Hans Köchler: Die arabische Zivilisation und Europa

An der Uni Moulay Ismail in Meknès, Marokko, fand im November ein interdisziplinäres Kolloquium über die Philosophie von Hans Köchler statt, bei dem es vor allem um dessen Beitrag zur Theorie des interkulturellen Dialoges ging. Über 100 Professoren und Studierende nutzten die Gelegenheit, ihn über seine Erfahrungen aus vier Jahrzehnten europäisch-arabischer Zusammenarbeit zu befragen.
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Bild: Prof. Hans Köchler mit dem Vorstand der Abteilung für Philosophie, Prof. Mohamed Andaloussi, zu seiner Rechten und Professoren und Studierenden der Universität Moulay Ismail in Meknès.

Der Dekan der Fakultät, Dr. Ahmed El-Malki, würdigte in seiner Eröffnungsansprache Köchlers Beitrag zum Dialog zwischen der arabischen und der westlichen Welt und gab der Hoffnung auf einen weiteren Ausbau der Kontakte mit der Universität Innsbruck Ausdruck. Der Vorstand der Abteilung für Philosophie, Prof. Dr. Mohamed Andaloussi, beschäftigte sich in seinem Grundsatzvortrag mit den von Köchler erarbeiteten philosophisch-hermeneutischen Grundlagen des Dialoges. Dr. Hamid Lechhab, Präsident des Vereines der Marokkaner in deutschsprachigen Ländern und Übersetzer von Köchlers philosophischen Texten in die arabische Sprache, gab in seiner Einführung einen Überblick über dessen theoretische und praktische Bemühungen um einen Dialog der Zivilisationen. Er verwies insbesondere darauf, daß Köchler bereits im Jahre 1972 an der Universität Innsbruck einen Vortrag zum Thema „Kulturelles Selbstverständnis und Koexistenz: Voraussetzungen für einen fundamentalen Dialog“ gehalten und in einem Schreiben an die Abteilung für Philosophie der UNESCO im selben Jahr vorgeschlagen hatte, die Kulturorganisation der Vereinten Nationen möge sich mit den Fragen eines „Dialoges zwischen den Zivilisationen“ befassen. 1974 hat er, so Dr. Lechhab, in Innsbruck in Zusammenarbeit mit der UNECSCO eine internationale Konferenz über „Das kulturelle Selbstverständnis der Völker“ organisiert. Köchler hat damit, wie der Referent ausführte, das heute aktuelle Paradigma bereits vor mehr als drei Jahrzehnten in den philosophischen Diskurs eingeführt und mit seiner Lehre von der „Dialektik des kulturellen Selbstverständnisses“ präzisiert.

Über besonderen Wunsch der marokkanischen Philosophen sprach Professor Köchler im zweiten Teil des Kolloquiums über die Aktualität der Philosophie Martin Heideggers. Ein Buch mit der arabischen Übersetzung seiner frühen Heidegger-Interpretation („Skepsis und Gesellschaftaskritik im Denken Martin Heideggers“) wird, zusammen mit einem von Köchler erstellten Glossar zentraler Begriffe von Heideggers Philosophie, anläßlich der internationalen Buchmesse in Casablanca im Februar nächsten Jahres erscheinen.

Im Rahmen des Kolloquiums wurde auch die kürzlich erschienene arabische Ausgabe von „Global Justice or Global Revenge?“, eines der rechtsphilosophischen Hauptwerke von Köchler, vorgestellt. Der Übersetzer des Buches, Mohamed Jalid, Redaktionsleiter einer großen marokkanischen Tageszeitung, erläuterte die Hauptthesen des Werkes und sprach über die Relevanz von Köchlers rechtsphilosophischem Ansatz im Hinblick auf die politischen Umwälzungen in der arabischen Welt. Im Anschluß an eine längere Diskussion stand der Autor für eine Signierung seiner Bücher zur Verfügung.

An der Fakultät für Literatur- und Humanwissenschaften der Universität in Meknès werden derzeit zwei Dissertationen über die Philosophie von Hans Köchler geschrieben. Die arabische Übersetzung seines Vortrages über „Die Aktualität der Philosophie Heideggers“ wird in der marokkanischen Zeitschrift „Les temps modernes“ erscheinen.

(red)