Wissenschaftspreis für Universitätsrätin Eva Kreisky

Ende März wurde im Nationalrat der Margaretha-Lupac-Wissenschaftspreis überreicht. Ausgezeichnet wurde dieses Mal auch Eva Kreisky, Universitätsrätin der Uni Innsbruck, für Forschungsprojekte zu den Zusammenhängen zwischen Parlamentarismus, Demokratieentwicklung und jüdischer politischer Repräsentation und Partizipation in Österreich.
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Bild: Nationalratspräsidentin Barbara Prammer, Preisträgerin Eva Kreisky, Vorsitzender der Jury Manfried Welan, Verfassungsgerichtshofvizepräsidentin Brigitte Bierlein und Jurymitglied Sonja Puntscher-Riekmann. (Foto: Parlamentsdirektion/Bildagentur Zolles KG/Mike Ranz)

Am 26. März überreichte Nationalratspräsidenten Barbara Prammer den Wissenschaftspreis 2011 der Margaretha-Lupac-Stiftung im Parlament. Dieser Preis wird alle zwei Jahre an herausragende Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler vergeben und ist mit insgesamt 15.000 Euro dotiert; diese Summe kann auf bis zu drei Preisträgerinnen bzw. Preisträger aufgeteilt werden. Der Wissenschaftspreis wurde 2011 bereits zum vierten Mal verliehen.

Jüdische politische Repräsentation

Dieses Jahr wurde unter anderem die Politikwissenschaftlerin Prof. Eva Kreisky, Universitätsrätin der Universität Innsbruck und Vizedekanin der Fakultät für Sozialwissenschaften an der Universität Wien, gemeinsam mit Nachwuchsforscher Matthias Falter und Nachwuchsforscherin Saskia Stachowitsch ausgezeichnet. Die drei haben seit 2007 mehrere Forschungsprojekte zu den Zusammenhängen zwischen Parlamentarismus, Demokratieentwicklung und jüdischer politischer Repräsentation und Partizipation in Österreich durchgeführt. Thema der Untersuchungen waren daher auch die Transformationen von Antisemitismus als politische Strategie im parlamentarischen Diskurs und seine Bedeutung als antiparlamentarische Ideologie. Die Projektplattform „Jüdische Repräsentation und Antisemitismus im österreichischen Parlament, 1861-1938“ wird von der Jury unter dem Vorsitz von em. Univ.-Prof. Dr. Manfried Welan als Pionierarbeit gesehen, da damit erstmalig eine intensive Auseinandersetzung mit dem Thema der jüdischen Abgeordneten und ihrem Wirken in die Tat umgesetzt wurde. Die Ergebnisse dieser Forschung werden die Basis für weitere wissenschaftliche Arbeiten darstellen. Die Daten der Abgeordneten sind auf der Website des Parlaments bereits verfügbar. Es handelt sich dabei um „work in progress“, da neue Erkenntnisse immer wieder einfließen und weitere Projekte zu Antisemitismus und Parlamentarismusentwicklung nach 1945 folgen sollen.

Bildungspsychologie

Die zweite Preisträgerin ist die Wiener Psychologin Prof. Christiane Spiel, die den Wissenschaftspreis für ihr wissenschaftliches Gesamtwerk erhalten hat. Sie und ihr Team arbeiten insbesondere intensiv zu den Themenfeldern der Gewaltprävention in Schulen und Kindergärten, der Integration von MigrantInnen in multikulturellen Schulen und der Förderung von Geschlechtergerechtigkeit. Sie etablierte den Fachbereich Bildungspsychologie als wissenschaftliche Disziplin und konzipierte ein Strukturmodell, das Bildungskarriere und Lebenslanges Lernen in den Mittelpunkt stellt. Der zweite Forschungsschwerpunkt liegt im Bereich Evaluation und Qualitätsmanagement. In diesem Zusammenhang führte sie Auftragsprojekte der Rektorenkonferenz durch, die sich mit dem Hochschulzugang, Auswahlverfahren sowie der Anerkennung non-formaler und informeller Lernerfahrungen auseinandersetzen.

Margaretha Lupac

Margaretha Lupac, geboren am 28. April 1910 in Wien, war während des Zweiten Weltkriegs als Rot-Kreuz-Helferin und Sachbearbeiterin für wehrwirtschaftliche Angelegenheiten tätig. Ihre damaligen Erlebnisse, aber auch das soziale Elend, die Arbeitslosigkeit und die wirtschaftliche Not in der Ersten Republik haben aus ihr eine außergewöhnliche Patriotin gemacht, die Leopold Figls Appell vom „Glauben an dieses Österreich“ zum Lebensmotto erhob. Lupac arbeitete zwischen 1949 bis zu ihrer Pensionierung 1973 als Inkassantin im Österreichischen Wirtschaftsverlag. Nach ihrem Tod im Februar 1999 vermachte sie ihr gesamtes Vermögen in der Höhe von rund 1,5 Millionen Euro der Republik Österreich für Zwecke des Parlaments. Auf Basis dieses Vermögens wurde im Jahr 2001 beim Nationalrat die Margaretha Lupac-Stiftung für Parlamentarismus und Demokratie eingerichtet. Sie vergibt seit dem Jahr 2004 abwechselnd einen Demokratiepreis und einen Wissenschaftspreis, die mit jeweils 15.000 € dotiert sind.

(red)