Medien – Wissen – Bildung 2011: Kulturen und Ethiken des Teilens

Die Tagung Medien – Wissen – Bildung 2011 bot Forschern, Künstlern und Interessierten verschiedener Disziplinen ein Forum, die kulturellen und ethischen Grundlagen und Bedeutungen des Teilens in digitalisierten Gesellschaften in seinen zahlreichen Dimensionen zu diskutieren.
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Bild: Prof. Dr. Hans-Martin Schönherr-Mann sprach in seiner Keynote über das simulierte Begehren des Teilens.

Im Rahmen der Reihe „Medien – Wissen – Bildung“ fand an der Leopold-Franzens-Universität Innsbruck am 18. und 19. November 2011 eine internationale Konferenz zum Themenschwerpunkt „Kulturen und Ethiken des Teilens“ statt. Die Tagung wurde vom interdisziplinären Forum „Innsbruck Media Studies“ ausgerichtet und bot ein breit gefächertes Programm. Nicht nur Forscher verschiedener Fachrichtungen stellten ihre Arbeiten vor – auch Künstler wurden eingeladen, mit ihrem Zugang zu den Fragestellungen die Veranstaltung zu bereichern.

Das simulierte Begehren des Teilens

Nach der Begrüßung durch die Organisatoren Univ.-Prof. Dr. Theo Hug, Univ.-Prof. Dr. Ronald Maier, Dr. Wolfgang Sützl und Dr. Felix Stalder eröffnete Dr. Hans-Martin Schönherr-Mann, Professor für Politische Philosophie in München, den inhaltlichen Teil der Veranstaltung mit der ersten Keynote. Er fragte nach den Motivationen und verschiedenen Les- und Verwendungsarten von Teilen und schlug einen Bogen von allgemeinen Überlegungen hin zu medienbasierten Kulturen des Teilens und ihren ethischen Implikationen. Sind Imagination, Simulation oder gar die Medien selbst handlungsleitend für Akte des Teilens? Oder ist es doch die je individuelle Entscheidung, welche Teilen als nicht-simuliertes erst ermöglicht? Der Vortrag schuf einen weiten Überblick und warf Fragen auf, die im weiteren Verlauf vielfach aufgegriffen wurden.

In der zweiten Keynote präsentierte der Mediensoziologe Dr. Volker Grassmuck eine Folksonomy of Ethics (of Technology), die er hinsichtlich seiner Spezialgebiete Freie Software und Freie Kultur untersuchte. Seinen Einblick in Studien zu den simplen Fragen „Why would anybody freely share the fruits of their labour? Why would people pay for something they could get for free?“ schloss er mit der Hoffnung, dass diese Tagung Impulse für weiterführende Untersuchungen setzen könne.

„Sharing is worth studying“ (N. John)

Der Großteil der Tagung wurde in Panels mit je spezifischem Fokus abgehalten: so etwa Knowledge Sharing, Sharing and Social Media, (Jugend)kulturen des Teilens, Economies of Sharing oder Theorien des Teilens. In der abschließenden Diskussion brachte Nicholas John von der Hebrew University (Jerusalem) eine der zentralen Erkenntnisse auf den Punkt:  „Sharing is worth studying.“

Insgesamt besuchten mehr als 70 Teilnehmer die Tagung. Darüber hinaus wurde –  ganz im Sinne einer Ethik des Teilens – live von der Konferenz getwittert und ein Großteil der 19 Einzelpräsentationen und Audio-Aufzeichnungen wird auf der Homepage einer interessierten Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Zudem ist geplant, einige Vorträge in Kooperation mit Radio Freirad 105,9 auszustrahlen.

(Valentin Dander)