Innsbruck Neuroscience Colloquium 2011: Neues aus den Neurowissenschaften

Ende November veranstalteten die Neurowissenschaftler beider Innsbrucker Universitäten das „Innsbruck Neuroscience Colloquium“ als gemeinsames Minisymposium. Vier internationale Experten und Expertinnen informierten über neue Erkenntnisse im Bereich der molekularen Neuropathologie chronischer Erkrankungen des zentralen Nervensystems.
blog_innsbruck_neuroscience_colloquium.jpg
Bild: Prof. Werner Poewe (Neurologie, Medizinische Universität Innsbruck) verdeutlichte in seinem Einleitungsreferat die Häufigkeit und den hohen sozioökonomischen Impact chronischer Erkrankungen des Zentralnervensystems.

Die Veranstaltung fand unter der Schirmherrschaft der FWF-geförderten Exzellenzprogrammen beider Innsbrucker Universitäten statt, allem voran dem vor kurzem bewilligten SFB-F44 „Cell signaling in chronic CNS disorders“, dessen Inaugurationsveranstaltung dies war. „Dieses Symposium soll auch als Zeichen dafür dienen, dass der Spezialforschungsbereich F44 als neues Bindeglied zwischen den bereits etablierten Doktoratskollegs SPIN („Signal processing in neurons“) und MCBO („Cell biology and oncology“) und den kompetitiv geförderten Forschungsprojekten des Schwerpunkts Neuroscience (SNI) in Innsbruck fungieren soll“, erklärte Prof. Jörg Striessnig, der Sprecher des SFB. In seinem einleitenden Vortrag skizzierte Prof. Werner Poewe die Notwendigkeit der Verbesserung bestehender Therapien für viele häufige Erkrankungen des Zentralnervensystems, wie Morbus Parkinson, Alzheimer, Epilepsie und Multipler Sklerose aus der Sicht des forschenden Klinikers. Hierbei verwies er auch auf neuere Daten aus seiner eigenen Forschung, die es erlauben sollten, Personen mit einem hohen Risiko für eine Parkinsonerkrankung frühzeitig zu identifizieren.

Prof. Birgit Liss (Universität Ulm) beschrieb in ihrem Übersichtsvortrag die Rolle bestimmter Ionenkanäle für den Zelltod jener dopaminerger Nervenzellen, welche beim Morbus Parkinson präferentiell degenerieren. Diese Ionenkanäle bieten mögliche neue Angriffspunkte für neuroprotektive Arzneimittel, welche das Fortschreiten einer Parkinsonerkrankung verzögern könnten.

Prof. Vania Broccoli (San Raffaele Foundation, Mailand) stellte erfolgreiche Experimente vor, in denen es seiner Arbeitsgruppe gelang, dopaminerge Nervenzellen aus Hautzellen (Fibroblasten) der Maus mittels eines neuen Verfahrens in Zellkulturen herzustellen. Bei erfolgreicher Übertragung seiner Ergebnisse auf menschliche Zellen könnte sich sein experimenteller Ansatz zur Herstellung von dopaminergen Neuronen für die Implantation in das Gehirn von an Parkinson erkrankten Personen eignen. 

Prof. Frank Kirchhoff (Universität des Saarlandes) berichtete über neue hochsensitive Imagingverfahren, welche die direkte Analyse des Verhaltens bestimmter Gliazellen (Mikroglia) als Antwort auf akute Verletzungen des Gehirns erlauben. Damit gelingt es, Signalwege zu identifizieren, welche an solchen Reparaturvorgängen beteiligt sind.

Prof. Stefan Herlitze (Universität Bochum) berichtete von Untersuchungen an neuen Tiermodellen, die Einblick in die molekulare Pathologie von Ataxien erlauben. Insbesondere zeigen diese Studien welche Gehirnregionen und Zellen für bestimmte Krankheitsbilder verantwortlich sind und ebnen somit den Weg für gezielte therapeutische Ansätze in der Therapie dieser Bewegungsstörungen.

Das positive Feedback zu diesem Minisymposium lässt die Innsbrucker Neurowissenschaftler bereits eine Wiederholung im nächsten Jahr andenken. „Dies wäre eine exzellente Ergänzung zu dem bereits seit vielen Jahren jährlich statt findenden ‚Neuroscience Day’“, meint Prof. Georg Dechant, Sprecher des Doktoratskollegs SPIN. „Und damit eine weitere Gelegenheit für den neurowissenschaftlichen Nachwuchs mit internationalen Experten und Expertinnen über eigene Forschungsergebnisse zu diskutieren.“

(Margriet Drost)