Preis für Frauen-/geschlechtsspezifische Forschung vergeben

Die 11. Verleihung des Preises für frauen-/geschlechtsspezifische Forschung an der Uni Innsbruck fand am 5. Dezember in feierlichem Rahmen statt. Die Vizerektorin für Lehre und Studierende, Prof. Margret Friedrich, Historikerin und Geschlechterforscherin, überreichte die Urkunde an Mag.a Doris Andrea Kainzner, die am Institut für Germanistik ihre akademische Abschlussarbeit verfasste.
Doris Kainzner
Bild: Doris Kainzner darf sich heuer über den Preis für Frauen-/geschlechtsspezifische Forschung freuen.

Den mit 3000 Euro dotierten Preis für Frauen-/geschlechtsspezifische Forschung an der Universität Innsbruck erhält heuer Mag.a Doris Kainzner für ihre wissenschaftliche Arbeit mit dem Titel: „Ich bin des Witzes liebe Tochter. Friedricke Helene Ungers Bekenntnisse einer schönen Seele. Von ihr selbst geschrieben als ein satirisches Durchqueren der großen Meister.“
Friederike Helene Unger, Schriftstellerin, Übersetzerin und Verlegerin im Berlin des ausgehenden 18./beginnenden 19. Jahrhunderts, spielte im Literaturbetrieb Deutschlands eine bedeutende Rolle. In ihren Bekenntnisromanen lässt sie die Kunstfigur „Mirabella“ in einen Dialog mit den ästhetischen Vorstellungen und den Weiblichkeitsentwürfen ihrer Zeit treten. Unger dekonstruiert anhand zahlreicher Beispiele auf subtile, parodistische und satirische Weise die patriarchalen Muster der „großen Meister“ ihrer Zeit. Sie enttarnt die patriarchalischen Strukturen u.a. in Goethes Wilhelm Meister oder Friedrich Schlegels Lucinde. Ihr Konzept einer weiblichen Subjektivität ist auf Selbstbestimmung gerichtet.
Mag.a Doris Kainzner lenkt in der vorgelegten Arbeit den Blick auf eine bisher wenig untersuchte Autorin, dies gelingt ihr auf sehr originelle und wissenschaftlich äußerst aktuelle Weise, wobei sie sich stark auf die feministische Literaturforschung stützt. Ihre Kritik gilt dem Genie-Kult der Romantik, in dem Frauen nur die Rolle der ‚schönen Seele‘ zugewiesen wurde.

Die Preisträgerin

Mag.a Doris Andrea Kainzner ist im Zillertal aufgewachsen. Nach dem Abschluss der HTL Trenkwalderstraße II in Innsbruck legte sie die Externistenprüfung für ein angestrebtes Medizinstudium ab, entschloss sich aber dann für das Lehramt für Deutsch und Geschichte, Sozialkunde und Politische Bildung, das sie 2011 abschloss. 2002 erhielt sie ein Stipendium aus der „Richard & Emmy Bahr-Stiftung“. Sie hat 2 Kinder.

Anerkennungspreise

Weiters wurden zwei Anerkennungspreise zur Publikationsförderung vom Vizerektor für Forschung, Univ.Prof. Dr. Dr. h.c. mult. Tilmann Märk zur Verfügung gestellt:

  • Kristin Balassa (Politikwissenschaft) „Vereinbarkeit von Beruf und Familie in Österreich und Schweden unter aktuellen familienpolitischen Maßnahmen.
  • Alicia Dueck (ULG Peace. Security, Development and International Conflict Transformation) “Negotiating Sexual Identities: Lesbian, Gay, and Queer Perspectives on Being Mennonite”.

„Sehr preiswürdige“ Arbeiten

Für den Preis 2011 wurden insgesamt 17 Abschlussarbeiten eingereicht (13 Diplomarbeiten, 3 Dissertationen, eine Masterarbeit), die in folgenden Fachbereichen geschrieben wurden: Sprachen und Literatur, Rechtswissenchaft, Politikwissenschaft, Geschichte, Erziehungswissenschaft, Architektur, Biologie und den Wirtschaftswissenschaften. Dieses Jahr war die Entscheidung für die Jury besonders schwer, denn acht der eingereichten Arbeiten erreichten den Score von „Sehr preiswürdig“. Die Preishöhe beträgt Euro 3.000,00.

(Elisabeth Grabner-Niel)