«Quand un keum kiffe une meuf…» - Auch so kann man auf Französisch über die Liebe reden!

Das Institut für Romanistik der Universität Innsbruck (Prof. Eva Lavric, Dr. Carmen Konzett) und der Frankreich-Schwerpunkt hatten geladen, und gekommen waren: 28 „Argotologen“ und „Argotologinnen“ aus 12 europäischen Ländern, die allesamt auf Französisch über den französischen Slang, das berühmte „Argot“, und seine Entsprechungen in acht verschiedenen Sprachen referierten.
Die ArgotologInnen aus 12 Ländern – in der Mitte (v.l.): Prof. Lavric, VR Bockreis, Prof. Goudaillier
Bild: Die ArgotologInnen aus 12 Ländern – in der Mitte (v.l.): Prof. Lavric, VR Bockreis, Prof. Goudaillier

Die 6. Internationale Tagung der wohleingeführten Tagungsreihe zum „Argot“, die jährlich in einem anderen europäischen Land stattfindet, war Anfang Juni in Innsbruck zu Gast. Aus Österreich, Frankreich, Deutschland, Spanien und Zypern kamen ArgotologInnen, aber auch aus Polen, Georgien, Russland, Slowenien, der Tschechischen Republik, Bosnien-Herzegowina und Ungarn.

Vizerektorin Univ.-Prof. Dr.-Ing. Anke Bockreis betonte daher in ihrer Eröffnungsansprache, die sie in perfektem Französisch hielt, dass Innsbruck mit dieser Tagung eine Brücke zwischen Westeuropa und Mittel- und Osteuropa schlage. Die Vizerektorin fuhr fort: „Und woraus besteht diese Brücke? Nun, im Fall Ihrer Tagung ist die Brücke die Sprache, die Sprache, die die Menschen verbindet. Sprache verbindet die Menschen, aber sie kann sie auch trennen, und gerade das „Argot“, der Slang, war von seiner Entstehung her eigentlich eine Sprache, die Verstehen verhindern sollte.“

Das „Argot“ ist in der Tat ursprünglich eine Gruppensprache, historisch gesehen die Gruppensprache krimineller Banden, die eigene Wörter und Ausdrücke erfanden, um von den Normalbürgern und insbesondere von der Polizei NICHT verstanden zu werden.

Heute ist das Argot jedenfalls im Französischen in den allgemeinen Sprachgebrauch eingedrungen, viele Ausdrücke werden von so gut wie jedem in informellen Situationen verwendet; aber auch als Geheimsprache und Gruppensprache lebt es weiter in der Jugendsprache, die sich beständig weiterentwickelt, eben um die kryptische Funktion weiter erfüllen zu können.

Der Organisator der Tagungsreihe, Prof. Jean-Pierre Goudaillier von der geisteswissenschaftlichen Fakultät Sorbonne an der Universität Paris 5 René Descartes, ist Autor eines Standardwerks zur französischen Jugendsprache, des ganz speziellen Wörterbuchs mit dem Titel „Comment tu tchatches?“ („Wie sprichst du?“).

Dort könnte man übrigens nachschlagen, um das Zitat im Titel dieses Beitrags zu entziffern: Es würde sich zeigen, dass „keum“ und „meuf“ Mann und Frau sind (durch Umkehrung – „Verlanisierung“ – abgeleitet aus mec = Typ und femme = Frau), und dass kiffer (aus dem Arabischen) nichts anderes bedeutet als „lieben“. „When a man loves a woman“ auf „Argot“ also…

(Eva Lavric)