Kanadischer Film in Innsbruck

„The Art of Cinema – Canada versus the United States“ war der Titel eines internationalen Symposiums, das am 29. und 30. März im Saal New Orleans der Universität Innsbruck unter großer studentischer Beteiligung stattfand. Geladene Filmexperten aus Kanada, den USA, Deutschland und Österreich diskutierten das kanadische Kino in all seinen Facetten.
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Bild: Manjunath Pendakur von der Florida Atlantic University.

Das Symposium wurde vom Zentrum für Kanadastudien unter der Leitung von Univ.-Prof. Dr. Ursula Moser organisiert und ist Teil des kanadischen Filmfokus des akademischen Jahres 2011/2012. Dieser hat bereits im WS 2011/12 mit einer Filmreihe zum Thema „Canadian Filmmakers – A Story of International Success“ begonnen. Im Leokino Innsbruck wurden zwischen Oktober 2011 und Jänner 2012 fünf kanadische Filme unterschiedlicher Genres und verschiedener Regisseure gezeigt. Am 16. März 2012 startete zudem die Ringvorlesung „The Canadian Film – History, Filmmakers, Perspectives“.

Eröffnet wurde das Symposium mit einem Vortrag von Doris Baltruschat von der University of British Columbia, die insbesondere auf die wirtschaftliche Verflechtung der beiden nordamerikanischen Filmindustrien hinwies. Das wirtschaftliche Argument wurde dann auch von Eric Weeks von der Bowling Green State University aufgegriffen. Um die teilweise sehr hohen Produktionskosten in den Vereinigten Staaten zu umgehen, werden zahlreiche Hollywood-Filme im Nachbarland Kanada gedreht. Die Besucher des Symposiums zeigten sich erstaunt darüber, dass die Skylines von Los Angeles, Chicago und New York, die in zahlreichen Filmen gezeigt werden, eigentlich jene von Vancouver, Toronto oder Montreal sind. Umso schwieriger ist es hingegen, Filme zu finden, in denen Toronto wirklich sich „selbst“ darstellt, wie Robin Curtis vom New York University's Global Academic Center in Berlin in ihrem Vortrag bewies. Das Thema der Grenze, das in diesen Vorträgen eine große Rolle spielte, wurde von Markus Heide von der Humboldt-Universität zu Berlin näher behandelt.

Manjunath Pendakur von der Florida Atlantic University, der den zweiten Tag des Symposiums eröffnete, sprach über die Schwierigkeiten der Entstehung einer eigenständigen kanadischen Filmindustrie neben der starken US-Konkurrenz. Da die großen Filmstudios in Kanada hauptsächlich Produktionen aus den Vereinigten Staaten übernehmen und sich kaum auf den eigenen Markt konzentrieren, werden Eigenproduktionen viel zu wenig gefördert und der Erfolg kanadischer Filme damit behindert. Dieser Umstand erklärte auch das Problem, auf das Johannes Mahlknecht von der Universität Innsbruck bei seiner Analyse der kanadischen und US-amerikanischen Werbestrategien stieß. Anhand von Filmplakaten wollte er typische kanadische Merkmale herausfiltern, musste jedoch feststellen, dass sich kaum Unterschiede zu den Vereinigten Staaten finden lassen.

Bei der Frage, inwieweit sich die kanadische Kinolandschaft nun von der US-amerikanischen unterscheidet, waren sich die Vortragenden einig, dass sich der kanadische Film hauptsächlich durch seine regionale Vielfalt auszeichnet. So sind zum Beispiel die Eigenproduktionen der Quebecer Filmindustrie immer wieder sehr erfolgreich und können sich auch mit den Einspielzahlen der Hollywood-Filme messen, wie die beiden Vortragenden aus Montreal, Germain Lacasse und Christian Poirier, verdeutlichten.

Abgerundet wurde das Programm des Symposiums mit mehreren Fallstudien zu kanadischen Filmen und Regisseuren. Sabine Schrader und Daniel Winkler von der Universität Innsbruck stellten den Film Mambo italiano vor, der im italienischen Viertel in Montreal spielt. Daniel Illger von der Freien Universität Berlin sprach über das Werk des bekannten kanadischen Regisseurs David Cronenberg in den 1970ern und Christian Quendler von der Universität Innsbruck analysierte Dennis Hoppers in den 1980ern erfolgreichen kanadischen Film Out of the Blue.

Die hochkarätigen Vorträge, die auch zu vielen sehr konstruktiven Diskussionen führten, werden unter der Leitung von Ursula Moser und Manjunath Pendakur in einem Tagungsband zusammengefasst, der innerhalb eines Jahres erscheinen soll.

(Katharina Pöllmann)