Alles unter einen Hut

Der Workshop „Alles unter einen Hut“, der Mitte Oktober stattfand, beschäftigte sich mit dem Spannungsfeld zwischen Erwerbs-, Familien- und Betreuungsarbeit. Einerseits wurde dabei die gegenwärtige Situation in Tirol thematisiert, andererseits wurden aktuelle Forschungsergebnisse präsentiert.
Die Politikwissenschaftlerin Univ.Prof. Mag. Dr. Erna Appelt thematisierte in ihrem Vortrag zum Thema „Geschlechtergerechte Altenpflege?“ die Situation pflegender Angehöriger.
Bild: Die Politikwissenschaftlerin Univ.Prof. Mag. Dr. Erna Appelt thematisierte in ihrem Vortrag zum Thema „Geschlechtergerechte Altenpflege?“ die Situation pflegender Angehöriger.

Einen Nachmittag lang ging es an der Universität Innsbruck im Rahmen der Veranstaltung „Alles unter einen Hut. Das Spannungsfeld Erwerb, Hausarbeit, Familie“, die von der Interfakultären Forschungsplattform Geschlechterforschung der Universität Innsbruck in Kooperation mit dem EU-Projekt Workcare-Synergies veranstaltet wurde, um aktuelle gesellschaftliche Anforderungen an die Familien und hier wiederum vor allem an die Frauen. Wie können Betreuungspersonen familiäre Aufgaben und Familie unter einen Hut bringen? Wie sieht das Berufs- und Familienmanagement in anderen europäischen Ländern aus? WissenschafterInnen, PolitikerInnen und ExpertInnen thematisierten gemeinsam mit lokalen AkteurInnen die aktuelle Lage für Frauen in Tirol und diskutierten die Vereinbarkeit von Berufs- und Familiensituation im internationalen Vergleich.

Gabi Schiessling, Vizepräsidentin des Tiroler Landtags, erklärte zu Beginn des Nachmittags zur Kinderbetreuung und Altenpflege in Tirol, dass „es einerseits um eine Bewusstseinsbildung, andererseits aber auch um eine Stärkung des Bewusstseins geht.“ Ergänzend führte sie aus, dass „alle Frauen die Möglichkeit haben sollten, nach ihrer Karenz wieder eine Vollzeitarbeitsstelle zu bekommen, wenn sie dies möchten.“ Für die Frau in der Gegenwart spielt aber nicht nur die Vereinbarkeit von Arbeit und Kind(ern) eine Rolle. Denn auch die Altenpflege ist sozial gesehen eine Aufgabe, die in erster Linie Frauen zugeschrieben wird. Die Politikwissenschaftlerin Erna Appelt thematisierte in ihrem Vortrag zum Thema „Geschlechtergerechte Altenpflege?“ die Situation pflegender Angehöriger. Appelt betonte die Belastungen, die Altenpflege für die betroffenen Betreuungspersonen mit sich bringt, die diese Aufgaben zusätzlich zum Beruf übernehmen oder, wenn sie ihre Berufstätigkeit aufgeben, schwerwiegende Nachteile in Kauf nehmen müssen. Appelt fordert daher eine Diskussion über die finanzielle Abgeltung der Leistungen, die Familienangehörige in diesem Bereich leisten.

Vereinbarkeit von Beruf und Familie

Der Kinderbetreuung kommt beim Problem der Vereinbarkeit von Beruf und Familie eine Schlüsselfunktion zu. Michaela Gstrein vom Institut für Höhere Studien in Wien konnte in ihrem Film „Spannungsfeld Beruf-Familie: Zur Situation in Österreich aus der Warte von Männern und Frauen“ aufzeigen, dass häufig erst durch die Unterstützung durch Großmütter (seltener Großväter) eine Berufstätigkeit von Müttern möglich wird. „Nur dadurch lassen sich für viele Mütter Job und Kind vereinen“, so Gstrein. Maria Wolf vom Institut für Erziehungswissenschaften der Uni Innsbruck forderte im Zuge ihrer Rede zur Thematik „Was Eltern wünschen und Kinder brauchen. Zum Verhältnis von familiärer Erziehung & Bildung und öffentlicher Kinderbetreuung“ mehr Geschlechtergerechtigkeit hinsichtlich der Teilung gesellschaftlich notwendiger Educare-Arbeit in Familien. „Es geht letztendlich um ein Entideologisieren von Geschlechterrollen in Bezug auf die klassische Vater- und Mutterrolle“, so Wolf. Interessant gestaltete sich der Blick auf unsere Nachbarländer. Die Soziologin Barbara Haas präsentierte Einstellungen zur partnerschaftlichen Arbeitsteilung im Ländervergleich. Hier konnte sie evident machen, dass besonders die nordischen Länder keine großen Probleme mit Erwerb, Familie und Kinderbetreuung haben. Für Kinderbetreuungsinstitutionen ist dort gesorgt. Die Frau kann bereits relativ früh wieder ihrer Berufstätigkeit nachgehen und weiß, dass das Kind in der Betreuungsstätte gut versorgt ist.

(Nina Hausmeister)