Health in Bogotá

Ein Fragebogen mit sieben Gesundheitsaspekten zur Erfassung individueller Gesundheitszustände in den Megastädten Lateinamerikas war Grundlage für das kürzlich erschienene Buch “Health in Bogota” von Stephan P. Leher und Hermann Denz. Die Publikation auf Englisch und Spanisch stellt Datenmaterial auch für spanischsprachige Studierende und Forschende in Lateinamerika zur Verfügung.
Stephan P. Leher in Bogotá.
Bild: Stephan P. Leher in Bogotá.
Zum ersten Mal in der Geschichte der Menschheit leben mehr Menschen in Städten als auf dem Lande, und die Entwicklung geht weiter in diese Richtung. Die UNO nimmt diese Entwicklung erst seit wenigen Jahren ernst. Immer noch gibt es wenig Forschungsergebnisse und Datenmaterial über die Megastädte der Dritten Welt.

 

Bogotá ist eine Megastadt der Dritten Welt, die Hauptstadt Kolumbiens. Auf einer 40 Kilometer schmalen Ebene in 2600 Meter Seehöhe drängen sich auf 1700 Quadratkilometern acht Millionen Menschen. 50% der Bevölkerung von Bogotá lebt unter der Armutsgrenze, d.h. verdient weniger als drei Euro täglich. 40% der Menschen in Bogotá leben ohne irgendeinen Schutz durch eine Sozialversicherung. „Zusammen mit dem Gesundheitsministerium von Bogotá und der Universidad Javeriana wollten wir einen Beitrag leisten, die ärmste Million in die Sozialversicherung aufzunehmen“, erklärt Prof. Stephan P. Leher vom Institut für Systematische Theologie den Projekthintergrund.

 

Inhalt des Forschungsprojektes ist die Erhebung von Informationen über bio-psycho-soziale und kulturelle Aspekte der Gesundheit von Individuen, die in unterschiedlichen sozio-ökonomischen Bedingungen wohnen. Diese individuelle Information ist die Entscheidungsgrundlage zur Aufnahme in die staatlichen Gesundheitsdienste.

 

624 Personen befragt

Zur Erfassung individueller Gesundheitszustände in den Megastädten Lateinamerikas wurde ein eigener Fragebogen (15 Seiten) entwickelt, standardisiert und validiert. Mit 624 interviewten Personen ist eine Sicherheitswahrscheinlichkeit von 95% bei einer maximalen Standardabweichung von plus/minus 5% angestrebt.

 

Der Fragebogen nimmt folgende 7 Gesundheitsaspekte in den Blick:

 

I. GESUNDHEITSZUSTAND AUS DER SICHT DER BEFRAGTEN PERSON SF 36

Der Fragebogen SF 36 wurde den Verhältnissen in Bogotá angepasst: Erfasst werden die persönliche Beurteilung des Gesundheitszustandes, die körperliche Funktionsfähigkeit, die Beeinträchtigung der Arbeit durch körperliche und seelische Probleme, die Beeinträchtigung normaler sozialer Aktivitäten, Schmerzen und die persönliche Gesundheitseinschätzung

 

II. ANAMNESE, GEGENWÄRTIGE KRANKHEITEN UND IHRE BEWÄLTIGUNG

Anamnese,Therapie(n), Zugang zum Gesundheitsversorgungssystem, Effektivität der Therapie(n)

 

III. DERZEITIGES ALLTAGSLEBEN

Medikamentenanamnese, Suchtmittelanamnese, Gesundheitsvorsorgeverhalten, bzw. –bewusstsein, Risikoverhalten, bzw. –faktoren, Ernährung, Sexualanamnese

 

IV. FAMILIENLEBEN

Kinder, Zugang zum Gesundheitsversorgungssystem, Qualität des Gesundheitsversorgungssystems, Partizipation an den sozio-ökonomischen Entscheidungen

 

V. WOHNORT, AUSBILDING UND BERUFLICHE SITUATION

Wohnungsverhältnisse, Ausbildungssituation, Berufliche Situation

 

VI. SOZIALE BEZIEHUNGEN

Soziale Netzwerke, Soziale Sicherheit, Gewalt (privat, öffentlich, staatlich), Bürgerliche, soziale und kulturelle Menschenrechte

 

VII. FRAGEN ZUR ZUKUNFT

Gedanken und Einstellungen zur eigenen Zukunft, Gedanken und Einstellungen zur Zukunft der nächsten Generation

 

 

Ergebnisse und ihre Relevanz

Die Dokumentation von individuellen Gesundheitsinformationen ist die Basis für einen bedürfnisorientierteren Zugang zu den Gesundheitsdiensten und somit die Basis für eine Steigerung der Verteilungsgerechtigkeit im Gesundheitsversorgungssystem von Botgotá.

 

Mit Hilfe des standardisierten und validierten Fragebogens können objektiv und nachvollziehbar vergleichbare Daten erhoben und dokumentiert werden. Diese Daten dienen der Sozial- und Gesundheitspolitik als Grundlage einer nachhaltigen Planung.

 

Das Buch steht in spanischer und englischer Sprache im Internet zur Verfügung. Gleichfalls im Netz steht die Database. Jungen WissenschaftlerInnen in Lateinamerika, die bisher auf wenig bis keine eigenen Daten verfügen, können mit den gesammelten Daten arbeiten und sollen zu eigenen sozial-empirischen Untersuchungen ermutigt werden. Studierende und ProfesorInnen der Universidad Javerian haben begonnen, eine erste Nachfolgeprojektgruppe zu bilden. 

 

Stephan P. Leher & Hermann Denz

Health in Bogotá

Health as a Human Right

 

La Salud en Bogotá

La salud como un derecho humano

 

Gesundheit in Bogotá

Die Gesundheit als Menschenrecht

 

Bogotá 2005

 

ISBN: 958-683-800-5

Digiprint Editores Bogotá, D.C., Kolumbien