Im Beisein des Bundespräsidenten promoviert

Sechs Doktorandinnen und Doktoranden der Universität Innsbruck wurden heute, Freitag, im Beisein von Bundespräsident Dr. Heinz Fischer promoviert: Ingrid Blumthaler, Alexander Eberharter, Heike Ortner, Nicola Pehböck-Walser, Bernhard Schmelzer und Harald Schöbel.
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Bild: Die Promovierten gemeinsam mit Bundespräsident Heinz Fischer und Gattin, Landtagspräsident Herwig van Staa, Bürgermeisterin Christine Oppitz-Plörer und Rektor Tilmann Märk.

Sie haben alle Oberstufenklassen, die Matura, das Studium sowie das Doktorat mit sehr gutem Erfolg beziehungsweise mit Auszeichnung abgeschlossen. Es handelt sich um die höchstmögliche Auszeichnung von Studienleistungen in Österreich. Dies betonte auch Rektor Tilmann Märk in seiner Begrüßung der zahlreich erschienen Festgäste - unter ihnen Landtagspräsident Herwig van Staa und Bürgermeisterin Christine Christine Oppitz-Plörer. Märk wies darauf hin, dass es eine der sub-auspiciis-Promotion vergleichbare Auszeichnung bereits bei der Gründung der Universitäten gegen Ende des Mittelalters, die erste nachweisbare "Promotio sub auspiciis Imperatoris" schließlich 1625 unter Kaiser Ferdinand II gab. Das Bundesgesetz über die Verleihung des Doktorats unter den Auspizien des Bundespräsidenten wurde vor 60 Jahren, am 5. März 1952, geschaffen. Die erste Verleihung fand an der Universität Innsbruck unter den Auspizien von Theodor Körner Ende 1952 statt. Mittlerweile haben über 1.000 Promotionen unter den Auspizien des Bundespräsidenten stattgefunden.
Nach der Vorstellung der Kandidatinnen und Kandidaten und deren Gelöbnis überreichte ihnen der jeweils zuständige Promotionsdekan die Promotionsurkunde. Bundespräsident Heinz Fischer übergab dann den Ehrenring, der als sichtbares Zeichen dieser hochrangigen Auszeichnung getragen werden kann. Im Namen aller sechs neuen Doktorinnen und Doktoren sprach die Germanistin Heike Ortner zum Abschluss der Veranstaltung Dankesworte, in denen sie sich auf ein wenig bekanntes Prosastück Franz Kafkas bezog: Fürsprecher. Das Bild des Fürsprechers nutzte sie für einen gemeinsamen Rück- und Ausblick, in dem der Dank der Promovierten an alle Unterstützerinnen und Unterstützer zum Ausdruck kam.

Die unter den Auspizien des Bundespräsidenten Promovierten:

Ingrid Blumthaler, geboren 1984 in Rum und aufgewachsen in Seefeld, studierte Technische Mathematik an der Universität Innsbruck. Nach einem Auslandsaufenthalt an der Universität Bergen in Norwegen schloss sie das Diplomstudium 2008 ab. 2011 erfolgte der Abschluss des Doktoratsstudiums für Technische Mathematik. 2010 arbeitete sie als Universitätsassistentin am Institut für Mathematik, seither arbeitet sie an einem FWF-Forschungsprojekt mit.
In der Dissertation der Mathematikerin werden Systeme betrachtet, die durch eine Menge von Gleichungen, etwa Differentialgleichungen, gegeben sind. Eine typische Frage der Systemtheorie ist, ob aus der Kenntnis einiger Komponenten des Systems Schätzungen für weitere Komponenten berechnet werden können. Dieses sogenannte Beobachterproblem sowie das Problem der Stabilisierung und Steuerung von Systemen durch Verknüpfung mit einem Kontrollsystem werden mit neuen algebraischen Methoden behandelt.

Alexander Eberharter, geboren 1972 in Schwaz, studierte in Innsbruck und Nottingham. 2004 schloss er an der Universität Innsbruck das Diplomstudium für Philosophie in Kombination mit Deutscher Philologie mit Auszeichnung ab, 2011 das Doktoratsstudium für Philosophie. Zwischen 2000 und 2006 organisierte er den interdisziplinären Wahlfachstudiengang "Wissensorganisation" an der Geisteswissenschaftlichen Fakultät der Universität Innsbruck.
In seiner Dissertation untersucht der Philosoph - vor dem Hintergrund eines neuen, antihumanistischen Verständnisses ethisch-politischer Subjektivität - die Struktur von Entscheidungen, die zu tief greifenden Wandlungen führen. Dabei zeigt sich, dass es beim ethischen Akt-Ereignis der Entscheidung nicht auf den Konsens über moralische Inhalte (Rechte und Pflichten, Gebote und Verbote) ankommt, sondern auf die Bejahung einer der konkreten Situation eingeschriebenen Leere, die dadurch zum Ausgangspunkt radikaler Veränderung wird. Sowohl Lacans Ethik der Sublimierung als auch Badious Ethik der Wahrheiten lassen sich als Versuche begreifen, die Möglichkeit revolutionären Wandels auszuloten und an die Erfahrung der Leere zu binden. Žižek nimmt in seiner Konzeption radikaler politischer Praxis beide Ansätze auf, legt aber den Akzent auf das lacansche Reale der Leere und des Exzesses, das er bei Badiou letztlich durch die Wahrheit als Idee des Guten verraten sieht.

