Der Innsbrucker Frauenstadtplan

Unter dem Titel „Eine Spurensuche gestern und heute“ wurde im Juni der erste Frauenstadtplan für Innsbruck präsentiert. Das Konzept stammt von Dr. Astrid von Schlachta und von Mag. Ellinor Forster, beide vom Institut für Geschichte. Herausgeber ist der Verein Frauen im Brennpunkt.
Frauenstadtplan
Bild: Frauenstadtplan

„Dieser Stadtplan ist eine handliche Ergänzung zum Frauenstadtführer „Frauenleben in Innsbruck“. Er wurde kostenlos an verschiedene Institutionen der Stadt und in Museen abgegeben, also „Geschichte auf die Straße gebracht“, freut sich von Schlachta. Zusätzlich zur üblichen Funktion eines Stadtplans bietet dieser Frauenstadtplan einerseits historische Hintergrundinformationen zur weiblichen Geschichte, andererseits sind übersichtlich Adressen aktueller Beratungs- und Anlaufstellen für Frauen und Mädchen angeführt. Die Auflagenzahl beträgt 3.000 Stück.

„Wir verstehen diesen Frauenstadtplan als Serviceprodukt, mit dem auf einen Griff Fragen nach aktuellen Fraueneinrichtungen und historischer Frauengeschichte beantwortet werden. Sozusagen eine Spurensuche für das Gestern und Heute“, betont Dr. Marie-Luise Pokorny-Reitter, Obfrau des Vereins Frauen im Brennpunkt, anlässlich der Präsentation. „Es ist uns wichtig, frauenspezifische historische Informationen quer durch alle Schichten zu vermitteln. Frauengeschichte betrifft nicht nur herausragende Frauenfiguren, sondern ebenso beispielsweise Bettlerinnen oder Marktfrauen“, ergänzen die beiden Historikerinnen Forster und von Schlachta.

Frauengeschichte in Innsbruck

Eine Stadt auf den Spuren der Frauen, mit den Augen der Frauen zu sehen, gibt dem Stadtbild ein völlig neues, bisher unbekanntes Angesicht. Der „zweite Blick“ entdeckt die Bedeutung eines Gebäudes oder Platzes in einem veränderten Kontext: Hinter der Fassade erschließt sich die andere Seite der oft männlich geprägten Außenseite. Erleichtert wird die Spurensuche durch diesen Frauenstadtplan, der einen Einblick in den historischen Hintergrund liefert, einzelne Biografien und Lebenssituationen von Frauen präsentiert und diese mit konkreten Gebäuden und Plätzen der Stadt verbindet. Das Augenmerk liegt dabei nicht nur auf den bekannten weiblichen Größen wie Philippine Welser und Claudia de’Medici, sondern den Lebenswelten ihrer bislang unbekannten Nachbarinnen, den Bürgerinnen, Bäuerinnen, Bettlerinnen und Prostituierten sowie auch auf vermeintlich bekannten Orten, wie etwa dem Hof, den Frauenklöstern und den Schulen.

Fraueneinrichtungen in Innsbruck

In Innsbruck gibt es sieben Anlaufstellen für Mädchen zu unterschiedlichen Lebensbereichen wie Berufswahl, Wohnen, Freizeit. Ausschließlich für Frauen sind insgesamt 32 Einrichtungen von besonderem Interesse wie beispielsweise Arbeitnehmerinnen, Arbeitgeberinnen, Arbeitssuche, Wohnungssuche, Gewalterfahrung, frauenspezifische Freizeit, Bildung, Gesundheit. 21 Adressen können sowohl für Frauen als auch für Männer hilfreich sein: z.B. Kinderbetreuung, Ehe- und Erziehungsfragen.