Carl Friedrich Lehmann-Haupt (1861–1938) und Theresia Lehmann-Haupt (1864–1938)

Als Carl Friedrich Lehmann-Haupt im Jahr 1918 auf den Lehrstuhl für Alte Geschichte in Innsbruck berufen wurde, hatte er bereits eine bewegte Karriere hinter sich. 1861 in eine Hamburger Künstler- und Gelehrtenfamilie geboren, hatte er sich nach dem Studium der Rechte den alten Kulturen zugewandt. Dabei verband er Kenntnisse über die griechisch-römische Welt mit Keilschriftstudien.
Carl Friedrich Lehmann-Haupt (1861 – 1938)
Bild: Carl Friedrich Lehmann-Haupt (1861 – 1938)

1898/99 unternahm Lehmann-Haupt eine abenteuerliche Expedition nach Armenien, womit damals auch die östlichen Teile der Türkei und der Nord-Irak gemeint waren. Unter anderem entdeckte Lehmann-Haupt in Van Festungsbauten und Inschriften aus dem neunten bis siebenten Jahrhundert v.Chr., Zeugnisse eines bis dahin fast unbekannten Volkes, das wir heute als Urartäer bezeichnen.

Diese Leistungen brachten ihm Professuren in Berlin und dann in Liverpool ein, was die vor dem Ersten Weltkrieg bereits vorhandene Internationalität der Wissenschaft zeigt.  Nach dem Kriegsausbruch 1914 ging Lehmann-Haupt an die Universität Istanbul, also in die Hauptstadt des Verbündeten am Bosporus, nach dem Zusammenbruch des Osmanischen Reiches dann nach Innsbruck, wo er bis 1935 lehrte. Wissenschaftlich bearbeitete er weiter das umfangreiche Material seiner Forschungsreise, außerdem vor allem die Geschichte der Maßsysteme und des Kalenders und damit Fragen des Kulturtransfers aus dem Orient nach Europa, außerdem redigierte er die von ihm begründete, bis heute renommierte althistorische  Fachzeitschrift ‚Klio’.

Politisch hatte er sich im Ersten Weltkrieg ganz auf die deutsch-nationale Seite gestellt, in seiner Innsbrucker Zeit verfocht er dann energisch die Sache der Armenier, die Opfer von Krieg und Vertreibung geworden waren. Manches hatte er ja in Istanbul aus der Nähe wahrgenommen.

Seine Frau Theresia (Theresie), geborene Haupt, geboren am 12. Februar 1864 in Posen, trat dort als Schriftstellerin hervor. Ihre Erzählungen über Kinder konnten auch Zeitgeschichte transportieren, wie jene über die Schicksale eines zwölfjährigen armenischen Jungen.

Deutschnational, wie beide seit Jahrzehnten eingestellt waren, begrüßten sie den Tag des ‚Anschlusses’ im Jahre 1938, und mussten doch feststellen, dass sich der neue Geist gegen sie wandte. Das ‚Gaurechtsamt’ forschte in den Genealogien beider Ehepartner nach jüdischen Vorfahren, und sein regimetreuer Nachfolger widmete ihm nicht einmal einen Nachruf in der ‚Klio’, nachdem er am 24. Juli 1938 an einem Herzleiden verstorben war.  Nach der „Reichskristallnacht“ im November 1938 hielt seine Witwe der Last nicht mehr stand und suchte am 29. November den Freitod durch Einnahme von Schlafmitteln. Das Paar hinterließ zwei Kinder (einen Sohn und eine Tochter), die beide in den USA Kariere machten.

Literatur:

  • Günther Lorenz: Carl Friedrich Lehmann-Haupt, in: R. Bichler (Hg.): 100 Jahre Alte Geschichte in Innsbruck. Franz Hampl zum 75. Geburtstag (= Veröffentlichungen der Universität Innsbruck 151), Innsbruck 1985, 33 - 45 und 102 f.

(Günther Lorenz)

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