Warum man die letzte Frage zuerst beantworten sollte

Der britische Biologe Dr. Rupert Sheldrake präsentierte am vergangenen Donnerstag im Brand Research Laboratory seine Idee der „morphischen Resonanz“ und was sie für Studierende und Marketingfachleute praktisch bedeutet.
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Bild: Der Biologe Rupert Sheldrake bei seinem Vortrag in Innsbruck.

Auf Einladung des Brand Research Laboratory der Universität Innsbruck war der weltbekannte Biologe und Buchautor Dr. Rupert Sheldrake in der vergangenen Woche erstmals in Innsbruck zu Gast. Dr. Sheldrake hat mit seinem Buch „Das Gedächtnis der Natur” seit den 1980er Jahren weltweit Aufsehen erregt und sorgt derzeit mit seinen kritischen Thesen zum „Wissenschaftswahn“ für Kontroversen.

Biologie und Leben

Sheldrake hat in Cambridge und Harvard Biochemie studiert und war Mitglied der renommierten British Royal Society. Aufgrund seiner provokanten Thesen wird er in Wissenschaftskreisen sowohl als Querdenker vom Format Issac Newtons und Charles Darwins gehandelt als auch als Pseudo-Wissenschaftler verschrien. Spätestens seitdem der Herausgeber des Wissenschaftsjournals Nature im Jahr 1981 vorschlug, Sheldrakes „ketzerisches Buch“ zu verbrennen, sind die historischen Parallelen zur Verurteilung des Pioniers Galilei durch Papst Urban offensichtlich. Trotz (oder gerade wegen) dieser leidenschaftlichen Kritik finden seine Bücher reißenden Absatz.

Dr. Sheldrakes empirische Forschung befasst sich mit grundlegenden Fragen der Biologie und des Lebens. Er fragt zum Beispiel, wieso Ratten in Australien etwas beherrschen, das andere Ratten in Amerika bereits zehn Jahre zuvor gelernt hatten? Wie können Hunde wissen, dass ihre Besitzer nach Hause kommen? Und warum ist für Menschen ein Kreuzworträtsel in einer überregionalen Tageszeitung am zweiten Tag nach seinem Erscheinen leichter zu lösen als am ersten Tag? Seine Hypothese lautet: Durch „morphische Resonanz“. Laut Sheldrake umgibt jede Art von Pflanzen und Tieren aber auch Menschen eine Reihe in sich verschachtelter morphischer Felder, die die materiellen Formen der Pflanzen, Tiere und Menschen stabilisieren und ein Gedächtnis enthalten. Diese Felder, erklärt Sheldrake, erlauben einen alternativen, wissenschaftlich überprüfbaren Blick auf Phänomene der Vererbung und Formengebung, aber erklären auch, warum viele Menschen besser als der Zufall erahnen können, wer sie gerade am Telefon anruft.

In der Brand Venture VII Vorlesung im Brand Lab an der Universität Innsbruck ging es zudem darum, herauszufinden inwieweit morphische Resonanz für die Markenführung interessant ist. Dr. Robert Schorn vom Institut für Strategisches Management, Marketing und Tourismus befasst sich seit fast zehn Jahren mit dieser Frage. Er erklärt: „Wir haben in Experimenten nachweisen können, dass Symbole die in alten Kulturen bereits bekannt waren, aber seit hunderten von Jahren nicht mehr in Gebrauch sind, bei Probanden heute besseren Zuspruch finden als nicht historisch verankerte Zeichen.“ Ebenso finden laut Dr. Schorn Zeichen wie das chinesische Coca Cola Logo in Europa mehr Zuspruch als ähnlich kryptische Zeichen, obwohl die Probanden das Logo noch nie gesehen haben. Diese Erkenntnisse beschreibt Dr. Schorn als einen von vielen potentiellen Hinweisen auf die Existenz von „morphic resonance“.

Und was hat morphische Resonanz nun mit Prüfungen zu tun? Wenn seine Hypothese stimmt, so Sheldrake, sollten Studierende Klausurfragen leichter beantworten können, nachdem die Klassenkameraden die Fragen bereits beantwortet haben. Wer also in der Klausur mit den letzten Fragen anfängt, tut sich bei den ersten Fragen leichter, ohne zu schummeln. Probieren Sie es doch mal aus. Aber nicht alle gleichzeitig.

Über das Brand Research Laboratory

Das Brand Research Laboratory ist ein Forschungszentrum am Institut für Strategisches Management, Marketing und Tourismus der Universität Innsbruck. Es wurde von der D. Swarovski KG zur Förderung der akademischen Markenforschung und der universitären Lehre an der Universität Innsbruck gestiftet. Das Brand Lab hat es sich zum Ziel gesetzt, Wissen über Marken international weiter zu entwickeln und innovative Tiroler Marketingfachleute aus erster Hand mit spannenden, internationalen Forschungsergebnissen zu versorgen. Die Veranstaltungen des Brand Lab sind für die Öffentlichkeit frei zugänglich.

Nächste Brand Venture (VIII): Prof. Michael von Brück, Ludwig Maximilians-Universität München, Eintritt frei. Anmeldung bei Verena Brown, brand-lab@uibk.ac.at