Max Riccabona. Bohemien – Schriftsteller – Zeitzeuge

In der Reihe: Edition Brenner-Forum ist kürzlich Band 4 zu Max Riccabona erschienen.
Max Riccabona. Bohemien – Schriftsteller – Zeitzeuge
Bild: Max Riccabona. Bohemien – Schriftsteller – Zeitzeuge

Die Autorinnen und Autoren dieses Bandes – Ulrike Lang, Meinrad Pichler, Werner Dreier, Ulrike Längle, Jürgen Thaler, Sandra Unterweger, Paul Pechmann, Thomas Eder, Barbara Hoiß, Manfred Chobot, Doris G. Eibl, Ludwig Laher, Gerhard Jaschke, Andreas Hapkemeyer, Wilhelm Meusburger und Helmut Swozilek – nähern sich dem Außenseiter, KZ-Häftling, Juristen, Künstler, Lyriker, Übersetzer, dem Zeitgenossen Riccabona auf verschiedenen Wegen. Die wissenschaftlichen Aufsätze werden ergänzt durch Erinnerungen an Riccabona, Nachlasslisten und Collagen; letzteren, den alten Arbeiten Riccabonas, werden neue Arbeiten von Herta Müller gegenübergestellt.

 

Zur Person Max Riccabona:

Er hat sich zeitlebens dagegen gewehrt, das Vorgegebene einfach hinzunehmen, mit dem Vorgefundenen sich abzufinden: Der Vorarlberger Dichter und Collagist Max Riccabona (1915–1997) stammt aus gutbürgerlichem Hause. Aber die spät- und spießbürgerliche Welt ist nicht seine Welt. Er setzt dagegen auf die Verschmelzung von Kunst und Leben, nachhaltig prägen ihn Begegnungen mit James Joyce, mit Joseph Roth und Ezra Pound. Seit seiner KZ-Internierung gesundheitlich angeschlagen, widmet er sich mehr und mehr seiner künstlerischen Tätigkeit – einem Gesamtkunstwerk, wie es als erster schon Kurt Schwitters konzipiert hat: Riccabona zerlegt die Materialien, auf die er stößt, und stellt sie neu zusammen, er konstruiert Faltcollagen, er konzentriert sich auf das Übersetzen, das Verfassen von Gedichten und Essays. Sein Hauptwerk Die Tragikomödie des Dr. von Halbgreyffer lässt sich ebenso wenig fassen oder einordnen wie Riccabona selbst. In seiner engeren Umgebung wird er denn auch höchst selten nur verstanden. Aber Autoren wie Ernst Jandl und Wolfgang Bauer oder Gert Jonke setzen sich für ihn ein.

 

Auszug aus dem Nachlassmaterial Max Riccabonas:

Aus den Bauelementen zur Tragikomödie des x-fachen Dr. von Halbgreyffer oder Protokolle einer Halbbildungsinfektion: der beschuldigte: [...] sie haben mir bei der letzten vernehmung vor 3 tagen die verantwortungslosigkeit vorgehalten, mit der ich immer wieder versucht hätte,ein so edles wesen, wie die sprache zu vergewaltigen sie haben mir nicht glauben wollen, dass diese versuche untauglich waren, untauglich, kraft meiner volltrunkenheit..

 

 

Johann Holzner, Barbara Hoiß (Hrsg.):

Max Riccabona. Bohemien – Schriftsteller – Zeitzeuge

StudienVerlag 2006.