Buchtipp: Clément Mutombo: „Les damnés innocents du Vorarlberg. Parianisme envers les enfants historiques (1946)”

Am 10. März veranstaltete das Institut für Politikwissenschaft in Kooperation mit dem Frankreich - Schwerpunkt der Universität Innsbruck die Buchpräsentation „Les damnés innocents du Vorarlberg. Parianisme envers les enfants historiques (1946)”
Buchtipp: Clément Mutombo: „Les damnés innocents du Vorarlberg. Parianisme envers les enfants historiques (1946)”
Bild: Buchtipp: Clément Mutombo: „Les damnés innocents du Vorarlberg. Parianisme envers les enfants historiques (1946)”

Das Buch (derzeit nur in französischer Sprache) widmet sich der Erforschung und Aufhellung eines Tabus der „vergessenen historischen Kinder“ in Vorarlberg nach dem zweiten Weltkrieg. Es handelt sich hierbei um „Kinder“, die im Jahre 1946 (= Entstehung der Republik Österreich) auf die Welt gekommen sind und die einen  - bis heute – UNBEKANNTEN französischen oder marokkanischen Vater haben. Sie werden herabsetzend als „Besatzungskinder“ oder „Kriegskinder“ bezeichnet. Weder ihr „Vaterland“ (gemeint ist das Land des Vaters) noch ihr „Mère Patrie“ (= das Land der Mutter) kümmert sich um ihre furchtbare Identitätskrise! Gestern waren sich diese Länder noch feindlich gegenübergestellt und heute sind sie Partner in einer großen Europäischen Union.

 

Vorarlberg und Tirol waren nach dem Krieg durch die prüde katholisch-konservative Moral geprägt, vor allem in den ländlichen Gegenden. In diesem Milieu war schon jedes uneheliche Kind eine Frucht der Sünde und die Mutter wurde beschimpft. Die Wurzel dieser Verachtung liegt in der Erbsündentheorie: die persönliche Schuld ist nicht notwendig, da man schon mit der Geburt „befleckt“ ist. Die Verdammung ist dann die höchste Strafe die man bekommt, weil man das Gesicht Gottes nie sehen wird. Obwohl die zumeist dunkleren Marokkanerkinder, als sichtbare Frucht von gemischten Beziehungen „Marokkanerle“ oder „Negerpuppe“ genannt wurden und es viel schwerer in der Schule hatten, als Kinder von Franzosen, wurden alle „historischen Kinder“ parianisiert (= als „Paria“ behandelt).

 

Über den Autor

Clément Mutombo ist  Soziologe und selbst afrikanischer Herkunft. Er lebt in Wien und pendelt wegen seiner Forschung zwischen Paris und Innsbruck. Er beschäftigt sich in seiner gesamten akademischen und wissenschaftlichen Laufbahn mit dem Phänomen der Domino-Paare und den Kindern aus diesen „Schwarz-weißen“ Liebesbeziehungen.

 

Text: Clément Mutombo/ Bettina Posch