Karl Brunner und Karl Hammerle

Mit dieser Portraitserie erinnern die Innsbrucker Universitäten in diesem Jahr an jene Mitglieder der Universität Innsbruck, die vor 70 Jahren – nach dem „Anschluss“ Österreichs an das nationalsozialistische Deutschland am 12. März 1938 – aus „politischen“ und „rassischen“ Gründen – wie es im NS-Jargon hieß – von der Universität ausgeschlossen und vertrieben wurden.
Karl Brunner
Bild: v.l.: Karl Hammerle und Karl Brunner

Karl Brunner (1887 – 1965) kam mit seinem Vater Karl Brunner, der 1902 zum Professor der Chemie an der Universität Innsbruck ernannt wurde, nach Tirol. Brunner, ein Neffe des bedeutenden Rechtshistorikers Heinrich Brunner, studierte in Innsbruck, Oxford, Wien und Berlin, an letzterer Station bei dem aus Hötting gebürtigen „ersten Anglisten des Reichs“ Alois Brandl. 1914 habilitiere er sich an der Universität Wien mit einer Arbeit zum „mittelenglischen Versroman über Richard Löwenherz“. 1922 wurde Brunner Professor an der Hochschule für Welthandel in Wien, ehe er 1924 in Innsbruck die Nachfolge des ersten Inhabers der hiesigen Anglistik-Lehrkanzel Rudolf Fischer antrat.

Für das Studienjahr 1937/38 zum Rektor gewählt wurde Brunner am 13. März 1938 von den NS-Faschisten amtsenthoben, entlassen und zum 31. August 1938 mit halbem Gehalt pensioniert. Der Dekan der Philosophischen Fakultät hatte im Juni 1943 über Brunner und seinen Mitarbeiter Karl Hammerle berichtet: „Schlimm liegen die Dinge bei der Anglistik. Hier ist [es] durch die Tätigkeit Professor Brunners und seines Dozenten Hammerle im Verein mit der Politik Schuschnigg Österreichs soweit gekommen, daß von den zahlreichen Studenten des Faches nur mehr sehr wenige wirklich nationalgesinnte übrig sind. Die Entfernung Brunners und seine Ersetzung durch einen fachlich und weltanschaulich vollwertigen Mann erscheint mir dringend.“

Die Gestapo berichtete am 15. Juli 1938 an Rektor Steinacker über Brunner: „Über den Führer, die NSDAP und das Deutsche Reich äußerte er sich stets in abfälliger Weise und betrieb eine eifrige Hetz- und Greuelpropaganda gegen das Deutsche Reich.“

1943 wurde Brunner mit der Supplentur der vakanten anglistischen Lehrkanzel betraut, eine neuerliche Lehrkanzelvertretung scheiterte 1944 am Einspruch der „Gauleitung“. Nach der Befreiung wurde Brunner am 4. Mai 1945 zum kommissarischen Rektor ernannt, dann als Rektor der Universität Innsbruck für das Studienjahr 1945/46 gewählt und in seine Professur wieder eingesetzt.

Mit Brunner war 1938 Karl Hammerle (1904 – 1978) die Venia docendi aus englischer Philologie aberkannt worden. Hammerle, der sich als Kenner des „Mittelenglischen“ mit einer Arbeit „Von Ockham zu Milton“ (Innsbruck 1936) habilitiert hatte, wirkte nach 1945 am Bundes-Realgymnasium Innsbruck. Mitte der sechziger Jahre vertrat er anglistische Lehrstühle an den Universitäten München und Würzburg.

Literatur:

Herbert Koziol, Karl Brunner, in: Almanach der Österreichischen Akademie der Wissenschaften 115 (1965), 259-272 (mit Schriftenverzeichnis).
Gerhard Oberkofler/Peter Goller, Geschichte der Universität Innsbruck (Rechts- und Sozialwissenschaftliche Reihe 14, hrsg. v. Wilhelm Brauneder), 2. Auflage, Frankfurt 1996, 315-329.
Gunta Haenicke/Thomas Finkenstaedt, Anglistenlexikon 1825-1990. Biographische und Bibliographische Angaben zu 318 Anglisten, Augsburg 1992, 55 f. (Artikel "Karl Brunner"), 121 (Artikel "Karl Hammerle").

(Text: Universitätsarchiv)