Ein Tag im Zeichen der Wasserkraft

Am 24. November fand im großen Hörsaal der Baufakultät ein gut besuchtes Seminar des Österreichischen Wasser- und Abfallwirtschaftsverbandes (ÖWAV) zu Speicher- und Pumpspeicherkraftwerken statt. Am Abend desselben Tages luden die Fakultäten für Bauingenieurwissenschaften und Biologie zu einer hochkarätigen Podiumsdiskussion zum Thema Wasserkraftausbau ein.
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Bild: Die Podiumsdiskussion über den Wasserkraftaufausbau in den Alpen wurde von Repräsentanten aus Wissenschaft, Politik, Wirtschaft und NGOs bestritten. Entsprechend zahlreich war auch das interessierte Publikum.

Das Thema war hoch aktuell! Zum ÖWAV-Seminar „Speicher- und Pumpspeicherkraftwerke“ kamen am 24. November 2011 etwa 230 interessierte Fachleute im großen Hörsaal auf dem Technikareal der Universität Innsbruck zusammen. Tirol ist ein Land der Wasserkraft. Die Tiroler Wasserkraftwerke AG (TIWAG) plant derzeit unter anderem das Speicherkraftwerk Kühtai und den Ausbau des Kraftwerkes Kaunertal. Hier sollen zukünftig neben einer jährlichen zusätzlichen Energieproduktion von knapp 840 GWh/a Pumpspeicherleistungen mit deutlich über 500 MW bereit gestellt werden. Die öffentliche Verwaltung des Landes Tirol bereitet sich unter anderem mit einem eigenen Kriterienkatalog auf die anstehenden Genehmigungsverfahren vor (Vortragsblock 1). Im Rahmen dieser Rechtsverfahren kommt es sowohl auf eine fachlich fundierte Ausarbeitung der Unterlagen als auch auf die frühzeitige und verbindliche Kommunikation mit den Beteiligten und Betroffenen an (Vortragsblock 2). Der zunehmende Anteil volatiler regenerativer Energien an der Stromerzeugung bedingt, dass Regelung und Speicherung von zentraler Bedeutung sein werden. Gerade der Alpenraum wird hier aufgrund der günstigen naturräumlichen Voraussetzungen eine zentrale Funktion übernehmen. Einige Pumpspeicherprojekte sind derzeit im Bau (Nant de Drance, 900 NW), andere werden geplant (Atdorf 1400 MW, Riedl 300 MW, Bernegger 300 MW). Diese Projekte wurden vorgestellt und innovative technische Lösungen beschrieben (Vortragsblock 3). Das Seminar fand einen geselligen Ausgang im Labor des Arbeitsbereiches Wasserbau der Universität Innsbruck – inmitten aktueller Versuchsaufbauten zur großen und kleinen Wasserkraft.

Podiumsdiskussion „Wasserkraftausbau - Ja! Nein! Vielleicht? Jetzt? Später?“

In Tirol befinden sich große Wasserkraftprojekte in der Planung. Ebenso sind eine Vielzahl kleinerer Vorhaben im Genehmigungsverfahren oder in Vorbereitung. Die beiden größten Vorhaben der Tiroler Wasserkraftwerke AG (TIWAG) sollen zukünftig sowohl einen Beitrag zur Energieproduktion leisten als auch durch erhebliche Pumpspeicherleistungen zur Regelung und Speicherung volatiler Energieeinspeisungen beitragen. Zur Realisierung der Projekte werden unter anderem Wasserableitungen aus dem Ötztal und dem Stubaital sowie der Bau von zwei hohen Staudämmen notwendig.
Diese Projekte werden in Tirol kontrovers diskutiert. Die Fakultäten für Bauingenieurwissenschaften und Biologie der Universität Innsbruck boten am Abend des 24. Novembers 2011 im Rahmen einer öffentlichen Podiumsdiskussion ein Forum für den Austausch von Argumenten und Ansichten. Neben elf Vertretern von Politik, Energiewirtschaft, Umweltverbänden und Wissenschaft waren die über 400 Menschen im Publikum zur Mitwirkung aufgefordert.
Die Standpunkte und Einschätzungen waren erwartungsgemäß konträr. Die bisherigen Erfahrungen in den Genehmigungsverfahren wurden seitens einiger Betroffener und den auf den Seiten der öffentlichen Verwaltung Verantwortlichen sehr unterschiedlich artikuliert. Einig waren sich alle darin, dass die Stromzukunft regenerativ sein muss, sehr unterschiedlich wurden die Einschätzungen, sobald sich die Diskussion um konkrete Standorte drehte.
Natürlich konnte kein einvernehmliches Ergebnis gefunden werden. Die Presseberichte titelte mit „Konsens bei Wasserkraft“ und „Heftiger Schlagabtausch“. Beide Wahrnehmungen sind richtig und zeigen wie schwierig, vielschichtig und wichtig die aktuelle Wasserkraftdiskussion ist.

(Markus Aufleger)