Reina Roffé zu Gast in Innsbruck

Reina Roffé ist eine mehrfach ausgezeichnete Schriftstellerin und Journalistin. Ihre Romane, Erzählungen und Essays sind gesellschaftskritisch aufgebaut mit dem Ziel ihr Publikum zum eigenständigen Denken anzuregen. Am 9. Jänner 2012 hielt sie auf Einladung des Zentrums für Interamerikanische Studien eine Lesung im historischen Claudiasaal.
Foto v.l.: A. Paulus, E. Grabner-Niel, R. Roffé, U. Moser, Y. Melgar-Pernias, G. Grabher, B. Tasser
Bild: Foto v.l.: A. Paulus, E. Grabner-Niel, R. Roffé, U. Moser, Y. Melgar-Pernias, G. Grabher, B. Tasser

Reina Roffés Werke sind nicht auf Kommerz ausgelegt, denn sie hat ihren eigenen poetischen Stil. Es geht ihr nicht um große Heldentaten und spektakuläre Höhepunkte, vielmehr versucht sie die Gefühle und Ängste ihrer unscheinbaren Hauptcharaktere festzuhalten.

Ihre feine Feder kündigte sich bereits in ihrem Debütroman Llamado al Puf an, welchen sie im Alter von nur 17 Jahren verfasste. Mit einem Schlag wurde sie in Argentinien bekannt, ja Kritiker gingen sogar soweit, sie mit der französischen Bestsellerautorin Françoise Sagan zu vergleichen, die ebenfalls in sehr jungen Jahren ihren literarischen Durchbruch hatte. Der Roman, in dem eine junge Frau vom Leben innerhalb der Familie und von der argentinischen Gesellschaft der 1970er Jahre erzählt, bringt den Ärger der Autorin zum Ausdruck, die sich wie die Protagonistin selbst als eine Unterdrückte erlebt. Einer Neuauflage des Jugendromans steht Reina Roffé freilich skeptisch gegenüber, da sie sich heute nicht mehr mit ihrem damaligen Ich identifizieren kann.

Diese und ähnliche Hintergrundinformationen zu ihrem literarischen Schaffen verriet die Autorin den Studierenden der Ringvorlesung FrauenWeltLiteratur im persönlichen Gespräch. Am 9. Jänner 2012 besuchte sie Innsbruck, um im Rahmen der Ringvorlesung aus ihren Werken zu lesen und mit dem Publikum zu diskutieren. Als Text hatte sie die Kurzgeschichte „Aves exoticas“ ausgewählt, in der ein Kind den inneren Kampf der Tante Reche nachempfindet, die sich in ihrer Familie unsichtbar fühlt. Sie steht vor der schwierigen Entscheidung, in ihrer Familie - und damit unsichtbar - zu bleiben oder aber alle vertrauten Bande aufzubrechen und ihr Glück unter Fremden zu suchen.

Reina Roffé zeichnet sich durch einen ganz besonderen Schreibstil aus, der für jeden Leser und jede Leserin eine Bereicherung darstellt. Zudem lernten sie die Studierenden der Ringvorlesung als einzigartige Persönlichkeit kennen, die nicht nur überaus gebildet ist, sondern vor allem auch sehr herzlich sein kann.

(Kerstin Pann, Gloria Tauber)