Motivation durch Beziehung

Auf Einladung der Institute für Praktische und Systematische Theologie sowie der KPH Edith Stein sprach der renommierte Neurobiologe, Arzt und Psychotherapeut Prof. Joachim Bauer am 30. Januar 2012 im Kaiser-Leopold-Saal zu ca. 300 interessierten Zuhörerinnen und Zuhörern zum Thema „Kinder und Jugendliche erreichen – Motivation stärken. Schule und Erziehung aus Sicht der Hirnforschung.“
blog_vortrag_theologie.jpg
Bild: Der Vortrag von Prof. Joachim Bauer am 31. Januar war sehr gut besucht.

„Motivation ist nicht nur ein subjektiv erlebtes Gefühl, sondern hat eine biologische Ursache“. Diese These stellte Prof. Bauer an den Beginn seiner Ausführungen. Anhand neurobiologischer Studien konnte nachgewiesen werden, dass Kinder, denen man nichts zutraut, auch keine Leistungen erbringen, obwohl in ihnen Potential vorhanden wäre. Durch die persönliche Zuwendung zwischen Eltern und Kindern bzw. zwischen Lehrern und Schülern wird der für das Motivationssystem wichtige Botenstoff-Cocktail aus Dopamin (Energiedroge), Opioide (die Wohlfühlbotenstoffe) und Oxytocin (das Vertrauens- und Kooperationshormon) entfaltet.

Bereits ein freundlicher Blickkontakt reiche – so Bauer – aus, um eine vertrauensvolle, neuronale Aktivierung zu bewirken. Diese Vorgänge können auch durch bildgebende Verfahren beobachtet werden: in dem ein Mensch motiviert wird, lassen sich die positiven Auswirkungen im Mittelhirn feststellen. Umgekehrt kann nachgewiesen werden, dass durch soziale Ausgrenzung oder Demütigung von Kindern und Jugendlichen die Stresssysteme im Gehirn aktiviert werden. Die Folge davon sind Angst, Depression und vor allem Aggression. In diesem Zusammenhang rekurrierte Bauer auf die interessante Entdeckung der amerikanischen Hirnforscherin Naomi Eisenberger, die nachgewiesen hat, dass bei sozialer Ausgrenzung dasselbe Zentrum im Gehirn aktiv wird, in dem sich auch körperlicher Schmerz zeigt.

In den Erkenntnissen von Joachim Bauer lassen sich sowohl für Pädagogen/Pädagoginnen als auch für Theologen/Theologinnen viele Anknüpfungspunkte zum weiter Denken finden!

(Alexander van Dellen)