Houska-Preis: 40.000 Euro an Innsbrucker Wissenschaftler

Seit 2005 verleiht die B & C Privatstiftung jährlich den Houska-Preis für praxisorientierte Forschung an österreichischen Universitäten. Mit insgesamt 300.000 Euro ist der Houska-Preis der am höchsten dotierte Forschungsförderungspreis Österreichs, einmal 40.000 und einmal 10.000 Euro davon gingen an die Uni Innsbruck.
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Bild: Das Forscherteam von der Universität Innsbruck: (v. l.) Dr. Michael Junghans (Geschäftsführer B & C Industrieholding), Dr. Andreas Krenmayr, Prof. Dr. Wolf-Dieter Baumgartner, Prof. Dr. Erwin Hochmair, Dipl.-Ing. Ewald Thurner, Dr. Clemens Zierhofer, Dr. Wolfgang Hofer (Vorstand B & C Privatstiftung), Dr. Andreas Griessner, Mag. Georg Bauthen (Vorstand B & C Privatstiftung), Mag. Christian Neustetter, Dr. Reinhold Schatzer, Dr. Erich Hampel (Vorstandsvorsitzender B & C Privatstiftung). (Foto: Stefanie Starz)

Bei der Verleihung des Houska-Preises am 26. April in Wien waren zwei Projekte der Universität Innsbruck in der engeren Auswahl. Eines davon, ein Projekt zur besseren Codierung von Audiosignalen bei Cochlea-Implantaten, belegte den dritten Rang und wird mit 40.000 Euro gefördert. Das zweite Projekt der Universität Innsbruck, „Eine Plattform für industrielle Produktion von Peptiden/Proteinen in Bakterien“, wird mit 10.000 Euro gefördert. Der Dr.-Wolfgang-Houska-Preis wurde 2005 von der B & C Privatstiftung ins Leben gerufen und fördert praxisorientierte Forschung an österreichischen Universitäten. Die Stiftung fördert mit dem Preis einzelne Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler bzw. Forscherteams, deren eingereichte Projekte in Kooperation mit österreichischen Unternehmen realisiert werden. Ausschlaggebend für die Vergabe sind Innovation und wirtschaftliche Nachhaltigkeit. Dieses Jahr war die Initiative insgesamt erstmals mit 300.000 Euro dotiert – damit ist er der größte private Forschungsförderungspreis in Österreich.

Dritter Platz für Innsbrucker Forscher

Der dritte Platz und damit 40.000 Euro ging an vom Innsbrucker Physiker Univ.-Doz. DI Dr. Clemens Zierhofer geleitetes Projekt mit dem Titel „Konzept und Realisierung eines Cochlea-Implantat-Systems zur Feinstruktursimulation“. Cochlea-Implantate (CI) werden zur Rehabilitation von tauben oder hochgradig schwerhörigen Menschen eingesetzt. Das Funktionsprinzip beruht auf der direkten Elektrostimulation des Hörnervs. Das System besteht aus einem implantierten Stimulator und einem hinter dem Ohr getragenen Sprachprozessor. Der Sprachprozessor enthält die Batterie zur Energieversorgung des Gesamtsystems sowie die Elektronik zur Verarbeitung des Audiosignals. Die Übertragung der Stimulationsenergie und -information erfolgt durch die Haut mittels einer Hochfrequenzstrecke.

Am Institut für Ionenphysik und Angewandte Physik der Universität Innsbruck wurde eine neue, auf Feinstrukturinformation basierende Stimulationsstrategie konzipiert, die zur besseren Codierung von Audiosignalen bei Cochlea Implantaten dient. Im Rahmen dieses Projekts erfolgte die reale technische Implementierung des Konzepts in den Bereichen Elektrotechnik, Signalverarbeitung und Hochfrequenztechnik. Fast alle Komponenten basieren auf neuen theoretischen Grundlagen, die zu Patenten bzw. Veröffentlichungen und internationalen Patentanmeldungen führten. Für alle elektrotechnischen Details des Systems konnten funktionstaugliche Prototypen entwickelt werden. So wurden die Grundlagen für ein vollständiges Cochlea-Implantatsystem geschaffen, das nun von der Firma MED-EL GmbH (Medical Electronics) hergestellt und vermarktet wird.

Weltweit sind heute bereits über 100.000 Personen mit Cochlea-Implantaten versorgt. Das System trägt entscheidend zur Verbesserung der Kommunikationsfähigkeit und Lebensqualität der Patientinnen und Patienten bei. Besonders beeindruckende Erfolge wurden bei Kleinkindern festgestellt, frühzeitig implantierte Kinder können in vielen Fällen normal eingeschult werden. Neben MED-EL GmbH treten zwei weitere CI-Hersteller am Markt auf. Das in Österreich entwickelte Produkt behauptet sich bisher sehr erfolgreich im internationalen Wettbewerb. Jüngere Studien bestätigen dem MED-EL-System gegenüber den Mitbewerbern markante Vorteile im Sprachverstehen. Implantate mit der entwickelten Elektronikplattform wurden bereits mehr als 25.000-mal eingesetzt.

Siegerprojekte der Medizin-Uni Innsbruck und der TU Graz

Der Hauptpreis – und damit 120.000 Euro Preisgeld – geht an die Medizinische Universität Innsbruck für die Forschungsarbeiten des D. Swarovski Research Laboratory. Das dort tätige Forscherteam entwickelte gemeinsam mit den Wirtschaftspartnern Oroboros Instruments GmbH und WGT-Elektronik GmbH & Co KG ein spezielles Gerät zur Messung der Zellatmung („Oxygraph-2k“) maßgeblich weiter. Vor allem in der Präventivmedizin sowie in der Therapie altersbedingter Gesundheitsrisiken und degenerativer Erkrankungen werden die Forschungsergebnisse aus Innsbruck in Zukunft maßgeblich an Bedeutung gewinnen. Der mit 70.000 Euro dotierte zweite Platz beim Houska-Preis geht an ein Forschungsprojekt an der Technischen Universität Graz: An deren Institut für Verbrennungskraftmaschinen und Thermodynamik wurde gemeinsam mit dem Wirtschaftspartner GE Jenbacher GmbH & Co OG erstmals ein hocheffizientes Verbrennungskonzept für einen 9,5 MW Gasmotor entwickelt, der bei seinem Wirkungsgrad weltweit eine Spitzenposition einnimmt. Der Gasmotor „J920“ stellt eine wichtige Ergänzung des Produktportfolios von Jenbacher Gasmotoren dar und seine Entwicklung festigt neuerlich die Kooperation zwischen Industrie und universitärer Forschung.

Weitere sieben Forschungsprojekte, denen beim Houska-Preis 2011 eine Nominierung zugesprochen wurde, erhalten je 10.000 Euro als Anerkennungspreis. Darunter ist das Projekt „Eine Plattform für industrielle Produktion von Peptiden/Proteinen in Bakterien“, das von ao. Univ.-Prof. Bernhard Auer vom Institut für Biochemie der Uni Innsbruck geleitet wird.

(red)