Neue Verfahren in der Wortbildung: international und dennoch schlecht erforscht

Ende Juni trafen sich 17 Vertreterinnen und Vertreter verschiedener Philologien sowie der Translationswissenschaft im Universitätszentrum Obergurgl zu einer Tagung zum Thema „Außenseiter in der Wortbildung(sforschung)“. Sie analysierten drei Tage lang verschiedene Techniken, neue Wörter zu bilden.
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Bild: Wortbildungsverfahren und ihre Produkte standen Ende Juni im Mittelpunkt einer Tagung im Universitätszentrum Obergurgl.

Vom 23. bis 26. Juni 2011 fand im Universitätszentrum Obergurgl eine Tagung zum Thema „Außenseiter in der Wortbildung(sforschung)“ statt. 17 Vertreterinnen und Vertreter verschiedener Philologien sowie der Translationswissenschaft analysierten drei Tage lang verschiedene Techniken, neue Wörter zu bilden, die üblicherweise von den traditionellen Wortbildungstheorien eher vernachlässigt werden, aber in der Gegenwartssprache außerordentlich produktiv sind.

Dabei wurden nicht nur Sprachen von unterschiedlichem Status (z.B. Russisch, Rumänisch, Ladinisch), sondern auch zahlreiche Textsorten (vom hochspezialisierten Fachtext bis zum Comic) und Varietäten (Jugendsprache, Werbesprache, Politjargon) in Augenschein genommen. Das Gespräch über die Fächergrenzen hinweg machte – auch zur Überraschung mancher Teilnehmerinnen und Teilnehmer – deutlich, dass die neuen Produkte der Wortbildung tendenziell Internationalismen sind (z.B. Konfixbildungen wie Genozid, europhob, Siglen wie sms, Akronyme wie ERASMUS, Kontaminationen wie Glokalisierung oder Ableitungen von Eigennamen wie Schubertiade), dass aber die vorwiegend einzelsprachenzentrierte Wortbildungsforschung sehr unterschiedliche Terminologien gebraucht, die dringend einer Harmonisierung bedürfen. Für ein „Obergurgler Manifest“ lagen die Standpunkte zwar auch am Ende der Tagung noch zu weit auseinander, doch wurde beschlossen, dass es eine Fortsetzung der fruchtbaren Diskussion geben müsse. 

Als sehr anregend wurde nicht nur die internationale Zusammensetzung (mit Dolmetschung für Italienisch und Spanisch), sondern auch die Mischung von anerkannten Autoritäten des Fachs und vielversprechenden NachwuchswissenschaftlerInnen empfunden.

(Wolfgang Pöckl)