Buchtipp: Christina Antenhofer: Briefe zwischen Süd und Nord.

Die Hochzeit und Ehe von Paula de Gonzaga und Leonhard von Görz im Spiegel der fürstlichen Kommunikation (1473-1500).
Christina Antenhofer: Briefe zwischen Süd und Nord.
Bild: Christina Antenhofer: Briefe zwischen Süd und Nord.

1478 heiratet die italienische Fürstentochter Paula de Gonzaga aus Mantua den letzten Grafen von Görz, Leonhard, und zieht nach Lienz, wo sie auf Schloß Bruck residiert. Paula und Leonhard sind als „ungleiches Paar“ in die Geschichte eingegangen: Der Altersunterschied – Leonhard ist bei der Heirat 34, Paula 15 Jahre alt – kulturelle Differenzen, insbesondere aber die schweren Konflikte in der Ehe zementierten das Klischee von Paula als „feinsinniger“ Renaissancefürstin, die zum Opfer ihres brutalen Gatten, des „rauen“ Grafen wurde. Doch findet sich dieses Bild auch in den Quellen wieder?

 

Das vorliegende Buch versucht, die Geschichte dieser Ehe anhand von über 500 bisher großteils unpublizierten Briefen sowie den überlieferten Verträgen und Aktenstücken neu zu „rekonstruieren“ und die grundlegenden Konfliktpotentiale in der Eheverbindung aufzuspüren. Das Interesse gilt vor allem dem schwierigen Ablöseprozess der Braut von ihrer Herkunftsfamilie und dem Übertritt in das „fremde Haus“ ihres Gatten. Besonderes Augenmerk wird auch auf die Ausstattung Paulas gelegt – Brautschatz, Mitgift und Hof werden als „Code“ gelesen, der Auskunft gibt über die Stellung der jungen Ehefrau, ihre Integration in den fremden Hof sowie den Rückhalt, den sie von ihrer Herkunftsfamilie erfuhr. Eingehend befasst sich die Autorin mit den Reibungspunkten zwischen den Gatten auf materieller, sozialer, emotionaler und sexueller Ebene.

 

Ein zweiter thematischer Schwerpunkt analysiert die Kommunikation zwischen den Gonzaga und den Görzern in Hinblick darauf, wie die beiden Familienverbände mit den Konflikten umgingen: Wie funktionierte die Kommunikation über Briefe? Welche Rolle spielten Emotionen in der Korrespondenz? In welcher Situation wurden Schreiben in der Volkssprache abgefasst und wann in Latein? Die Analyse der schriftlichen Kontakte belegt, dass sowohl Frauen als auch Männer auf beiden Seiten durchaus strategisch vorgingen und geschickt im Sinne ihrer jeweiligen Interessen (ver)handelten.

 

Das Buch ist hervorgegangen aus einer Dissertation, die 2004 an der Universität Innsbruck eingereicht und mit 3 Preisen ausgezeichnet wurde. 2005 Theodor Körner Preis und Preis für frauenspezifische Forschung an der Universität Innsbruck, 2006 Liechtenstein Preis.

 

Zur Autorin:

ANTENHOFER Christina, MMag. Dr., Wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Geschichte und Ethnologie der Universität Innsbruck: Geboren in Bruneck (Südtirol) 1973. Studium der Geschichte (Diplom) und der Germanistik / Französisch (Lehramt) an den Universitäten Innsbruck und Sorbonne. Mag. phil 1999. Dr. phil 2004. Dissertation über die Korrespondenz um Paula de Gonzaga und Leonhard von Görz (1473-1500). 1998-2003 Projekt „Flurnamenerhebung in Südtirol“ am Institut für deutsche Sprache, Literatur und Literaturkritik an der Universität Innsbruck. 2002-2003 Lektorin an der Universität Innsbruck.. Seit August 2004 wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Geschichte und Ethnologie (Mittelalter). Forschungsschwerpunkte:, Kommunikationsgeschichte, Alltagsgeschichte (Adel und Bauern), Geschlechtergeschichte, Flurnamen. 3 Bücher, mehrere Aufsätze in nationalen und internationalen Sammelbänden und Zeitschriften, mehrere Forschungspreise (2005 Theodor Körner Preis und Preis für frauenspezifische Forschung an der Universität Innsbruck, 2006 Liechtenstein Preis).

 

Man kann das Buch direkt online bestellen:
http://www.uvw.at/artikel/detail.php?id=336&gruppenid=0

Nach oben scrollen