Soziologe Frank Welz zum Vize-Präsidenten der ESA gewählt

Frank Welz von der Universität Innsbruck wurde zum Vize-Präsidenten der European Sociological Association (ESA) gewählt. Sie ist die Dachorganisation aller Soziologie-Fachverbände in Europa, gleichzeitig gehören ihr 1800 Einzelmitglieder an. Die ESA organisiert Forschungsgruppen, Kongresse und Publikationen.
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Bild: Frank Welz ist neuer Vize-Präsident der ESA.

Ihren ersten Kongress führte die ESA 1992 in Wien durch. Während damals knapp über 600 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler teilnahmen, kommen zu den heutigen ESA-Konferenzen bereits fast 3000 Teilnehmer. Tendenz: steigend. Durch die europaweite Einführung der quantitativen Leistungsbemessung an den Universitäten sind mehr und mehr alle Mitglieder der Scientific Community angehalten, auch international zu agieren und zu publizieren. Eine Teilnahme an einem der 35 Forschungsnetzwerke der Organisation – von „Ageing in Europe“ bis „Women’s and Gender Studies“ – und insbesondere auf Kongressen ist daher für viele eine wichtige Notwendigkeit.

Europäische Wissenschaft oder europäische Wissenschaften?

Wissenschaft ist universal. Sie war das früheste „Weltsystem“. Dennoch wirken in den Wissenschaften um den Menschen immer noch sehr stark nationale Traditionen der Ausbildung und Forschung. Nicht nur den Muttersprachen nach wird da oft in verschiedenen „Sprachen“ gesprochen. Daher ist es eine wichtige Aufgabe der ESA, den vielen partikularen Entwicklungen ein gemeinsames Forum zu schaffen. Eine Schwierigkeit dabei ist, dass einerseits in Bezug auf die Schlüsselstellen im Verband und in der akademischen Außendarstellung, z.B. für Einladungen als Keynote Speakers, FachvertreterInnen von der Insel, native speakers, überproportional nachgefragt sind, während andererseits in kleinen Ländern – noch nicht so stark im deutschsprachigen Raum – ein Druck entsteht, selbst die soziologische Eigenbeobachtung der eigenen Gesellschaft abseits derselben, extern und in englischer Sprache zu publizieren.

Soziologie aus Österreich

Dass nun Wissenschaftler oder Wissenschaftlerinnen aus kleineren Fachverbänden in den Vorstand der Organisation gewählt werden, ist statistisch wenig wahrscheinlich. Schließlich wirken bei solchen europäischen Wahlen zwei mächtige Prinzipien: das Prinzip der Größe – und hier liegen UK, Deutschland, Italien, Portugal, Russland (in dieser Reihenfolge) ganz vorne mit hohen Teilnahmezahlen – sowie das Unterstützungsprinzip à la Eurovision Song Contest

Dass Ass.-Prof. Frank Welz vom Institut für Soziologie gleichwohl zunächst seitens der Mitglieder in den Vorstand und dann dort zum Vizepräsidenten der ESA gewählt wurde, basiert sicherlich auf einem anderen Hintergrund. „Von 2007 bis 2011 leitete ich die ESA-Sektion Soziologische Theorie, die eine der aktivsten und mitgliederstärksten Teilgruppen der Organisation ist“, erläutert Welz. Im Vorstand selbst ist er nun leitend mit der Ausrichtung des wissenschaftlichen Programms sowie als Teammitglied mit der Finanzaufsicht und der Koordination der Fachsektionen betraut.

(red)