Tagung „Interinstitutionelle und interdisziplinäre Lehrerbildungsforschung“

Am 24. und 25. Mai 2012 richteten das Zentrum für LehrerInnenbildung der Universität Innsbruck und die KPH Edith Stein am Tiroler Bildungsinstitut Grillhof (Innsbruck/Vill) gemeinsam die internationale Jahrestagung der Sektion „LehrerInnenbildung und LehrerInnenbildungsforschung“ der „Österreichischen Gesellschaft für Forschung und Entwicklung im Bildungswesen“ (ÖFEB) aus.
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Bild: TagungsteilnehmerInnen beim abschließenden Resümee.

Lehrerbildungsforschung ist ihrer inneren Strukturlogik nach ein interdisziplinäres Forschungsfeld. Die vielfältigen pädagogischen, fachlich- bzw. fachdidaktischen, verwaltungsbezogenen, sozialen und weiteren Anforderungen des Berufsalltags wie die multidisziplinäre Ausbildung spiegeln diese Bedingtheit auf der Umsetzungsebene wider. Universitäten definieren sich als Forschungseinrichtungen über den Zugang der wissenschaftlichen Berufsvorbildung. Pädagogische Hochschulen haben seit ihrer Gründung ebenfalls einen expliziten Auftrag zur berufsfeldbezogenen Forschung. Bildungspolitisch wird das gesamte Feld der LehrerInnenbildung derzeit unter dem Titel „LehrerInnenbildung Neu“ heiß diskutiert. Jenseits institutioneller, landespezifischer, bundesstaatlicher, interessens-, verbands- und parteipolitischer Positionen eint die Ausbildungsinstitutionen der forschungsbasierte Zugang zu Aus- und Weiterbildung. Mit der Tagung wurde ein Diskursraum geboten, in dem jenseits aktueller politischer Positionen interinstitutionelle und interdisziplinäre Forschungsprojekte und Befunde zur LehrerInnenbildung vorgestellt und gemeinsam diskutiert werden konnten.

Das Feld der TeilnehmerInnen rekrutierte sich vorrangig von österreichischen (ca. 2/3) und deutschen (ca. 1/3) Pädagogischen Hochschulen und Universitäten. Inhaltlich umspannten die Vorträge einen breiten Bogen allgemeinpädagogischer und fachdidaktischer Themen. Hierbei zeigte sich, dass die moderne Lehrerbildungsforschung inzwischen in allen Fachbereichen multimethodisch qualitativ und quantitativ arbeitet und arbeiten muss, um die komplexen Wechselwirkungsmechanismen des Forschungsfeldes fassen zu können. Ein weiteres zentrales Ergebnis der Tagung spiegelte sich in der Forderung nach vermehrten interdisziplinären Forschungsprojekten wider. Die Einzelwissenschaften verfügen inzwischen über grundlegende Befunde zur Lehrerbildung aus fachlicher, fachdidaktischer, schulpädagogischer und psychologischer bzw. soziologischer Sicht. Das zentrale Desiderat derzeit besteht darin, diese fachspezifischen Erkenntnisse miteinander zu verbinden.

Seitens der veranstaltenden Organisationen war die Tagung sowohl inhaltlich wie auch von offizieller Seite her prominent vertreten. Der Vizerektor für Lehre der Universität Innsbruck, Univ.-Prof. Dr. Roland Psenner, und der Dekan der Bildungswissenschaftlichen Fakultät, Univ.-Prof. Dr. Michael Schratz brachten sich mit Statements ebenso ein wie die Rektorin der KPH-Edith Stein, Dr. Regina Brandl und der Vizerektor Dr. Günther Bader. Gemeinsamer Tenor der Aussagen war, dass Tirol als Lehrerbildungsstandort mit dem neuen Hochschulgesetz für Pädagogische Hochschulen und der Gründung der School of Education als 16. Fakultät an der Universität Innsbruck für die Zukunft strukturell bestens gerüstet ist. Die Zusammenarbeit der verschiedenen Institutionen wurde zudem durch die Teilnahme des künftigen Rektors der Pädagogischen Hochschule Tirol, Herrn Dr. Elmar Märk, signalisiert.

Die Tagung endete mit der Poster-Prämierung für NachwuchswissenschaftlerInnen durch eine international besetzte Jury und der Einladung seitens der Vorsitzenden der ÖFEB-Vorstandes Dr. Andrea Seel, die biennale Jahrestagung der ÖFEB im September 2013 auszurichten. Die Universität Innsbruck wird diese größte österreichische Fachtagung zu Bildungsfragen über die School of Education federführen gemeinsam mit den Partnerinstitutionen PHT und Katholische Pädagogische Hochschule - Edith Stein (KPH) organisieren und so ein weiteres Mal ihre zentrale Stellung Lehrerbildungseinrichtung unter Beweis stellen.

(Christian Kraler, Klaus Reich)