wissenschaft, Dokumentation und Archive ergeben sich eine Fülle von Herausforderungen und Fragestellungen“, schildert Neuhaus. DILIMAG, ein Kooperationsprojekt des Innsbrucker Zeitungsarchivs und der Abteilung für Digitalisierung und elektronische Archivierung der Universitäts- und Landesbibliothek, beschäftigt sich mit einer dieser Herausforderungen: der Erfassung, Beschreibung, Analyse, Kommentierung und Archivierung deutschsprachiger digitaler Literaturmagazine.

 (ef)

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