Heike Ortner, geboren 1979 in Judenburg (Steiermark), studierte Deutsche Philologie und Angewandte Sprachwissenschaft an der Universität Graz. Das Doktoratsstudium der Deutschen Philologie schloss sie 2011 an der Universität Innsbruck ab. Seit 2004 arbeitet sie als selbstständige Lektorin und seit 2007 am Institut für Germanistik der Universität Innsbruck, zunächst als Wissenschaftliche Mitarbeiterin und seit dem Vorjahr als Universitätsassistentin im Fachbereich Germanistische Linguistik.
Die Germanistin untersucht in ihrer Dissertation, wie Emotionen in Texten beschrieben und ausgedrückt werden. Dabei berücksichtigt sie interdisziplinäre Forschungsergebnisse, da die sprachliche Vermittlung von Emotionen mit kognitiven, historischen, sozialen und sprachsystematischen Faktoren zusammenhängt. Es wird eine Methode zur Analyse von Emotivität in Texten entwickelt und auf verschiedene Textsorten angewendet: Untersucht werden Briefe von Franz Kafka, Presseartikel und Twitter-Tweets.

Nicola Pehböck-Walser, geboren 1984 in Feldkirch (Vorarlberg), absolvierte das Diplomstudium für Psychologie an der Universität Innsbruck, das sie 2007 erfolgreich abschloss. Von 2005 bis 2009 studierte sie katholische Religionspädagogik und absolvierte das Psychotherapeutische Propädeutikum. Anfang dieses Jahres schloss Nicola Pehböck-Walser schließlich das Doktoratsstudium für Psychologie ab. Seit vier Jahren arbeitet sie an der Innsbrucker Universitätsklinik, zunächst an der neurologischen Klinik und seit 2010 an der Kinderklinik.
Die Psychologin untersucht in ihrer Dissertation zwei Instrumente für die Vorhersage der frühkindlichen Entwicklung: einen Entwicklungstest (BSID-II) sowie einen Intelligenztest (WPPSI-III). Grundlage für die Analyse der Vorhersagequalität dieser Tests ist die mehrjährige Beobachtung von 70 Frühgeborenen, die vor der 32 Schwangerschaftswoche zur Welt kamen. Zudem zielt ihre Studie darauf ab, Risiko- und Schutzfaktoren auf medizinischer Seite und in der Umwelt zu identifizieren, um neue Ansatzpunkte in der Betreuung und Förderung der Frühgeborenen herauszuarbeiten.

Bernhard Schmelzer, geboren 1982 in Innsbruck, studierte Technische Mathematik an der Universität Innsbruck. Das Diplomstudium schloss er 2007, das Doktoratsstudium 2011 mit Auszeichnung ab. Seit 2007 ist er wissenschaftlicher Mitarbeiter des Arbeitsbereichs Technische Mathematik am Institut für Grundlagen der Bauingenieurwissenschaften der Universität Innsbruck.
Bernhard Schmelzer betrachtet in seiner Dissertation dynamische Systeme unter stochastischer Anregung und Parameterunsicherheit. Er hat eine mathematische Theorie entwickelt, die es ermöglicht, in stochastischen Differentialgleichungen zufällige Intervalle zur Modellierung der unsicheren Parameter zu verwenden. Das Konzept hat er unter anderem angewendet, um Aussagen über die Effizienz von Schwingungstilgern (Geräte zur Reduktion von durch Erdbeben verursachten Schwingungen) zu treffen.

Harald Schöbel, geboren 1982 in Zams und aufgewachsen in Imst, absolvierte nach dem Besuch der HTL Fulpmes das Physikstudium an der Universität Innsbruck. Er schloss 2007 das Diplomstudium und 2011 das Doktoratsstudium jeweils mit Auszeichnung ab. Daneben studierte er Volkswirtschaftslehre an der Universität Innsbruck und absolvierte einen sechsmonatigen Forschungsaufenthalt an der Johns Hopkins Universtity in Baltimore, USA. Nach dem Studium arbeitete er ein halbes Jahr als Postdoc am Institut für Ionenphysik und Angewandte Physik. Seit Herbst 2011 beschäftigt er sich als wissenschaftlicher Mitarbeiter eines Tiroler Unternehmens mit der Entwicklung optischer Komponenten für LED Anwendungen.
In seiner Dissertation berichtet Harald Schöbel über einen neuartigen Ionisierungsmechanismus in ultrakalten Helium Nanotröpfchen. Dabei wird schrittweise die interne Energie von angeregten Atomen an das Probeteilchen transferiert und somit mehrfach geladene Komplexe erzeugt. Mit diesem neu entdeckten Mechanismus können Ionen generiert werden, welche sonst energetisch nicht möglich wären. Dieser Prozess ist auf andere Systeme erweiterbar und ein Einfluss in biologischen Systemen bei Strahlungsschäden ist denkbar.