Lebensqualität im Alpenraum – Jugendliche erforschen die eigene Zukunft

Im Dezember vergangenen Jahres fand an der Universität Innsbruck ein Workshop für Jugendliche zum Thema „Lebensqualität im Alpenraum“ statt. Ein zweijähriges Forschungsprojekt in Zusammenarbeit mit vier Schulen aus Österreich, Italien und der Schweiz soll Jugendliche dazu anregen, sich mit der sozialen, ökonomischen und ökologischen Zukunft auseinanderzusetzen.
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Bild: Die Nähe zu Bergen macht für viele Menschen in Gebirgsregionen einen wichtigen Teil ihrer Lebensqualität aus. (Bild: Lars Keller)

Die Lebensqualität Jugendlicher wurde bisher so gut wie nie wissenschaftlich untersucht. Deshalb riefen Innsbrucker Geographen in Zusammenarbeit mit Schulen im Alpenraum die Projekte „LIFE eQuality – Jugendliche erforschen Lebensqualität“ und „LQ4U“ ins Leben. Im Zeitraum von jeweils insgesamt zwei Jahren betrachten Jugendliche aus Nord- und Südtirol, Bayern und Graubünden verschiedenste Dimensionen von Lebensqualität, wie beispielsweise naturräumliche oder soziokulturelle Aspekte. Mithilfe ihrer Lehrerinnen und Lehrer und den Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern der Universität Innsbruck erarbeiten sie Forschungsfragen und entwickeln gemeinsam Lösungsansätze. Am 20. Dezember 2011 fand in der Aula der Universität ein ganztägiger Workshop zum Projekt statt. Am Vormittag ermöglichten 20-minütige Impulsvorträge von namhaften Forschern den über 120 anwesenden Jugendlichen, neue Einblicke in die vielseitigen Aspekte des Lebens in Gebirgsräumen zu bekommen und Fragen an die Experten zu richten.

Nachhaltigkeit im Zentrum

Dr. Johann Stötter vom Institut für Geographie appellierte an die Schülerinnen und Schüler: „Das 21. Jahrhundert wird ein Jahrhundert der Anpassung sein. Das ist eure Zeit!“ In seinem Vortrag über Lebensqualität und Nachhaltigkeit betonte er, wie stark sich globale Prozesse wie der Klimawandel auf regionaler Ebene auswirken. Dr. Axel Borsdorf referierte im Anschluss über die Lebensqualität in Gebirgsräumen, indem er vor allem die Motive der Menschen beleuchtete, die in Gebirgsräume ziehen oder sie wieder verlassen. Dabei ging er vor allem auf die Studie von Lars Keller – Projektleiter von „LIFE eQuality?“ und „LQ4U“ – ein, derzufolge die Lebensqualität vor allem durch die unterschiedliche Wahrnehmung jedes einzelnen (abhängig beispielweise vom Alter, dem Geschlecht oder Beruf) und durch die subjektive Bewertung einzelner Faktoren abhängt. „Ob ein Wohngebiet lebenswert ist, kann man nicht pauschal beantworten. Zum Beispiel werden ein Pensionist und eine Schichtarbeiterin eine nahe gelegene Disko völlig unterschiedlich bewerten“, nennt Axel Borsdorf ein Beispiel.

Im Austausch mit den Projektgruppen der anderen Schulen konnten die Jugendlichen schließlich gemeinsam an Problemstellungen arbeiten, wie zum Beispiel an den Fragen „Wie kann man behinderte Jugendliche unterstützen und ihre Lebensqualität verbessern?“ oder „Was sind die Konsequenzen des Wintersports auf die Natur?“. Im gesamten Projektverlauf stehen die Jugendlichen im Mittelpunkt. „Es geht um die Lebensqualität aus der Sicht der jungen Generation im regionalen Vergleich “, erklärt Alexander Schober, der maßgeblich am Projekt beteiligt ist. „LQ4U hat dagegen die Entwicklung von Zukunftsvisionen zum Nachhaltigkeitsziel Lebensqualität zum Ziel“, beschreibt Anna Oberrauch ihr Projekt.

(Sophia Gabrielli)