„Als guter Freund in Erinnerung“

Vergangene Woche wurde Prof. Ralph M. Steinman von der Rockefeller Universität in New York der diesjährige Nobelpreis für Medizin zuerkannt. In die Freude über diese höchste Auszeichnung mischt sich die Trauer über seinen gleichzeitig bekanntgewordenen Tod. Prof. Steinman war Ehrendoktor der Universität Innsbruck.
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Bild: Prof. Ralph M. Steinman (Foto: Zach Veilleux/Rockefeller Universität)

Ralph M. Steinman, dessen wissenschaftliches Lebenswerk die Tür zur Entwicklung vielversprechender immunologischer Verfahren zur Krebstherapie öffnete, starb selbst an einem Bauchspeicheldrüsenkarzinom. Er ließ sich über mehrere Jahre und bis zuletzt mit der von ihm selbst entwickelten Therapie behandeln. Ralph Steinman hinterließ auch an den Innsbrucker Universitäten Spuren. Die langjährige erfolgreiche wissenschaftliche Zusammenarbeit mit ihm wurde im Jahre 1998 durch die Verleihung des Ehrendoktorats der Universität Innsbruck gewürdigt.

Ralph Steinman wurde 1943 in Montreal geboren. Er studierte Biochemie an der McGill University und Medizin an der Harvard Medical School. Dort promovierte er 1968 "Magna cum laude" zum Doktor der Medizin. Im Jahre 1970 trat er in das Laboratory for Cellular Physiology and Immunology der Rockefeller Universität in New York ein. Steinman war bis zu seinem Tod Leiter dieser Forschungsabteilung.

Ralph Steinman war Mitglied der National Academy of Sciences USA, und es wurden ihm zahlreiche hochrangige Ehrungen zuteil, von denen hier beispielhaft der Emil-von-Behring Preis (1996) und der Robert-Koch Preis (1999) genannt seien. Im Jahr 2007 erhielt er den Lasker Award for Basic Medical Research, der nicht umsonst als eine Vorstufe zum Nobelpreis gilt.

Ralph Steinmans Saat ging auch an der Medizinischen Universität Innsbruck auf. Zahlreiche Forschungsprojekte und -schwerpunkte beschäftigen sich mit der Rolle der Dendritischen Zellen und deren spezieller epidermaler Spielart, den Langerhanszellen, in Infektionen, Autoimmunität und Tumorimmunologie. Die von Ralph Steinman immer wieder so vehement eingeforderte Umsetzung der Erkenntnisse aus experimentellen Modellen in die klinische Praxis wird im Rahmen des Oncotyrol-Forschungskonsortiums in Zusammenarbeit mit den Universitätskliniken für Dermatologie und Venerologie sowie der Urologie betrieben. Entscheidend für diesen Fokus auf Dendritische Zellen waren erfolgreiche Forschungsaufenthalte von Innsbrucker Forschern in Steinmans Labor an der Rockefeller University (Gerold Schuler 1984/85, Nikolaus Romani 1987/88, Christine Heufler-Tiefenthaler 1992/93). Bemerkenswert und nicht selbstverständlich war die nachhaltige Unterstützung, die Steinman den Innsbrucker Wissenschaftlern auch nach ihrer jeweiligen Rückkehr nach Innsbruck hat angedeihen lassen. Das hat maßgeblich zur Verfestigung des Forschungsthemas Dendritische Zellen in Innsbruck beigetragen, aber auch zur frühen „Dissemination“ dieses Wissens über Innsbruck hinaus.

Ralph Steinman blieb auch als wissenschaftliche Eminenz außergewöhnlich zugänglich, hilfsbereit und immer motivierend und ermutigend. Er wird uns auch als guter Freund in Erinnerung bleiben. Wir schließen uns den Worten des Präsidenten der Rockefeller Universität an, der in seiner Reaktion auf die Ereignisse meinte: „Wir betrauern den Tod von Ralph Steinman, und wir feiern sein Lebenswerk.“

(Nikolaus Romani, PhD)