Jurassic Park liegt in Tirol

Österreich hat einen „Golden Spike“ bekommen. Er markiert den weltweit besten Referenzpunkt für den Beginn der geologischen Zeitperiode des Jura. Der „Goldene Nagel“ wurde am 20. August 2011 am Kuhjoch feierlich eingesetzt.
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Bild: Der „Golden Spike“ am Kuhjoch markiert die geologische Grenze zwischen den Erdzeitaltern Trias und Jura. (Foto: Sylvain Richoz)

Die rund 500 Millionen Jahre durch Fossilien belegte Geschichte der Erde wird in charakteristische geologische Zeiteinheiten untergliedert, wovon der Jura und die Kreidezeit zu den bekanntesten gehören. Der Jura stellt unter anderem die erste Blütezeit der Dinosaurier dar, besonders der riesigen Pflanzenfresser. Am Ende der vorangehenden Trias kam es zu einem weltweiten Massensterben der Tierwelt, das neuesten Untersuchungen zufolge durch von gigantischen Vulkanausbrüchen bedingte Umweltschäden (globale Überhitzung, saurer Regen, Kohlendioxidvergiftung) erklärt wird.

„Golden Spike“: Exakte Grenze zwischen geologischen Zeitabschnitten

Zur vergleichenden zeitlichen Erfassung eines solchen Ereignisses auf globaler Basis bedarf es jedoch exakter Grenzen zwischen den geologischen Zeitabschnitten. Um diese Einheitlichkeit zu erreichen, hat die UNESCO-Organisation „International Union of Geological Sciences“ (IUGS) eine „Global Time Scale“ eingeführt, in der jede Zeitgrenze der Erdgeschichte durch einen „Global Stratotype Section and Point“ (GSSP) definiert wird. Ein solcher GSSP legt an einem einzigen Ort der Erde innerhalb der dort vorkommenden Gesteinsschichten einen Punkt fest, der die Basis der zu definierenden Zeiteinheit mit einem goldenen Nagel fixiert (das „Golden Spike“-Prinzip). Dieser Ort ist fortan die weltweite Referenz für alle geologischen Forschungen, die auf diese Grenze Bezug nehmen. Wer auch immer in diesem Abschnitt der Erdgeschichte forscht, kommt um diesen Punkt nicht herum und muss ihn entsprechend berücksichtigen.

Nach mehr als 20 Jahren intensiver Forschung hat eine internationale Kommission aus fast 100 Forschern den GSSP für die Basis des Jura am Kuhjoch, Gemeinde Eben am Achensee, Tirol, in 1.760 Meter Seehöhe ausgewählt. Die Grenze wird mit dem Erstauftreten des Ammoniten Psiloceras spelae tirolicum vor 201,58 Millionen Jahren zentimetergenau markiert. Das Kuhjoch wurde auf Grund des obigen Ammoniten und weiterer Vorteile den anderen Kandidaten in Nevada, Peru und England vorgezogen. „Die Wahl ist eine große Ehre für Österreich und eine außerordentliche Anerkennung der Leistung der heimischen geologischen Forschung“, freut sich Werner E. Piller, Vorsitzender der Österreichischen Kommission für Stratigraphie, Obmann der Kommission für die paläontologische und stratigraphische Erforschung Österreichs der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW) und Vorsitzender des International Geoscience Programme (IGCP) der UNESCO an der ÖAW. Prof. Rainer Brandner vom Institut für Geologie und Paläontologie der Universität Innsbruck ergänzt die Bedeutung der Forschung auf diesem Gebiet: „Aus der Vergangenheit können wir lernen. Die Geologie ist damit die einzige Wissenschaft, die in die Zukunft unseres Klimas schauen kann.“

Festveranstaltung am 20. August 2011

Um das Ereignis gebührend zu würdigen, lud das Österreichische Nationalkomitee für Geowissenschaften, die Österreichische Kommission für Stratigraphie und das International Geoscience Programme am 20. August 2011 zu einer Festveranstaltung, in deren Rahmen der „Goldene Nagel“ am Kuhjoch feierlich eingesetzt wurde. Die internationale Bedeutung dieses Ereignisses wurde durch die Präsenz von Bundesminister Karlheinz Töchterle, des Vorsitzenden der Internationalen Kommission für Stratigraphie, Stan Finney (USA), und des Vorsitzenden der stratigraphischen Subkommission für den Jura, József Pálfy (Budapest), unterstrichen. Ein öffentlicher Vortrag durch Rainer Brandner (Innsbruck) rundete den Festakt ab.