Vergänglicher Leib – ewige Seele? Innsbrucker Philosophen sprechen zum Thema in Bayern Alpha

Der Tod steht für das Ende des Lebens. Aber bedeutet er zugleich das Ende der menschlichen Person? Der Glaube an ein individuelles Weiterleben nach dem Tod ist eine Grundkonstante existentieller Reflexion. Wie lässt sich ein solches Weiterleben denken? Bayern Alpha strahlte vor kurzem eine Dokumentation dazu mit etlichen Mitgliedern des Instituts für Christliche Philosophie aus.
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Bild: Die Erforschung von personaler Identität und Auferstehung rückte in den vergangenen Jahren wieder vermehrt in den Fokus der theologischen Forschung. (Bild: Ausschnitt aus „Der Aufstieg in das himmlische Paradies“ von Hieronymus Bosch)

Die Frage, wie sich Menschen ein Weiterleben nach dem Tod vorstellen, ist religionspsychologisch und –soziologisch ausführlich untersucht worden. Diese Studien zeigen, dass sich sowohl religiöse als auch nicht religiös sozialisierte Menschen gleichermaßen mit der Frage auseinandersetzen, was im Tod geschieht.

In letzter Zeit sind neue Studien zu sogenannten Nahtoderfahrungen hinzugekommen. Sie weisen darauf hin, dass die Abhängigkeit des Bewusstseins von der Funktionsfähigkeit des Gehirns weniger stark sein könnte, als bisher angenommen. Denn Personen mit Nahtoderfahrungen erinnern sich im Detail an Momente, in welchen die Funktionsfähigkeit des Gehirns erheblich beeinträchtigt war, etwa während eines Herz-Kreislauf-Stillstands. Insofern sollte in solchen Momenten die Produktion klarer Erinnerungen durch das Gehirn eigentlich nicht mehr möglich sein. Univ.-Prof. Hans Goller vom Institut für Christliche Philosophie hat sich eingehend mit Nahtoderfahrungen beschäftigt. Er kommt zum Schluss, dass sie zwar keinen Beweis für ein Weiterleben nach dem Tod oder für die Existenz einer Seele liefern, aber reduktionistische Deutungen des menschlichen Geistes in Frage stellen.

Wie lässt sich diese Hoffnung mithilfe philosophischer und theologischer Überlegungen konkret denken? Zu dieser Frage hat die Katholische Akademie Bayern im vergangenen Herbst eine „Philosophische Woche“ organisiert. Als Referenten eingeladen und an der Konzeption der Tagung wesentlich beteiligt waren mehrere Mitglieder des Instituts für Christliche Philosophie. Neben den bereits erwähnten Ausführungen von Hans Goller zur Nahtoderfahrung erläuterte Ao. Univ.-Prof. Christian Kanzian in einem Hauptvortrag das Verhältnis von „Seele“ und „Körper“ in der aktuellen philosophischen Diskussion. Ao. Univ.-Prof. Josef Quitterer veranstaltete ein Kolloquium zur Auferstehungstheorie des bedeutenden mittelalterlichen Philosophen und Theologen Thomas von Aquin und Prof. Christian Tapp, ehemaliger PostDoc am Institut, erörterte in einem weiteren Hauptvortrag philosophische Probleme der christlichen Auferstehungslehre.

Die starke Beteiligung von Mitgliedern des Instituts für Christliche Philosophie kommt nicht von ungefähr. Die Analyse der Rationalität religiöser Weltanschauungen gehört zur Forschungstradition des Instituts. Hierbei ist die intensive Auseinandersetzung mit der Auferstehungshoffnung seit einigen Jahren in den Mittelpunkt gerückt. So wurde im Sommer 2008 in Obergurgl eine internationale Konferenz zum Thema „Personal Identity and Resurrection“ organisiert, welche die Fachwelt sehr positiv aufgenommen hat. Georg Gasser, Hauptorganisator der Konferenz und Herausgeber des dazu erschienenen englischen Sammelbands, bestätigt, dass philosophische Arbeiten zum Thema „personale Identität und Auferstehung“ seit einigen Jahren einen regelrechten Boom verzeichnen und diese Frage vermutlich seit dem Hochmittelalter nicht mehr so lebhaft diskutiert wurde.

Die Tagung in Obergurgl hat auch Prof. Godehard Brüntrup aus München dazu inspiriert, der Katholischen Akademie Bayerns dieses Thema für die Philosophische Woche vorzuschlagen und das Institut für Christliche Philosophie aktiv in die Gestaltung mit einzubeziehen. Dass dieses Thema viele Menschen auch jenseits der philosophisch-theologischen Fachwelt bewegt, zeigt die hohe Teilnehmerzahl: Die Plätze für die Philosophische Woche waren restlos ausverkauft; mehrere hundert Personen ließen es sich nicht nehmen, den teils komplexen philosophischen und theologischen Gedankengängen zu folgen bzw. in den Kolloquien selbst Textanalyse zu betreiben und aktiv mitzudiskutieren. Auch das Interesse des Bayrischen Rundfunks, eine 45-minütige Dokumentation zu diesem Thema zu erstellen, ist ein deutliches Indiz für die Aktualität dieser Forschungsfrage.

Am Institut für Christliche Philosophie freut man sich über diese Entwicklung. „Die Tagung in Obergurgl und unsere Arbeiten zu den metaphysischen Voraussetzungen des Weiterlebens nach dem Tod waren keine Eintagsfliegen. Es zeigt sich vielmehr, dass unsere Forschungsbeiträge im deutschsprachigen Raum, aber auch international, beachtet und rezipiert werden“, resümiert Institutsvorstand Josef Quitterer.

(red)