Kriegsblinde in Österreich 1914-34

Die Studie „Kriegsblinde in Österreich 1914-34" von Barbara Hoffmann beschäftigt sich erstmals mit diesem Thema. Es wird die Frage beantwortet: Was bedeutete Kriegsblindheit während und nach dem I. Weltkrieg wirtschaftlich, rechtlich, sozial, psychisch und physisch gesehen für die betroffenen Kriegsopfer? Ein Ausblickkapitel zeigt, das Kriegsblindheit kein Thema der Vergangenheit ist.
Buchcover: Kriegsblinde in Österreich 1914-34
Bild: Buchcover: Kriegsblinde in Österreich 1914-34

Vor Beginn des Ersten Weltkrieges hätte niemand damit gerechnet, dass ca. 1,2 Prozent der Soldaten erblindet heimkehren würden. Rund 300 österreichische Kriegsblinde mussten in der Ersten Republik versorgt werden.

Häufig wird das eingesetzte Giftgas für die hohe Anzahl von Kriegsblinden verantwortlich gemacht. Die Studie von Barbara Hoffmann kann dies widerlegen. Die meisten Gase reizten die Augen vorübergehend. Hauptgrund für die vielen Erblindungen waren Schussverletzungen.

Ein eigenes Kapitel in der Studie von Barbara Hoffmann besch äftigt sich mit dem Schicksal der Tiroler Kriegsblinden. Wie an vielen anderen Stellen des Buches, veranschaulicht auch in diesem Fall die Historikerin diesen Abschnitt mit Beispielen. 27 Tiroler aus beiden Landesteilen verloren ihr Augenlicht. Die meisten davon stammten aus den südlichen Gebieten. Da das Heimatgebiet dieser Opfer nach dem Vertrag von St. Germain an Italien abgetreten werden musste, gab es 1929 in Tirol nur mehr neun Kriegsblinde, die von der Ersten Republik versorgt werden mussten.

Die Tiroler Kriegsblinden wurden ab Jänner 1916 im neu eröffneten Landesblindenheim in Salzburg untergebracht. Die Betroffenen sollten nach ihrem Militärdienst aber nicht nur in den klassischen „Blindenberufen", wie Korbflechten, Sessel flechten oder Bürstenbinden , sondern möglichst in ihrem alten Betätigungsfeld wieder eine Anstellung finden. In Niederösterreich wurde so die europaweit erste landwirtschaftliche Kriegsblindenschule gegründet.

Der Gesetzgeber erkannte Blindheit als die schlimmste Kriegsverwundung an. Deshalb war der Hilflosenzuschuss zur Pension für die Kriegsblinden höher, als für alle anderen Kriegsinvaliden. Obwohl sich viele „Friedensblinde" für ihre im Krieg erblindeten „Schicksalskameraden" einsetzten, erreichten sie nie dieselbe Anerkennung. Es entstand ein „Zwei-Klassen-System" von blinden Menschen, das im Prinzip bis heute erhalten ist.

Bibliographische Daten  

Barbara Hoffmann: „Kriegsblinde in Österreich 1914-34“ Ludwig Boltzmann Institut (Hg.); Kriegsfolgen-Forschung, Graz 2006; 248 S.; ISBN 3-901661-17-4; 19,90 EUR

Zur Autorin

Barbara Hoffmann wurde 1978 in Dortmund geboren. Nach abgeschlossener Reifeprüfung absolvierte sie in Graz einen Lehrgang zur akademischen Medienfachfrau. An der LFU Innsbruck hat sie dann Geschichte (Diplomstudium) studiert. 2003 verfasste Sie eine Diplomarbeit zum Thema „Kriegsblinde in Österreich 1914-34“. Seit 2004 arbeitet Sie an einer Dissertation zum Thema „Blinde Menschen in der NS-Zeit“. Neben dieser wissenschaftlichen Tätigkeit ist Sie als Pressereferentin des Tiroler Blinden- und Sehbehinderten-Verbandes angestellt und wohnt derzeit in Völs in Tirol.

Herausgeber

Das 1993 gegründete und von Stefan Karner geleitete Ludwig Boltzmann Institut für Kriegsfolgen- Forschung, Graz – Wien – Klagenfurt (BIK), hat es sich zur Aufgabe gemacht, Auswirkungen von Kriegen im weitesten Sinne interdisziplinär zu erforschen: Dazu zählen staatliche, gesellschaftliche, ökonomische, soziale, humanitäre und kulturelle Folgen.