Die Alpen im Wandel zwischen Risiken und Chancen

Sich heute mit den Alpen zu befassen, bedeutet eine Reihe großer und unterschiedlicher Themen anzugehen. Themen, die von der Vielfalt und Ausdehnung des Territoriums, der Größe und der Vielfalt der Bevölkerung, der Verschiedenheit und der unterschiedlichen Geschwindigkeit der Umwandlungsprozesse abhängen. Dokumentation der fünften Internationale Tagung der Rete Montagna.
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Dieser Band vereinigt die Beiträge maßgeblicher Exponenten aus der Welt der Kultur, der Politik und der Wirtschaft, die ihre Thesen und Ergebnisse anlässlich der Fünften Internationalen Tagung der Rete Montagna in Chiavenna (I) und Castasegna (CH) am 29. und 30. Mai 2009 zum Thema "Die Alpen im Wandel zwischen Risiken und Chancen" vortrugen. Der erste Teil, der sich mit dem Klimawandel in den Alpen befasst, geht diese höchst aktuelle Problematik mit Klaus Oeggls Beitrag über mögliche Zusammenhänge zwischen Besiedlung und Klima aus historischer Perspektive an. Es folgt der Beitrag von Roland Psenner über die Auswirkungen von Permafrost auf die Wasserqualität, die sich mit den negativen Folgen des Abschmelzens von Permafrost und unzähliger Blockgletscher auf die Trinkwasserqualität befasst. Michael Zemp geht auf die kulturellen Folgen des Klimawandels in den Alpen ein, indem er die Gletscher als die besten Indikatoren der Klimaveränderungen bezeichnet, die so im internationalen wissenschaftlichen Diskurs zu wahren Ikonen des 'global warming' geworden sind. Marco Caccianiga betrachtet die Frage des Klimawandels durch die Darstellung eines anderen bedeutenden Indikators von Klimaveränderungen, nämlich der Vegetationsdecke mit besonderem Blick auf die Schwankungen der Baumgrenze. Die Sitzung schließt mit dem Beitrag Marcella Morandinis über den Klima-Aktionsplan der Alpenkonvention, wobei sie dessen Rolle hervorhebt, die Alpen zu einer Modellregion für Vermeidung von und Anpassung an den Klimawandel zu machen.

In den Alpen ändert sich nicht nur das Klima, sondern auch die Beziehung zwischen Mensch und Lebensraum, mit einem Wechsel von Isolations- und Rückkehrbewegungen, die Landschaften und Orte immer wieder umgestalten, wobei manchmal fast ausgelöschte Zeichen gänzlich vergessen, andere jedoch wieder belebt oder neue geschaffen werden. Der zweite Teil des Buches untersucht traditionelle Ressourcen und neue Wirtschaftsformen und wird von Davide Pettenella mit einem Text über die Waldbewirtschaftung eröffnet, wobei er vor allem auf die in den letzten Jahrzehnten erfolgten Veränderungen im Markt der Forstgüter und -leistungen eingeht. Flavio Ruffini, Thomas Streifeneder et al. untersuchen Entwicklung und mögliche Trends der Landwirtschaft in den Alpen: Mittels multivariater Regressionsanalysen von Strukturparametern, die auf Gemeindeniveau harmonisiert wurden und für die gesamte Alpenregion gültig sind, werden einige Indikatoren errechnet, die die Entwicklung der Betriebe maßgeblich beeinflussen. Dieser Teil endet mit dem Statement von Annibale Salsa über die mögliche Rückkehr vor allem junger Menschen in die Alpen, wobei er als Beispiel den französischen Neoruralismus heranzieht.

Sprachen, Traditionen, Ansichten, Wissen und Know-how – all das sind Elemente des Alpenmosaiks und gerade die kulturelle Vielfalt der Alpen bildet das Thema des dritten Teils, der mit einer kritischen Sicht Johannes Kramers auf die unterschiedliche sozio-lingustische Situation der im Alpenbogen gesprochenen Sprachen beginnt. Gerhard Rampl beschäftigt sich in seinem interessanten Beitrag mit der Entwicklung der “Alpenwörter” in Tirol, während Giovanni Frau sich mit den Völkern und Sprachen in Friaul befasst, einer privilegierten Region an der Wegkreuzung verschiedener Bevölkerungen und Kulturen. Dieser Teil schließt mit dem Beitrag Ulrike Tappeiners, die den Alpenatlas vorstellt, eine wahre Datenbank mit über 100 Karten zu Gesellschaft, Wirtschaft und Umwelt, ergänzt durch übersichtliche Erklärungen in fünf Sprachen (Italienisch, Französisch, Deutsch, Slowenisch und Englisch).

Die Teilnahme der Bürgerinnen und Bürger an Prozessen der Landesplanung hat im letzten Jahrzehnt eindeutig zugenommen. Zum einen geht das darauf zurück, dass internationale Prinzipien der Teilnahme von unten angewandt wurden, andererseits beruht es auf der Nachfrage von Seiten freier Bürger, von Interessengruppen und ganz allgemein der Zivilgesellschaft, die sich in die Gestaltung des Territoriums und der Infrastruktur und in die betreffenden Entscheidugnsprozesse stärker einbringt. Aus dieser Sicht beleuchtet die vierte und letzte Teil die Verwaltung des Alpengebietes und beginnt mit dem Beitrag Gian Paolo Torricellis über das Observatorium der Gebietsentwicklung und der Landesplanung im Tessin. Dieser Teil geht weiter mit dem Text Mauro Pascolinis zur Verwaltung der Gebirgsregion mit partizipativen Werkzeugen und mit dem Beitrag Paolo Angelinis, der die bisherige Arbeit des italienischen Umweltministeriums zum Thema Bevölkerung und Kultur im Rahmen der Alpenkonvention präsentiert. Romina Rodela beendet den vierten Teil mit einer Analyse der Schutzmaßnahmen für das Naturerbe in Slowenien und der Methoden zur Beteiligung der lokalen Bevölkerung.

Mehr Informationen: http://www.uibk.ac.at/alpinerraum/publications/vol12/

 

Informationen zum Buch:
Die Alpen im Wandel zwischen Risiken und Chancen
Guglielmo Scaramellini and Alice Giulia Dal Borgo (Hg.)
ISBN 978-3-902811-09-7
iup innsbruck university press

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