Forschungsplattform CEnT bei der Ars Electronica 2011 in Linz

Die Forschungsplattform CEnT der Universität Innsbruck beteiligte sich in Kooperation mit dem Freien Rundfunk Oberösterreich an der diesjährigen Ars Electronica in Linz. Im Zuge des Projekts „Media Machine“ näherte sich Radio FRO mit der Unterstützung von CEnT dem komplexen Themenfeld „Identität“ an. Zudem nahm CEnT-Sprecher Christoph Ulf an einer Podiumsdiskussion teil.
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Bild: Die TeilnehmerInnen der Podiumsdiskussion „Brauchen MigrantInnen die Freien Medien?“ von links nach rechts: Andreas Wahl (Radio FRO), Christoph Ulf (CEnT), Clara Akinyosoye (M-Media) und Tania Araujo (maiz). (Bildnachweis: Peter Scharmüller)

Etwa ein Viertel der 350 SendungsmacherInnen bei Radio FRO (Freier Rundfunk Oberösterreich), das in über 17 verschiedenen Sprachen sendet, besitzt Migrationshintergrund. Wie gehen die SendungsmacherInnen damit um? Womit identifizieren sie sich? Welche Merkmale dominieren in ihren ganz persönlichen Identitätskonstruktionen? Und was bedeutet das für FRO? Diese Fragen standen im Zentrum des Workshop „Es ist ein Teil von mir“, der am 1. September 2011 im Rahmen der Ars Electronica 2011 in Linz stattfand. Mit der Unterstützung von Timo Heimerdinger, Eva-Maria Hochhauser und Christoph Ulf – Mitglieder der Forschungsplattform „Cultural Encounters and Transfers“ (CEnT) der Universität Innsbruck – sollte der Versuch unternommen werden, sie zu beantworten.

Identität

Nach einer Einführung durch die Moderatorin, Renate Müller, Leiterin der Integrationsstelle des Landes Oberösterreich, und einem Input des CEnT-Teams aus Innsbruck, diskutierten die 16 TeilnehmerInnen mit CEnT ihre persönlichen Überlegungen und Erfahrungen mit dem Thema „Identität“. Im Lauf der Diskussion konnten drei für Identitäten wesentliche Konstruktionselemente herausgearbeitet werden: die Ebene der Visionen und Wünsche, die Ebene der persönlichen Befindlichkeit sowie die Ebene strukturell verankerter Gegebenheiten. Am Nachmittag setzten sich die TeilnehmerInnen in Arbeitsgruppen intensiv mit diesen interagierenden und sich überlappenden Ebenen auseinander. Abschließend wurde der Fokus explizit auf die strukturelle Ebene gelenkt, da sie den Umgang mit Vergangenheit wesentlich mitbestimmt. An verschiedenen Beispielen von der Antike bis zur Gegenwart konnte dabei der Konstruktionscharakter der Mythen bzw. Erzählungen zur Begründung und Verfestigung kollektiver Identitäten aufgezeigt werden, aber auch wie sehr deren Ausformung zeitlich und örtlich variiert.

Podiumsdiskussion

Am 2. September 2011 fand ebenfalls im Rahmen des Projekts „Media Machine“ eine Podiumsdiskussion zur Frage „Brauchen MigrantInnen die Freien Medien?“ statt. Christoph Ulf nahm als Sprecher von CEnT daran teil. Er lieferte nicht nur wichtige Impulse in Form theoretischer Überlegungen, sondern versuchte zudem, die Gefahren und Potentiale der zwei die Diskussion dominierenden und in starkem Gegensatz zueinander stehenden Positionen zum Thema aufzuzeigen: Auf der einen Seite forderte Tania Araujo (Gründerin von Maiz, dem Autonomen Zentrum für und von MigrantInnen in Linz) einen ideologisch begründeten, radikalen, nicht nur die Medien umfassenden Systemumsturz. Auf der anderen Seite vertraten Clara Akinyosoye (Chefredakteurin von M-Media) und Andreas Wahl (Geschäftsführer Radio FRO) die Ansicht, dass Medienstrukturen langsam und von innen heraus verändert werden müssten, um die Partizipationsmöglichkeiten für MigrantInnen zu verbessern.

Die spannende, zum Nach- und Weiterdenken anregende Diskussion wurde live auf Dorf TV sowie auf Radio FRO übertragen. Sie bot der Forschungsplattform CEnT, in Kombination mit dem Workshop, die Möglichkeit, sich einem breiteren Publikum zu präsentieren und die unter den Mitgliedern von CEnT diskutierten methodisch-theoretischen Überlegungen einem Praxistest zu unterziehen.

(Eva-Maria Hochhauser und Christoph Ulf)