Sprachenvielfalt gegen Wortarmut

Die Europäische Union hat das Ziel formuliert, dass alle Bürger neben ihrer Muttersprache mindestens zwei Fremdsprachen erlernen sollen. Der Forschungsschwerpunkt Mehrsprachigkeit der Universität Innsbruck setzt sich mit verschiedensten Aspekten der Mehrsprachigkeit auseinander.
Im Forschungsschwerpunkt setzen sich WissenschaftlerInnen mit verschiedensten Aspekten der Mehrsprachigkeit auseinander.
Bild: Im Forschungsschwerpunkt setzen sich WissenschaftlerInnen mit verschiedensten Aspekten der Mehrsprachigkeit auseinander. [Foto: Steinbrich/pixelio.de]

„Angesichts der zunehmenden Globalisierung und Mobilität ist Mehrsprachigkeit unbestritten ein Schlüsselthema unserer Zeit“, so Prof. Ulrike Jessner-Schmid, Leiterin des Forschungsschwerpunktes Mehrsprachigkeit. „Wir in Innsbruck definieren Mehrsprachigkeit im Sinne der Europäischen Union und beschäftigen uns neben zweisprachiger Forschung auch mit Drittspracherwerb und dem Vergleich von mehr als zwei Sprachen“, erklärt die Anglistin Jessner-Schmid. 23 WissenschaftlerInnen aus allen Bereichen der Philologisch-Kulturwissenschaftlichen Fakultät arbeiten derzeit im Forschungsschwerpunkt zusammen und beschäftigen sich mit Themen wie individuelle Mehrsprachigkeit, soziale Mehrsprachigkeit, institutionelle Mehrsprachigkeit, Mehrsprachenerwerb, Mehrsprachigkeitsdidaktik, Translation und Translationsdidaktik, Sprachpolitik und Sprachkulturen in europäischen Ländern, fachsprachliche Mehrsprachigkeit. Ziel des Forschungsbereiches Mehrsprachigkeit ist die systematische und nachhaltige Erforschung von Viel- und Mehrsprachigkeit sowie Förderung von Viel- und Mehrsprachigkeit im alpinen und zentraleuropäischen Raum. Die folgenden Bereiche waren in letzter Zeit vermehrt im Interesse der WissenschaftlerInnen des Forschungsschwerpunktes.

 

Mehrsprachigkeit im Beruf

 

Die Projektgruppe Sprache und Fußball (Koordination Prof. Eva Lavric) beschäftigt sich mit den Strategien und Strukturen der Kommunikation in mehrsprachigen Fußballmannschaften und versucht zu erarbeiten, wie diese optimiert werden können, um die Integration von Spielern zu beschleunigen.

 

Sprachpolitik

 

Prof. Petra Braselmann und Prof. Ingeborg Ohnheiser beschäftigen sich mit dem Thema Sprachpolitik und Sprachgesetzgebung im europäischen Raum. Dabei gehen sie unter anderem der Frage nach, inwieweit Frankreichs Sprachgesetz  im Zeitalter der Weltsprache Englisch in anderen europäischen Ländern rezipiert wird und als Vorbild dient.

 

Spracherwerbs- und Sprachlehrforschung

 

Dies ist ein weiteres Teilgebiet des Forschungsschwerpunktes. In diesem Bereich wurde beispielsweise das Innsbrucker Modell der Fremdsprachendidaktik (IMoF) erarbeitet, das als innovatives Didaktikmodell zukünftige FremdsprachenlehrerInnen im Sinne einer individuellen und gesellschaftlichen Mehrsprachigkeit ausbilden soll. In diesem Zusammenhang wurde unter der Leitung von Carol Spöttl auch die österreichweit eingeführte Standardisierte Reifeprüfung in den Sprachfächern entwickelt.

 

Ulrike Jessner-Schmid  forscht derzeit im Bereich Drittspracherwerb. „Ich untersuche kognitive und psycholinguistische Effekte des Erwerbs einer dritten Sprache an Englisch-Studierenden aus Südtirol. Aufgrund der zweisprachigen Erziehung fällt es diesen durch Perfektionismus schwer, ihre Fähigkeiten in einer dritten Sprache positiv zu beurteilen“, beschreibt Jessner-Schmid eine der Problemstellungen. Sie legt daher besonderes Augenmerk auf das erhöhte Sprachbewusstsein, die Flexibilität und Kreativität dieser Menschen. „In meinen Überlegungen zur Mehrsprachigkeit spielt die Anwendung im institutionellen Lernkontext eine große Rolle und daher plädiere ich sehr stark für die Förderung des metalinguistischen Bewusstseins durch einen sprachübergreifenden Sprachunterricht.“

 

 

Im WS 2009/10 veranstaltet der Schwerpunkt eine Ringvorlesung mit dem Thema „ Mehrsprachigkeit: Interdisziplinäre Ansätze“. Weiters gibt es in Zusammenarbeit mit der Volkshochschule Innsbruck einen Mehrsprachigkeitstag am 7.10. 2009.

 

(sr)

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